Wiesnwirt steigt plötzlich aus: Stadt sucht Blitz-Nachfolger fürs Oktoberfest

Alexander Egger wird dieses Jahr nicht mehr mit der Münchner Stubn auf dem Oktoberfest vertreten sein. Er hat die Reißleine gezogen. Wer nun nachrücken könnte
von  Nina Job
War seit 2022 auf der Wiesn: die Hühner- und Entenbraterei Münchner Stubn. Heuer wird sie nicht mehr dabei sein.
War seit 2022 auf der Wiesn: die Hühner- und Entenbraterei Münchner Stubn. Heuer wird sie nicht mehr dabei sein. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Stell dir vor, es ist Wiesn – und ein Wirt hat einfach so gar keine Lust mehr darauf. Während alle anderen Zelte bereits aufgebaut werden, hat einer im letzten Moment die Reißleine gezogen: Alexander Egger, der Wirt des kleinen Festzelts Münchner Stubn, hat die entscheidende Frist verstreichen lassen.

Bis Freitag (3. Juli) um 23.59 Uhr hätte der unterschriebene Vertrag bei der Stadtverwaltung eingereicht werden müssen. Doch das ist nicht geschehen, wie Wiesnstadträtin Anja Berger (Grüne) der AZ bestätigt hat.

Egger lässt Frist ablaufen: keine Münchner Stubn auf der Wiesn

Die Art und Weise des Rückzugs und seine Hintergründe sind einmalig in der Oktoberfestgeschichte – auch wenn freilich auch früher schon Wiesnwirte ausgestiegen sind.

Alexander Egger und seine Frau Kathrin Wickenhäuser beim Oktoberfestauftakt 2022 in ihrem Zelt Münchner Stubn.
Alexander Egger und seine Frau Kathrin Wickenhäuser beim Oktoberfestauftakt 2022 in ihrem Zelt Münchner Stubn. © IMAGO/B. Lindenthaler

Seit 2014 war das Münchner Ehepaar Alexander Egger und Kathrin Wickenhäuser-Egger auf der Wiesn vertreten, zunächst mit dem Gastro-Stand "Die Brez’n Kathl". 2022 verwirklichten sie sich mit der Münchner Stubn einen Traum. Das kleine Zelt (440 Plätze) heißt genauso wie ihre Wirtschaft am Hauptbahnhof. Doch nun werfen Egger und seine Frau hin.

Eine Begründung müssen sie gegenüber der Stadt nicht abgeben. Und auch, wenn sie sich bislang weder persönlich noch über ihren Anwalt Benno Ziegler zu den Gründen äußern wollten, spricht vieles dafür, dass Egger nicht mehr Teil des Oktoberfestsystems sein wollte. Dazu kommt: Er hatte zuvor bereits mehrmals geäußert, dass sich ein kleines Wiesnzelt wirtschaftlich nicht lohnen würde.

Mehrmals hatte sich Egger erfolglos um ein anderes Zelt bemüht: Zunächst hatte er sich für das Schützenlisl-Zelt auf der Oidn Wiesn beworben, nach der Absage klagte er gegen die Entscheidung – und verlor.

Dann bewarb er sich erfolglos für das Schottenhamel- und das Paulaner-Zelt. Am 11. September geht es nun vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht darum, ob die Stadt die Vergabe der Zelte europaweit ausschreiben muss, wie Egger fordert.

Auf Eggers Klagen folgten – teils sehr persönliche – Anfeindungen. Die Arbeitsgemeinschaft der kleinen Wiesnzelte warf ihn raus. Er selbst trat aus dem Vorstand der Münchner Dehoga-Kreisstelle aus und legte seine Vorstandsämter bei der Tourismus Initiative München (TIM) sowie bei den Innenstadtwirten nieder.

Dem Nachrücker bleiben nur noch gute neun Wochen Zeit

Die Stadt muss nach seinem Rückzug als Wiesnwirt nun sehr schnell Ersatz finden. Bis das 191. Oktoberfest am 19. September startet, sind es nicht einmal mehr zehn Wochen. Wiesnstadträtin Anja Berger sagte am Sonntag zur AZ: "Wir werden etwas Gutes daraus machen und schnell einen Nachfolger suchen." Sie ist zuversichtlich, dass ein anderer Wirt auf dem nun frei gewordenen Platz übernimmt und ein kleines Zelt aufgebaut werden kann. "Es wird sportlich, aber in der Branche sind ja alle sehr findig."

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl gibt zu bedenken: "Für ein Zelt braucht es ein Brandschutzkonzept, TÜV, Baubuch ... Das ist schon sehr sportlich." Er hält für möglich, dass ein Schausteller, zum Beispiel mit einem Karussell, den Platz kurzfristig besetzen könnte.

Bereits am Dienstag wird sich der interfraktionelle Arbeitskreis Oktoberfest mit dem Fall befassen. Nachrücker auf der städtischen Bewerbungsliste ist nach AZ-Informationen Klaus Bartl (59), seit 2015 Betreiber des Campingplatzes Thalkirchen. Über Wiesn-Ambitionen von ihm war bislang nichts bekannt – nur dass er jedes Jahr Tausende Gäste, die aus aller Welt anreisen, beherbergt. Auf AZ-Anfragen hat er bislang nicht reagiert.

Ein Novum in der Oktoberfestgeschichte

Dass ein Bewerber, der die begehrte Zusage für ein Wiesnzelt in der Tasche hatte, so kurzfristig abspringt, ist ein Novum. Alle anderen zuvor – wie zum Beispiel die Familie Wildmoser (Entenbraterei Wildmoser), die Familie Heide (Bräurosl) oder Arabella Schörghuber (Paulaner Festzelt) – hatten ihren Rückzug weit im Voraus angekündigt.

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