Wiesn-Wirte melden sich zu Wort: "Das ist doch lächerlich"

Eine Musikempfehlung der Stadt Erlangen schlägt hohe Wellen: Die Verwaltung hatte die Festwirte und Bands vor dem Start der Bergkirchweih gebeten, unter anderem "Skandal im Sperrbezirk" von der Spider Murphy Gang nicht auf dem Volksfest zu spielen. Neben den Interpreten selbst (Lesen Sie dazu S. 32) äußert sich auch Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) über die Zukunft des NDW-Hits auf dem Oktoberfest.
Christian Scharpf: "Auf so eine Idee wäre ich niemals gekommen"
Der Wirtschaftsreferent meldet sich auf Instagram zu Wort – mit einer klaren Ansage: "Die Spider Murphy Gang sind Kult und ,Skandal im Sperrbezirk’ wird auf der Wiesn natürlich nicht verboten". Er betont: "Auf so eine Idee wäre ich niemals gekommen."
Helmut Schleich: "Da verselbständigt sich ein autoritärer Mechanismus zunehmend"
Scharpf bezeichnet den Hit aus dem Jahre 1981 als "ein Stück Münchner Musikgeschichte". Das Lied setze sich "satirisch und obrigkeitskritisch" mit dem strikten Vorgehen der Stadt München in den 80er Jahren bei Prostitution in der Innenstadt und in Wohnvierteln auseinander.

In einem Kommentar zu dem Post springt Kabarettist Helmut Schleich dem Wiesn-Chef zur Seite: "Das ist ehrenwert, lieber Christian! Aber ganz ehrlich: außer explizit historisch belastetem Liedgut (Nazilieder, auch kommunistische Kampflieder wie "auf, auf zum Kampf") haben Behörden mMn gar keine Lieder zu verbieten."
Wiesn-Wirte melden sich zu Wort: "Das ist doch lächerlich"
Ähnlich äußert sich Wiesn-Wirt Stephan Kuffler (Weinzelt). "Das Verbot von ,Skandal im Sperrbezirk’ in Erlangen ist doch lächerlich", sagt er auf AZ-Anfrage. "Ich dachte immer, ‚Skandal im Sperrbezirk’ habe einen gesellschaftskritischen Text, der doppelbödige Moral anprangere. Dann höre ich wohl besser ‚Mai Ling’ vom Polt auch nicht mehr an." Die Politik scheine zunehmends zu denken, die Bürgerinnen und Bürger seien "unmündige Kinder, die man erziehen müsse", sagt Kuffler. "Diesen Standpunkt teile ich überhaupt nicht."
Dennoch gebe es auch im Weinzelt Titel, die nicht gespielt werden. "Lieder, die in irgendeiner Form verletzend, ausgrenzend oder diskriminierend sind", so der Wirt. Die Bands hätten in der Auswahl aber freie Hand und wüssten damit umzugehen.
Vorgaben auf der Wiesn: Keine "aufheizende" Lieder tagsüber
Peter Inselkammer, Armbrustschützenzelt-Wirt setzt auf Kommunikation statt Verbote. "Das ist total übertrieben", sagt er im Gespräch. Es sei nicht Aufgabe der Verwaltung, festzusetzen, was für Lieder in Festzelten laufen. Seine Kapelle wisse, was gespielt werden könne und was nicht. "Dafür braucht es keine Verbote." Die Titelliste werde zudem gemeinsam abgestimmt. "So sollte dann kein Ausreißer dabei sein", sagt Inselkammer. Dennoch verweist er darauf, dass auch die Stadt München Vorgaben zu Liedern mache. "Aufheizende" Musik dürfe etwa tagsüber nicht gespielt werden, stehe in den Betriebsvorschriften zur Wiesn.
Bei umstrittenen Liedern, wie etwa "Layla" – auch auf der Erlanger Liste – überlegt man sich lieber andere Lösungen: "Unser Kapellmeister hat damals einen moderaten Text dazu verfasst", erinnert sich Inselkammer.
Auch wenn die Stadt Erlangen betont hatte, dass es sich nicht um eine Verbotsliste handele, sondern als Orientierung und Sensibilisierung gedacht sei, sorgte vor allem die Empfehlung, den Gassenhauer der Spider Murphy Gang nicht zu spielen, für Unverständnis. Auf der Bergkirchweih sollte auch auf Songs wie "Layla", "Joana" und mehrere Mickie-Krause-Songs verzichtet werden. Ebenfalls auf der Liste – das "Donaulied", in dessen Text Anspielungen auf eine mögliche Vergewaltigung gemacht werden.