"Ohne Handys, frei, Party, krasse Leute: AZ-Leser feiern den Kunstpark Ost

Das Pfanni-Gelände mit seiner Kartoffelfabrik, eine heiße Vorgeschichte draußen in Riem, eine Liebe, die zwei Familien gegeneinander aufbringt, die Geburt vom Kunstpark Ost – und natürlich Techno: Das sind die Grundpfeiler, auf denen die ZDF-Miniserie "München Beats" steht. Mit Herzschmerz erinnern sich AZ-Leser an ein Stück Geschichte des Münchner Nachtlebens.
Auf ihren Social-Media-Accounts hatte die Abendzeitung eine Umfrage gestartet und so herausfinden wollen, was die Leser und Nutzer umtreibt, wenn sie an den Kunstpark Ost zurückdenken. Viele Münchner starteten dabei eine bewegende Reise in die Vergangenheit. Clubs, Szenen, Gefühle, Persönliches – ein Lebensabschnitt, den sie niemals vergessen werden.
"Der Weg nach Hause ging im Sommer morgens nur mit Sonnenbrille"
"Kenne noch die Zeit davor in Riem und habe den Anfang vom Kunstpark Ost mitbekommen und sogar noch die ersten Zeitungsartikel daheim – als es noch fraglich war, ob dort ein Party-Areal entstehen soll oder nicht. Es war eine tolle Zeit. Viele Erinnerungen", schreibt ein weiblicher Top-Fan auf Facebook.
"Wer sich dran erinnern kann, war nicht dabei"
Der Kunstpark Ost in München öffnete am 13. September 1996 auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände und schloss im Januar 2003. Danach wurde das Areal ab April 2003 als Kultfabrik weitergeführt und existiert heute als Werksviertel Mitte.
Ein anderer Top-Fan erinnert sich an die wilden Nächte im Heizkraftwerk und deren Ende: "Der Weg nach Hause ging im Sommer morgens nur mit Sonnenbrille. Bin froh, dass ich das überhaupt überlebt habe." Dazu passt der Kommentar eines anderen Users: "Wer sich dran erinnern kann, war nicht dabei."
Nutzer "Meta Al" berichtet, dass er als Mitbetreiber mit dem Keller "eine sehr schöne Zeit mit vielen tollen Erinnerungen" verbinde. Die Location war mit ihrer gemütlichen Einrichtung so etwas wie der Gegenpol zu den wummernden Tempeln der Konkurrenz.
"Wolfgang Nöth stand immer mit Rat und Tat (und Gabelstapler) zur Seite"
"Es wurde mit wenig Geld aber viel Ambition und Leidenschaft etwas Einzigartiges geschaffen. Bei den Betreibern untereinander gab es keinen Neid oder Missgunst, und die graue Eminenz Wolfgang Nöth stand immer mit Rat und Tat (und Gabelstapler) zur Seite, wenn man ihn brauchte", schreibt "Meta AI".

Und er fügt hinzu: "Ein friedliches Nebeneinander von Ravern, Rockern, Punks und sämtlichen anderen Partyleuten funktionierte, obwohl das Gelände nicht besonders groß war, damals wunderbar. Einzigartig auch das Angebot bei den Partyzones. Man konnte mit einem Eintrittspreis in alle Clubs und sich dadurch auch mal in 'fremden' Szenen bewegen, ohne schräg angesehen zu werden. Alles in allem war's eine schöne Zeit, und ich bin sehr dankbar, mit unserem Keller ein Teil dieser bunten Partyvielfalt gewesen sein zu dürfen!"
"Ohne Handys, frei, Party, krasse Leute, so viel Vielfalt"
Ein anderer User denkt gerne an die Eröffnungsfeier und die Worte von Alexander Rüger ("Riem ist tot, es lebe der Kunstpark!") zurück: "Und dann kam Insomnia." Zur Erinnerung: Der Hit der britischen Band Faithless – am 27. November 1995 als Single veröffentlicht – entwickelte sich zu einem der bekanntesten Dance- und Club-Klassiker der 1990er-Jahre.
"Ohne Handys, frei, Party, krasse Leute, so viel Vielfalt, gestapelt in der Milchbar – und Unterschiedlichkeit. Heute gar nicht mehr vorstellbar. Alles eine Einheit, eine Masse. Und natürlich der Space Burger", schreibt ein Nutzer.

Anmerkung der Redaktion: Der Space Burger in München war ein kleiner, szeniger Foodtruck, er war am Wochenende bis in die frühen Morgenstunden geöffnet und diente als Anlaufstelle nach dem Feiern.
"Geile Erinnerungen an eine geile Zeit, die leider nie mehr wiederkommt"
Andere nutzten den Morgen danach zum Shoppen, wie dieser Eintrag zeigt: "War sehr interessant, wenn man am Samstagmorgen um 6 Uhr zum Hamberger einkaufen gefahren ist."
Ein User denkt wehmütig an die Anfänge zurück: "Es war leider schon längst nicht mehr das, was ich noch am alten Flughafen in Riem erlebt habe mit Ultraschall 1, Rave City, Tribal Gathering oder auch die legendären Electric Delicate damals im Nachtwerk Club."
Auch diese Nutzerin wird wehmütig: "Mondscheinbar, Bermudadreieck, der Bratensemmelstand, New York Tabledance, die Kantine, Americanos, Q Club, Kiosk am Eingang, der Asia-Stand, einen Eintritt zahlen für alle Clubs und noch viel, viel mehr. Dazu geile Erinnerungen an eine geile Zeit, die leider nie mehr wieder kommt. Die Kultfabrik und früher der Kunstpark Ost waren einfach mein zweites Wohnzimmer und ich kannte einfach so viele Menschen dort – egal, ob Türsteher, Club-Besitzer, Barmädels, Stammgäste oder sonst wen. Ich glaube, jeder der das miterlebt hat, weiß wie traurig der Gedanke daran einen macht – dass das für immer vorbei ist."
Und dann sind da noch die vielen User, die offensichtlich ihre Stamm-Clubs hatten und immer genau wussten, wo sie abfeiern. "Babylon, Milchbar, Americanos, Matador uuund Nachtkantine!" Oder: "Beste Zeit, Deep Space Night." Die gab's damals im Babylon. Wo 1998 auch US-Schauspieler Wesley Snipes auftauchte.

Oder: "Milchbar und K41 legendär." Oder: "Das Shockers – die wohl verrückteste Location mit begehbarer Geisterbahn." Oder: "Q Club. Donnerstag Sangria-Eimer." Oder: "Titti Twister, der geilste Laden." Oder: "Harry Klein, war mega damals."
Andere Nutzer erinnern sich an Macher und Protagonisten zurück wie DJ Hell und Techno-Pionierin Monika Kruse (DJ im legendären Club Ultraschall), den 2021 verstorbenen Hallenhamsterer Wolfgang Nöth ("unvergesslich") oder die Stippvisite von Boy George im Heizkraftwerk.
"München Beats": Vier Folgen à 45 Minuten stehen zum Streamen in der ZDF-Mediathek bereit. Im Fernsehen laufen die Episoden am Mittwoch, 26. August, und Donnerstag, 27. August, jeweils ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen.