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Nach Wiesn-Aus für Egger: Nachfolger für Münchner-Stubn-Zelt steht fest

Alexander Egger wird dieses Jahr nicht mehr mit der Münchner Stubn auf dem Oktoberfest vertreten sein. Er hat die Reißleine gezogen. Nun steht sein Nachfolger auf der Wiesn fest.
von  Nina Job, Ruth Frömmer
War seit 2022 auf der Wiesn: die Hühner- und Entenbraterei Münchner Stubn. Heuer wird sie nicht mehr dabei sein.
War seit 2022 auf der Wiesn: die Hühner- und Entenbraterei Münchner Stubn. Heuer wird sie nicht mehr dabei sein. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Update vom 7. Juli, 16.12 Uhr: Gemunkelt wird es schon seit Tagen. Aber nun dürfte es tatsächlich stressig für den Gastronomen und Campingplatz-Betreiber Klaus Bartl werden. Wie die AZ aus Rathauskreisen erfahren hat, soll er die Nachfolge des Münchner-Stubn-Zelts von Alexander Egger antreten. Der hatte die Anmeldefrist für seine Hühnerbraterei verstreichen lassen, wodurch kurzfristig ein Platz auf der Wiesn frei wurde.

Die Aufbauarbeiten für das Oktoberfest sind bereits in vollem Gange. Gerade entstehen die großen Festzelte, in ein paar Wochen geht es mit den kleinen weiter. Ein Festzelt scheint Bartl bereits organisiert zu haben. Jetzt braucht es noch Bier, Hendl, eine Aufbau-Firma und genügend Personal. Das mit dem Bier sollte in München kein Problem sein. In seiner Wirtschaft in Haar schenkt Bartl Augustiner aus. Gut möglich, dass die Brauerei aus dem Westend auch sein Wunschkandidat für die Wiesn ist. Brauerei-Partner der Münchner Stubn war Spaten. Dort dürften nach Eggers Absage auch Kapazitäten frei werden.

Campingplatzbetreiber Klaus Bartl wird nun auch Wiesnwirt.
Campingplatzbetreiber Klaus Bartl wird nun auch Wiesnwirt. © Daniel von Loeper

Der Name für das neue Wiesnzelt steht jedenfalls schon fest: "Bartls Flößerstadl". Der frisch gebackene Wiesnwirt möchte die Geschichte der Münchner Flößerei abbilden. Sein Campingplatz in Thalkirchen befindet sich an der Stelle, wo einst die Flößer anlegten. Und die heutige Flößerei mit ihren Bierbänken und Blaskapellen hat ja durchaus auch ein bisserl was von einer schwimmenden Mini-Wiesn.

Das Flößerdenkmal am Isarkanal erinnert an die Geschichte der Flößer in München. Bald wird diese auch in einem Wiesnzelt erzählt.
Das Flößerdenkmal am Isarkanal erinnert an die Geschichte der Flößer in München. Bald wird diese auch in einem Wiesnzelt erzählt. © imageBROKER/MAL

Update, vom 6. Juli, 8.50 Uhr: Klaus Bartl ist bereit, den kurzfristig freigewordenen Platz auf der Wiesn zu übernehmen, wie er am Montag der AZ gegenüber berichtet. "Ich würde mich sehr freuen, bin motiviert und bereit", versichert der mögliche Wiesn-Wirt in spe. Ein Problem stelle die kurze Vorbereitungszeit nicht für ihn dar: "Es gibt durchaus weit gediehene Überlegungen für ein Zelt. Wenn ich das nicht schaffen könnte, würde ich nicht den Finger heben." Einen Namen für das Zelt hätte er auch schon parat: "Bartls Flößerstadl". Offiziell sei er aber noch nicht von der Stadt kontaktiert worden, so Bartl. 

Erfahrungen in der Gastronomie bringt der Betreiber des Campingplatzes Thalkirchen an der Floßlände jedenfalls mit. Er ist auch Wirt des "Almwirt" in Haar, den er 2015 im selben Jahr übernahm wie den Campingplatz. 

Erstmeldung: Stell dir vor, es ist Wiesn – und ein Wirt hat einfach so gar keine Lust mehr darauf. Während alle anderen Zelte bereits aufgebaut werden, hat einer im letzten Moment die Reißleine gezogen: Alexander Egger, der Wirt des kleinen Festzelts Münchner Stubn, hat die entscheidende Frist verstreichen lassen.

Bis Freitag (3. Juli) um 23.59 Uhr hätte der unterschriebene Vertrag bei der Stadtverwaltung eingereicht werden müssen. Doch das ist nicht geschehen, wie Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) der AZ bestätigt hat.

