Nur an diesem Tag: Geheime Orte in München öffnen ihre Tore

Diesen Sonntag (13.9.), beim Tag des offenen Denkmals, öffnen in München Orte ihre Türen, die sonst nicht zugänglich sind: vom historischen Isarkraftwerk über ein verstecktes Bahnwärterhäusl, den bedrohten Eggarten und die Rotkreuz-Aussichtsplattform bis zum einzigartigen Steinarchiv.
von  Nina Job, Irene Kleber
Im historischen Isarkraftwerk 1 an der Zentralländstraße 31 in Thalkirchen (in der Nähe der Floßlände) wird seit 1908 Strom produziert. Am Sonntag finden hier kostenlose Führungen statt.
Im historischen Isarkraftwerk 1 an der Zentralländstraße 31 in Thalkirchen (in der Nähe der Floßlände) wird seit 1908 Strom produziert. Am Sonntag finden hier kostenlose Führungen statt. © SWM

Würden Sie gern mal im Aufzug aufs Dach des Rotkreuzklinik-Hochhauses hinauffahren und sehen, wie das Viertel Neuhausen von oben aus ausschaut? Oder Schwabings ältesten Bauernhof aus dem 13. Jahrhundert anschauen? Oder ein ehemaliges Bahnwärterhäusl inspizieren, das in Privatbesitz ist?

Der "Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag (13.9.) macht’s möglich. Denn da können historische Schauplätze besichtigt werden, die sonst nicht – oder nur teilweise – zugänglich sind. Das koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). Dazu gibt es in der Regel kostenlose Sonderführungen von lokalen Experten, Geschichtenerzählerinnen oder Vereinen, die sich um das Denkmal kümmern.
In München stehen in diesem Jahr 47 Orte zur Auswahl: von kleinen Fachwerkhäusern in der Nachbarschaft über alte Siedlungen, prächtige Schlossgärten und Sakralbauten bis zu historischen Stadtkernen und Industriedenkmalen.

Das historische Isarkraftwerk 1

Zum Beispiel ist das denkmalgeschützte Isarkraftwerk 1 an der Zentralländstraße 31 zu sehen. Es liegt in Thalkirchen am Isar-Werkkanal nahe der Floßlände. Seit 1908 produzieren die Stadtwerke (SWM) in dem Laufwasserkraftwerk Strom – so viel, dass es für 6000 Haushalte reicht. Eine vierte Turbine soll die Stromproduktion bald um zehn Prozent steigern. Wenn Sie Geschichte, Architektur, Technik und die Zukunft des historischen Industriegebäudes interessiert: Bei sechs Führungen von 14 bis 18 Uhr erklären Wasserkraftexperten Besuchern alles Wissenswerte (Dauer: jeweils 80 Minuten, Start: 14 Uhr, 14.40 Uhr, 15 Uhr, 15.20 Uhr, 15.40 Uhr und 16 Uhr). Bitte feste Schuhe mitnehmen (nicht barrierefrei). Anmeldung: www.swm.de/besichtigung

Schloss Suresnes in Schwabing wurde ab 1715 nach dem Vorbild eines Pariser Schlosses gebaut.
Schloss Suresnes in Schwabing wurde ab 1715 nach dem Vorbild eines Pariser Schlosses gebaut. © Katholische Akademie in Bayern

Schloss Suresnes und Schwabings ältester Bauernhof

Auf dem Gelände der Katholischen Akademie sind gleich zwei sehenswerte Denkmäler geöffnet: Zum einen das barocke Schloss Suresnes, ein Adels-Herrenhaus, das vermutlich Johann Baptist Gunetzrhainer 1715 bis 1718 nach dem Vorbild des Château de Suresnes bei Paris für den Kabinettssekretär Franz von Wilhelm errichtet hat. Ab 1756 wechselten die Eigentümer stetig. Suresnes hatte illustre Gäste: Kurfürst Max Emanuel ging ein und aus. Später auch die Schriftsteller Ludwig Ganghofer, Franz von Kobell und Ernst Toller, die Schwabinger "Skandalgräfin“ Franziska Reventlow und der Maler Paul Klee. Ebenfalls geöffnet ist nebenan der Viereckhof, das älteste erhaltene Bauernhaus in Schwabing (Ende des 13. Jahrhunderts gebaut). Benannt ist es nach Balthasar Viereck, der 1635 Eigentümer war.

11–17 Uhr, Gunezrainerstr. 7, Vorträge zur Baugeschichte und zu historischen Bewohnern um 11.30/13/14.30 und 16 Uhr. Im Schlosspark zwischen Suresnes und Haupthaus kann man gemütlich sitzen. Von 11.30-16.30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen.

Das ehemalige Bahnwärterhaus an der Geiselgasteigstraße 265, nahe der Großhesseloher Brücke.
Das ehemalige Bahnwärterhaus an der Geiselgasteigstraße 265, nahe der Großhesseloher Brücke. © Dietrich Sailer

Das Häusl, das auf Rettung wartet

Zehn Fußminuten östlich der Großhesseloher Brücke, an der Bahnlinie Richtung Holzkirchen, steht ein ehemaliges Bahnwärterhaus, erbaut um 1870. Genutzt wird es seit 55 Jahren nicht mehr. Inzwischen steht es unter Denkmalschutz – verkommt aber mehr und mehr zur Ruine.
2024 hat es Dietrich Sailer, der Chef der Münchner-Kindl-Brauerei, gekauft, zusammen mit rund 900 Quadratmeter Grund. Er möchte das Häusl vor dem Verfall retten, sanieren und zu Wohnungen umbauen (AZ berichtete).

