Darf "Skandal im Sperrbezirk" auf dem Oktoberfest gespielt werden? Wiesn-Chef mit klarer Ansage

Nachdem der Gassenhauer der Spider Murphy Gang auf der Erlanger Bergkirchweih auf Empfehlung der Stadt nicht gespielt werden sollte, erreichte die Debatte um den Kult-Hit auch München und das Oktoberfest. Wiesn-Chef Christian Scharpf äußert sich dazu.
von  AZ
Ausgelassene Stimmung im Paulaner-Zelt auf der Wiesn: Für Christian Scharpf ist "Skandal im Sperrbezirk" von der Spider Murphy Gang  "ein Stück Münchner Musikgeschichte". (Archivbild)
Ausgelassene Stimmung im Paulaner-Zelt auf der Wiesn: Für Christian Scharpf ist "Skandal im Sperrbezirk" von der Spider Murphy Gang "ein Stück Münchner Musikgeschichte". (Archivbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Eine Musikempfehlung der Stadt Erlangen schlägt hohe Wellen: Die Verwaltung hatte die Festwirte und Bands vor dem Start der Bergkirchweih gebeten, unter anderem  "Skandal im Sperrbezirk" von der Spider Murphy Gang nicht auf dem Volksfest zu spielen. Was Wiesn-Chef Christian Scharpf über die Zukunft des NDW-Hits auf dem Münchner Oktoberfest sagt. 

Christian Scharpf: "Auf so eine Idee wäre ich niemals gekommen"

Der 55-Jährige ist nach den Diskussionen in Erlangen offensichtlich vermehrt auf die Debatte angesprochen worden. Jetzt meldete sich Münchens Referent für Arbeit und Wirtschaft via Instagram zu Wort – mit einer klaren Ansage. "Die Spider Murphy Gang sind Kult und 'Skandal im Sperrbezirk' wird auf der Wiesn natürlich nicht verboten", betonte Scharpf: "Auf so eine Idee wäre ich niemals gekommen."

Helmut Schleich: "Da verselbständigt sich ein autoritärer Mechanismus zunehmend"

Scharpf bezeichnete den Hit aus dem Jahre 1981 als "ein Stück Münchner Musikgeschichte". Das Lied setze sich "satirisch und obrigkeitskritisch" mit dem strikten Vorgehen der Stadt München in den 80er Jahren bei Prostitution in der Innenstadt und in Wohnvierteln auseinander.

Wirtschaftsreferent Christian Scharpf.
Wirtschaftsreferent Christian Scharpf. © Röder/RAW

"'Skandal im Sperrbezirk' ist in München seit Jahrzehnten ein echter Kracher, der auf keiner Party fehlen darf, auch nicht auf der Wiesn!", so Christian Scharpf. In seinem Kommentar zu dem Instagram-Post springt der Münchner Kabarettist Helmut Schleich dem Wiesn-Chef zur Seite: "Das ist ehrenwert, lieber Christian! Aber ganz ehrlich: außer explizit historisch belastetem Liedgut (Nazilieder, auch kommunistische Kampflieder wie "auf, auf zum Kampf") haben Behörden mMn gar keine Lieder zu verbieten. Wo kommen wir hin, wenn jetzt die Behörden vorschreiben, wie die Leute zu feiern haben? Da verselbständigt sich ein autoritärer Mechanismus zunehmend."

Liste der Stadt sorgt in Erlangen für Unverständnis

Auch wenn die Stadt Erlangen betont hatte, dass es sich nicht um eine Verbotsliste handele, sondern die Aufzählung als Orientierung und Sensibilisierung gedacht sei, sorgte vor allem die Empfehlung, den Gassenhauer der Spider Murphy Gang nicht zu spielen, für Unverständnis. Auf einem der größten Volksfeste Bayerns sollte auch auf Songs wie "Layla", "Joana", "Baby Bell" und mehrere Mickie-Krause-Songs  verzichtet werden. Ebenfalls auf der Liste – das "Donaulied", in dessen Text Anspielungen auf eine mögliche Vergewaltigung gemacht werden.

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