Egger lässt Frist ablaufen: keine Münchner Stubn auf der Wiesn

Die Art und Weise des Rückzugs und seine Hintergründe sind einmalig in der Oktoberfestgeschichte – auch wenn freilich auch früher schon Wiesnwirte ausgestiegen sind.

Alexander Egger und seine Frau Kathrin Wickenhäuser beim Oktoberfestauftakt 2022 in ihrem Zelt Münchner Stubn.
Alexander Egger und seine Frau Kathrin Wickenhäuser beim Oktoberfestauftakt 2022 in ihrem Zelt Münchner Stubn. © IMAGO/B. Lindenthaler

Seit 2014 war das Münchner Ehepaar Alexander Egger und Kathrin Wickenhäuser-Egger auf der Wiesn vertreten, zunächst mit dem Gastro-Stand "Die Brez’n Kathl". 2022 verwirklichten sie sich mit der Münchner Stubn einen Traum. Das kleine Zelt (440 Plätze) heißt genauso wie ihre Wirtschaft am Hauptbahnhof. Doch nun werfen Egger und seine Frau hin.

Eine Begründung müssen sie gegenüber der Stadt nicht abgeben. Und auch, wenn sie sich bislang weder persönlich noch über ihren Anwalt Benno Ziegler zu den Gründen äußern wollten, spricht vieles dafür, dass Egger nicht mehr Teil des Oktoberfestsystems sein wollte. Dazu kommt: Er hatte zuvor bereits mehrmals geäußert, dass sich ein kleines Wiesnzelt wirtschaftlich nicht lohnen würde.

Mehrmals hatte sich Egger erfolglos um ein anderes Zelt bemüht: Zunächst hatte er sich für das Schützenlisl-Zelt auf der Oidn Wiesn beworben, nach der Absage klagte er gegen die Entscheidung – und verlor.

Dann bewarb er sich erfolglos für das Schottenhamel- und das Paulaner-Zelt. Am 11. September geht es nun vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht darum, ob die Stadt die Vergabe der Zelte europaweit ausschreiben muss, wie Egger fordert.

Auf Eggers Klagen folgten – teils sehr persönliche – Anfeindungen. Die Arbeitsgemeinschaft der kleinen Wiesnzelte warf ihn raus. Er selbst trat aus dem Vorstand der Münchner Dehoga-Kreisstelle aus und legte seine Vorstandsämter bei der Tourismus Initiative München (TIM) sowie bei den Innenstadtwirten nieder.

Dem Nachrücker bleiben nur noch gute neun Wochen Zeit

Die Stadt muss nach seinem Rückzug als Wiesnwirt nun sehr schnell Ersatz finden. Bis das 191. Oktoberfest am 19. September startet, sind es nicht einmal mehr zehn Wochen. Wiesn-Stadträtin Anja Berger sagte am Sonntag zur AZ: "Wir werden etwas Gutes daraus machen und schnell einen Nachfolger suchen." Sie ist zuversichtlich, dass ein anderer Wirt auf dem nun frei gewordenen Platz übernimmt und ein kleines Zelt aufgebaut werden kann. "Es wird sportlich, aber in der Branche sind ja alle sehr findig."

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl gibt zu bedenken: "Für ein Zelt braucht es ein Brandschutzkonzept, TÜV, Baubuch ... Das ist schon sehr sportlich." Er hält für möglich, dass ein Schausteller, zum Beispiel mit einem Karussell, den Platz kurzfristig besetzen könnte.

Bereits am Dienstag wird sich der interfraktionelle Arbeitskreis Oktoberfest mit dem Fall befassen. Nachrücker auf der städtischen Bewerbungsliste ist nach AZ-Informationen Klaus Bartl (59), seit 2015 Betreiber des Campingplatzes Thalkirchen. Über Wiesn-Ambitionen von ihm war bislang nichts bekannt – nur dass er jedes Jahr Tausende Gäste, die aus aller Welt anreisen, beherbergt. 

Ein Novum in der Oktoberfestgeschichte

Dass ein Bewerber, der die begehrte Zusage für ein Wiesnzelt in der Tasche hatte, so kurzfristig abspringt, ist ein Novum. Alle anderen zuvor – wie zum Beispiel die Familie Wildmoser (Entenbraterei Wildmoser), die Familie Heide (Bräurosl) oder Arabella Schörghuber (Paulaner Festzelt) – hatten ihren Rückzug weit im Voraus angekündigt.

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