Nur wenige Tage im Jahr sichtbar: Münchens verborgene Heilige Gräber

In der ganzen Stadt – und in ganz Bayern – werden sie dieser Tage wieder aufgestellt: die Heiligen Gräber. Diese Nachbildungen des Grabes Christi, auch Kenotaphe (griech. für „leere Gräber“) oder Scheingräber genannt, enthalten freilich keine sterblichen Überreste, sondern dienen dem Gebet und Gedenken. Aber auch, wer es nicht so hat mit dem Beten, kann diese sakralen Installationen interessant finden.
Die Tradition der Heiligen Gräber ist schon seit der Spätantike bezeugt. Als Kulissengräber, wie wir sie heute finden, gibt es sie seit der Barockzeit, erklärt Hans Rohrmann vom Erzbistum München Freising der AZ. Er ist dort Fachdezernent für Kirchenkunst und Denkmalpflege und kennt sich mit Heiligen Gräbern bestens aus. Es gebe freilich künstlerisch wichtigere und schlichtere, so Rohrmann, und nicht alle würden jährlich aufgebaut, wie etwa das in der Asamkirche.

Die Entscheidung darüber liege bei den Gemeinden und hänge oft auch davon ab, wie viele Helfer sich finden. „So etwas aufzustellen ist oft verbunden mit einem gehörigen Aufwand“, so Rohrmann. Nur bei Großprojekten, wie im vergangenen Jahr in Wasserburg, helfe das Ordinariat zu.
"Ein österliches Event, das man gerne mitnimmt"
In den letzten Jahren zieht die Tradition der Heiligen Gräber wieder mehr Menschen an. „Das Interesse ist wieder stärker geworden“, sagt Rohrmann. „Ein österliches Event, wo man sagt, das nimmt man gerne mit.“
Heilige Gräber werden meist im Altarraum, einer Seitenkapelle, in der Krypta oder an einem anderen Ort in der Kirche aufgebaut. In manche wird das Allerheiligste, Christus in Gestalt der konsekrierten Hostie, eingebracht, in manche ein Kruzifix oder eine Figur des Leichnams Jesu.

Nur wenige sind auch nach Ostern noch zu sehen
Einige Gemeinden gestalten Andachten oder Gebetsstunden vor dem Heiligen Grab. In manchen Pfarreien werden auch das Begräbnis Jesu am Karfreitag und seine Auferstehung am Ostersonntag dargestellt.
Manchmal sind die Heiligen Gräber auch über Ostern hinaus zugänglich, zum Beispiel im Münchner Liebfrauendom. Nachdem dort am Karfreitag und Karsamstag das Heilige Grab mit einer Figur des Leichnams Jesu zu sehen ist, ist es von Ostersonntag bis zum Sonntag nach Ostern als leeres Ostergrab gestaltet.
Auch in Mariahilf in der Au ist das Heilige Grab vom Samstag vor Palmsonntag bis zum Weißen Sonntag (12. April) zu sehen. Und in St. Bonifaz in der Maxvorstadt oder St. Andreas in der Isarvorstadt wird es schon am Gründonnerstag (bis Ostersonntag) aufgestellt.


Über die ganze Stadt verteilt finden sich Heilige Gräber
Gut 30 Heilige Gräber gibt es in der Stadt – von St. Michael in Lochhausen bis St. Peter und Paul in Trudering; von Heilig Kreuz in Fröttmaning bis St. Bernhard in Perlach.
Hans Rohrmann findet zwei recht gegensätzliche Heilige Gräber in München besonders: als modernes das Heilige Grab in St. Andreas in der Isarvorstadt. In der renovierten Kirche präsentiert sich seit 2015 ein ganz neues, ganz puristisches Heiliges Grab. „Als altehrwürdiges tatsächlich das in der Asamkirche“, so der Experte. Dieses ist zugleich eine Gruft, die sich die Asam-Brüder Egid Quirin und Cosmas Damian unter ihrer Kirche bauten. „Das ist schon was Besonderes, wenn man da runtergeht. Und es ist auch eine Gelegenheit, da kommt man sonst nicht hin, außer mit speziellen Führungen.“ Bestattet sind dort aber nicht die Brüder, sondern eine Schwester der beiden und ihre Nachkommen.

Farbiges Licht für mystische Stimmung
Doch auch die anderen Heiligen Gräber in der Stadt sind sehenswert. Von barock bis modern erscheinen sie alle unterschiedlich. Ein typischer Schmuck für Heilige Gräber, der aus der Barockzeit stammt, sind mit buntem Wasser gefüllte Glaskugeln, sogenannte Schusterkugeln. „Früher stellte man Kerzen dahinter und hat so etwas Mystisches erzeugt“, erklärt Rohrmann. „Es war etwas Außergewöhnliches, was da mit farbigem Licht in einem sonst weitgehend verdunkelten Kirchenraum kreiert wurde. Es greift die biblische Aussage ,Sein Grab wird herrlich sein’ auf.“ Allerdings versuche man mittlerweile, die Kerzen zu ersetzen, „weil das ein bisserl gefährlich ist“, aber die Grundintention sei noch die gleiche, so Rohrmann.
Die Figuren für die Heiligen Gräber stammen übrigens immer aus dem Fundus der jeweiligen Kirchengemeinden, so etwas wie ein zentrales Magazin des Erzbistums gibt es nicht, erklärt Rohrmann.
Einen Überblick über Münchens Heilige Gräber bietet eine interaktive Karte: erzbistum-muenchen.de/kunst-und-kultur/kunst/heilige-graeber.