Neues Paulaner-Design: Wiesn-Kellnerinnen verschwinden von Dosen und Turm

Noch über sieben Wochen ist Zeit, die Dirndl aufzubügeln oder zu überprüfen, ob die Lederhosn noch passen. In den Supermärkten hält die Wiesn allerdings schon jetzt Einzug. Das Oktoberfestbier der ein oder anderen Brauerei steht bereits zum Verkauf.
Zum Beispiel das von Paulaner. Wie die AZ festgestellt hat, kommt das Oktoberfestbier der Münchner Brauerei in diesem Jahr im neuen Gewand daher. Auf Dosen und Flaschen ist ab sofort ein Mann im grünen Janker und mit grünem Hut abgebildet. Bis einschließlich letztes Jahr war dort die Kellnerinnen-Parade zu sehen, ein Motiv des Karikaturisten Emil Kneiß (1867-1956), das etwa um das Jahr 1910 herum entstanden ist.

Wie der "Münchner Merkur" zuerst berichtete, sei die Ururenkelin des Künstlers an die Brauerei herangetreten und wollte eine Vergütung für die Verwendung des Werks von Kneiß sehen. Die Paulaner-Brauerei möchte das weder bestätigen noch dementieren. Fakt ist, dass ein Teil des Turms, der zum Paulaner-Festzelt auf der Wiesn gehört, abgedeckt ist. Dort waren bis letztes Jahr nämlich die Wiesn-Kellnerinnen mit den vielen Keferlohern abgebildet. Seit einer Weile sind ihre Köpfe mit einem breiten schwarzen Streifen überklebt.
Paulaner gestaltet den ganzen Biergarten um
Ob die Nachfahrin des Künstlers tatsächlich auf eine Lizenzgebühr besteht, war nicht zu erfahren. Fest steht jedoch, dass das Paulanerzelt in diesem Jahr einen neuen Festwirt bekommt: Lorenz Stiftl und seine Frau Christine lösen Arabella Schörghuber nach über 20 Jahren als Wiesnwirte ab.
Ebenfalls steht fest, dass der Biergarten des Festzelts umgebaut wird. Wie, das möchten weder Lorenz Stiftl noch die Paulaner-Brauerei genauer verraten. Nur so viel: Es sei schon länger geplant gewesen, am Turm eine "Ausgabestelle" einzubauen. Dadurch sei künftig weniger Platz auf dem Turm, weshalb das Motiv ohnehin hätte geändert werden müssen.
Die Kellnerinnen mit ihren schwarzen Dirndln werden dann nicht mehr zu sehen sein, bestätigt ein Sprecher bei Paulaner. Der grüne Bierdosen-Mann tritt aber trotzdem nicht ihre Nachfolge an. Noch sei nichts final entschieden. Im Moment sind die Arbeiter noch mit anderen Dingen rund um den Zeltaufbau beschäftigt.

Gestalterisch keine Verkünstelungen
"Gestalterisch wird es keine großartigen Verkünstelungen am Turm geben", so der Sprecher weiter. Gut möglich, dass die Stelle auf dem Turm am Ende einfach überklebt wird.
Als Grund nennt er die kurze Aufbauzeit. Wegen eines Nachprüfungsantrags des Wiesnwirts Alexander Egger zur Vergabe der Zelte auf dem Oktoberfest war bis zuletzt nicht klar, ob der Wiesnaufbau pünktlich starten kann. Deshalb konnten Verträge erst kurz vor knapp geschlossen werden.
Seit dem Jahr 1885 steht das Paulanerzelt auf der Wiesn und war früher unter dem Namen Winzerer Fähndl bekannt. Auf dem Turm dreht sich der sechs Meter große Paulaner-Maßkrug um die eigene Achse. Die Kellnerinnen-Parade ist damit Geschichte.
Ihr Schöpfer Emil Kneiß besuchte ab 1885 die Akademie der Bildenden Künste München, machte sich als Karikaturist, Illustrator und Maler einen Namen und arbeitete später bei vielen Zeitschriften. Im Jahr 2012 zierte ein ähnliches Motiv von ihm den Sammlerkrug der Wiesnwirte.