"Hätte weinen können": So erlebte Lorenz Stiftl seinen ersten Tag als Paulaner-Festzelt-Wirt

Für Lorenz Stiftl sind diese Tage etwas Besonderes. Zum ersten Mal steht er als neuer Wiesn-Wirt des Paulaner Festzelts vor rund 8000 Menschen. "Es war wie als Fußballer vor 75.000 Leuten in der Arena zu stehen", sagt er zum Moment beim Anstich. "Ich hätte weinen können." Doch Stiftl hat sich zusammengerissen, wie er sagt. Denn schließlich warte die Arbeit.
Am Anstichtag gab es keine Maß
Wirt auf der Wiesn zu sein bedeute vor allem: Verantwortung. "Da muss man sich dann einfach wieder zusammenreißen", sagt der erfahrene Gastronom. Mal die eine oder andere Maß gönnt sich der Wiesn-Wirt genau aus diesem Grund ebenfalls nicht, wie er beteuert.
Bis zur letzten Sekunde trage er die Verantwortung für den Betrieb – mit mehr als 500 Mitarbeitern. Wenn etwas passiert, muss er einen klaren Kopf haben, und zwar rund um die Uhr.
Gemeinsam mit seiner Frau Christine führte Lorenz Stiftl bis 2025 die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn. Davor mehrere Jahre eine Hühnerbraterei an der Stelle, wo zuletzt die Münchner Stubn waren und in diesem Jahr Bartls Flößerstadl Premiere feiert.

Nun haben die Stiftls den ganz großen Sprung geschafft. 2026 bekamen die beiden den Zuschlag für das Paulaner-Festzelt. Sie sind damit die Nachfolger von Arabella Schörghuber. Der Schritt vom Volkssängerzelt ins große Paulaner Festzelt ist ein gewaltiger, betont Stiftl.
Dabei ist für ihn alles nach Plan gelaufen: "Es ist schon etwas wert, wenn man so eine lange Erfahrung hat wie wir und wenn man so eine gute Mannschaft hinter sich hat." Die monatelange Vorbereitung zahlt sich aus. "Als das erste Bier angezapft war, war bei uns die Arbeit getan."
Viele Kleinigkeiten machen den Unterschied
Jetzt geht es für Stiftl darum, dem traditionsreichen Zelt auch seine eigene Handschrift zu geben. Dabei setzt Stiftl nicht auf große Veränderungen, sondern auf Dinge wie Waschmaschinen – damit auch auf der Wiesn jederzeit für saubere Kleidung gesorgt ist. "Viele Kleinigkeiten machen am Ende den Unterschied."
Lange gefeiert wurde nach dem Anstich ohnehin nicht. Kurz vor Mitternacht geht es täglich für den neuen Wiesn-Wirt ins Bett, zwischen sechs und sieben Uhr klingelt dann der Wecker. Ein Bett im Zelt hat Stiftl nicht. "Aber im Zweifel lege ich mich noch eine Viertelstunde aufs Kanapee."