Mann stürzt komplette Treppe in Ochsenbraterei hinunter – Aicher Ambulanz kämpft sich durch die Wiesn

Ein Mann stürzt in der Ochsenbraterei eine komplette Treppe hinunter und bleibt bewusstlos liegen. Die Aicher Ambulanz rückt aus – und muss sich mit dem Verletzten durch die dicht gedrängten Wiesn-Massen kämpfen. Die AZ begleitet das Team bei seinem Einsatz.
von  Sophia Willibald
Hunderte Patientinnen und Patienten versorgen die ehrenamtlichen Helferteams der Aicher Ambulanz jeden Tag auf der Wiesn. Bei ihren Einsätzen müssen sie sich durch die dicht gedrängten Massen kämpfen, um zum Einsatzort zu gelangen.
Hunderte Patientinnen und Patienten versorgen die ehrenamtlichen Helferteams der Aicher Ambulanz jeden Tag auf der Wiesn. Bei ihren Einsätzen müssen sie sich durch die dicht gedrängten Massen kämpfen, um zum Einsatzort zu gelangen. © Ben Sagmeister

Zusammengekrümmt liegt der Mann vor den Stufen der Galerietreppe. Unter seinem Gesicht hat sich eine Lache aus Erbrochenem gesammelt. Die Security-Mitarbeiter der Ochsenbraterei erzählen, dass er die Treppe heruntergefallen, in der Mitte einmal aufgeschlagen und am Fuße bewusstlos liegen geblieben sei.

Es ist ein Dienstagnachmittag, als die AZ das Team mit der Nummer 1 der Aicher Ambulanz bei seinem Einsatz auf der Wiesn begleitet. Der Grund für den ersten Notruf: ein Trauma. Als die Helfer an der Treppe zur Galerie in der Ochsenbraterei ankommen, wuseln mehrere Kellner um den Mann am Boden herum. Etwa fünf Security-Mitarbeiter schirmen den Verunglückten mit ihren Körpern von den Blicken der anderen Zeltbesucher ab.

Mann stürzt in Ochsenbraterei komplette Treppe hinunter – AZ begleitet Aicher Ambulanz

Mit schnellen Handgriffen setzen die Sanitäter ihre Notfallrucksäcke ab, ziehen eine Halskrause hervor, falten ein Tragetuch auseinander und halten eine kleine Flasche mit Kochsalzlösung bereit. Dem Mann soll noch vor Ort ein Zugang gelegt werden, um ihn mit Flüssigkeit zu versorgen.

Wenige Meter weiter grölen die Zeltbesucher zur Musik – sie bekommen von alledem nichts mit.

Unterhalb der Bavaria liegen die Sanitätsstation, die Polizeistation und die Festleitung eng beieinander. So sind auch schnelle Absprachen untereinander einfacher möglich.
Unterhalb der Bavaria liegen die Sanitätsstation, die Polizeistation und die Festleitung eng beieinander. So sind auch schnelle Absprachen untereinander einfacher möglich. © Ben Sagmeister

Mehrere Hundert Patientinnen und Patienten versorgt die Aicher Ambulanz täglich auf der Wiesn. 447 sind es an diesem Dienstag, als die AZ vor Ort ist. Die allermeisten können nach einer kurzen Behandlung wieder gehen. Nur sechs Menschen sind so sehr angeschlagen, dass eine Versorgung vor Ort nicht mehr möglich ist. Sie müssen mit dem Rettungsdienst vom Gelände gebracht werden. Der Herr aus der Ochsenbraterei ist einer von ihnen.

Hier packen alle mit an: Bedienungen, Security, Sanitäter

Seit dem Eintreffen der Helferinnen und Helfer in der Ochsenbraterei sind schon mehrere Minuten vergangen. Die Zeit drängt. Der Patient muss schnellstmöglich ins Sanitätszentrum unterhalb der Bavaria gebracht werden. Doch um dorthin zu gelangen, muss sich der Notfalltrupp zuerst durch Massen von Wiesn-Besuchern kämpfen.

Hinter der Sanitätsstation stehen mehrere Notfallwagen samt Ausrüstung bereit.
Hinter der Sanitätsstation stehen mehrere Notfallwagen samt Ausrüstung bereit. © Ben Sagmeister

Vorsichtig schieben sie den Mann in Tracht auf das Tragetuch, sein Kopf wird dabei von einer Sanitäterin gestützt. Samt dem Tuch wird er auf eine Trage und dann auf einen Wagen mit Rollen gehoben. Hier packen alle mit an: Bedienungen, Security, Sanitäter. Dann kann es losgehen.

Die Ersthelfer rollen den Verunglückten in die Station

Einer der Helfer eilt voran. Mit aller Kraft stößt er Luft aus seinen Lungen in eine Trillerpfeife und fuchtelt wild mit den Armen. Hinter ihm hasten vier der Sanitäter neben der Notfalltrage her, gefolgt von drei Security-Mitarbeitern, die das restliche Notfallgepäck hinterhertragen.

In mehreren Rucksäcken haben die Sanitäter alles mit dabei, was es für eine Erstversorgung braucht.
In mehreren Rucksäcken haben die Sanitäter alles mit dabei, was es für eine Erstversorgung braucht. © Ben Sagmeister

Dann endlich ist das Tor zu erkennen, hinter dem die Sanitätsstation liegt – samt Akutraum. Dort hat sich bereits ein Team aus Ärzten bereitgemacht. Die Ersthelfer rollen den Verunglückten in die Station, geben eine erste Einschätzung, dann übernimmt das Ärzteteam. Ihr Einsatz ist damit beendet.

Auf dem Vorplatz der Station reinigen die fünf Ersthelfer die Trage, füllen aufgebrauchte Utensilien auf und ordnen alles für den nächsten Einsatz. Viel Zeit bleibt ihnen nicht – jederzeit kann der nächste Notruf eingehen und aus den Lautsprechern der Station die Durchsage ertönen, dass das Team mit der Nummer eins ausrücken muss.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.