Nymphen-Spurt

Die Schlosskulisse wirkt wie ein Triumphbogen: Im Westen Münchens, im Nymphenburger Schlosspark, fällt der (Wieder-)Einstieg ins Läufer-Leben leicht.
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Da schaut der Flussgott: Dem pressiert's aber, dem Jogger.
az Da schaut der Flussgott: Dem pressiert's aber, dem Jogger.

Die Schlosskulisse wirkt wie ein Triumphbogen: Im Westen Münchens, im Nymphenburger Schlosspark, fällt der (Wieder-)Einstieg ins Läufer-Leben leicht.

Ich könnt’ vor Neid erblassen – über mich. Ich kann’s, ehrlich gesagt, noch gar nicht so richtig fassen: Der träge innere Schweinehund ist überrumpelt. Die Jogginghose passt wie angegossen. Was für ein erhabenes Gefühl.

Dazu passend: der Nymphenburger Schlosspark – blitzsauber in Form gestutzte Landschaft. Selbst die geteerte Lunge weitet sich. Und die ausgesuchte Vier-Kilometer-Strecke ist auch bei drohender Kurzatmigkeit noch zu bewältigen.

Den kleinen Mann ins Ohr gesteckt (in Anlehnung zur frühlingshaften Park-Symphonie natürlich was Klassisches ausgesucht) – und es kann losgehen.

Links stehn Bäume, rechts stehn Bäume und dazwischen – Zwischenräume. Aber was für welche. Die Knospen sprießen. Und bei der allgegenwärtigen Priemel-Pracht tanzen die Punkte nicht mehr so vor den Augen.

Ein Schwan, der sich unvorsichtig aus dem Kanal getraut hat, spritzt mit gespreiztem Gefieder zur Seite. Ein kleiner Taucher duckt verschreckt sein Köpflein unters Wasser. Immer mit der Ruhe – bloß nicht zu schnell. Wir wollen schließlich nur ein bisschen Fett verbrennen im Park.

Geht doch wunderbar. Gleich ist fast schon die Hälfte geschafft! Vielleicht könnte man ja eine kleine Zusatzrunde drauflegen. Kein Problem. Im Schlosspark lässt sich - wenn’s denn unbedingt sein muss – sogar die Marathon-Distanz laufen. Aber es wird wohl doch besser sein, am Anfang nicht gleich zu übertreiben.

Mit freundlichem Lächeln grüße ich eine grazile Leidensgenossin, die durchtrainierten Schrittes über den Sandweg zu schweben scheint. Was für ein schöner Nymphen-Spurt. Überhaupt: Es fällt richtig auf, wie viele Sportler hier mit frischem Teint unterwegs sind.

Nur ein bisschen Konzentration noch. Immer nur einen Fuß vor den anderen. Das weiß man doch noch aus Kindertagen. Und schon ist der Zieleinlauf in Sicht. Frühlingsblumen säumen die letzten Meter. Und die Schlosskulisse wirkt wie ein Triumphbogen. Applaus ist nicht nötig.

Ging doch schon ganz gut. Kein Problem für einen Menschen mit Willenskraft. Nochmal ganz tief durchatmen.

Und dort, etwas weiter hinten, unter den noch nicht üppig belaubten Baumkronen, sieht man das Café Palmenhaus blitzen. Das Frühstück danach hat man sich schließlich verdient. Einen feinen Joghurt mit rechtsdrehender Milchsäure und kalorienreduzierte Latte Macchiato werden sie da ja wohl haben. Man gönnt sich ja sonst nichts. Und morgen leg’ mer noch ein paar Kilomter drauf...

Wolf Hertkorn

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