Allerdings gibt es ein Problem: Zum Grundstück führt bisher nur ein Forstweg – und den erreicht man nur über die Gleise der Tramwendeschleife an der Haltestelle Großhesseloher Brücke. Von den Stadtwerken, denen das Tramgrundstück gehört, hat Sailer zwar eine Durchfahrtgenehmigung. Aber keine im Grundbuch verankerte Dienstbarkeit, die die Durchfahrt dauerhaft absichern würde. Die wollen die SWM auch nicht erteilen, weil in den nächsten Jahren unter anderem ein Umbau der Wendeschleife geplant sei.

Das wiederum hat zur Folge, dass die Lokalbaukommission keine Genehmigung für einen Umbau des Bahnwärterhäuschens in Aussicht stellt. Schließlich sei eine ausreichende Erschließung nicht gegeben.

Zum Tag des offenen Denkmals öffnet Dietrich Sailer das Bahnwärterhäusl am Sonntag für Interessierte.

11–17 Uhr, Geiselgasteigstraße 265 (nahe der Tram-Haltestelle Großhesseloher Brücke; Tram 15/25). Es gibt Freibier aus dem Holzfass. Keine Anmeldung nötig.

Noch gibt es sie: die Eggartensiedlung, die Neubauten weichen soll. Viele alte Häusl sind schon abgerissen.
Noch gibt es sie: die Eggartensiedlung, die Neubauten weichen soll. Viele alte Häusl sind schon abgerissen. © Irene Gronegger

Der Eggarten, das bedrohte Kleinod

Über 100 Jahre alt ist die Eggartensiedlung im Münchner Norden, südlich des Lerchenauer Sees. Die 21 Hektar große Kolonie mit kleinen Häusln und Gärten ist einst auf der ehemaligen königlichen Fasanerie der Wittelsbacher angelegt worden. Nachdem die Reichsbahn das Gebiet beschlagnahmt hatte, wurde die Kolonie zur Eisenbahnersiedlung. Der dünn besiedelte Eggarten entwickelte sich zum Biotop.
Seit einigen Jahren wohnt hier niemand mehr. Die Stadt plant dort zusammen mit Investoren und Genossenschaften ein großes Neubaugebiet mit rund 1850 Wohnungen. Vor Ort allerdings kämpfen Naturschützer seit Jahren gegen die geplante Bebauung, die einen großen Kahlschlag mit sich bringt. Sie wollen den Eggarten mit seinen alten Bäumen erhalten.

Zum Tag des offenen Denkmals bietet die Eggarten-Kennerin Irene Gronegger eine 90-minütige Gruppenführung an – außerhalb der Führung sind Besichtigungen nicht möglich. "Wir spazieren durch die alten, meist unbefestigten Straßen der Eggartensiedlung. Dabei werfen wir einen Blick auf ihre Vorgeschichte, auf ihre Anfänge und auf Veränderungen in der NS-Zeit“, heißt es in der Programmankündigung. "Wichtige Themen sind auch der ökologische Wert des Gebiets als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, der Biotopverbund und die Lage in einer Kaltluftleitbahn.“ Das alles, heißt es weiter, stehe "im Konflikt zum Bauvorhaben“.

14 Uhr, Treffpunkt für die Führung: Eggartenstraße nahe der Lassallestraße. Anfahrt: Bus 60 bis Lassallestraße oder Bus 50 bis Olympiapark Nord.

Weithin sichtbar: das Schwesternheim des Bayerischen Roten Kreuzes in Neuhausen.
Weithin sichtbar: das Schwesternheim des Bayerischen Roten Kreuzes in Neuhausen. © BRK

Rotkreuzklinikum: ein Blick über Neuhausen

Das Hochhaus (55 Meter) der Schwesternschaft des Bayerischen Roten Kreuzes prägt das ganze Viertel: 1967 ist es eingeweiht worden, entworfen hatte es bereits 1949 der Architekt Bruno Biehler, ausgeführt wurde es nach dessen Tod von Hubert Michel.

Die Rotkreuzschwestern sind aber schon viel länger an diesem Ort: Schon 1887 hatte die Schwesternschaft den Bauplatz an der Nymphenburger Straße gekauft. Zunächst ließ sie eine Belegarztklinik bauen. Ende des 19. Jahrhunderts empfanden die Münchner Ärzte und Patienten den Weg nach Neuhausen noch als arg weit. 1903 hatte die Klinik schließlich so eine große Bedeutung, dass die Kreuzung davor den Namen Rotkreuzplatz bekam (vorher wurde sie Neuhauser Stachus genannt).

Auf dem Hochhaus gibt es eine Aussichtsplattform, die Sie am Tag des offenen Denkmals besuchen können – eine seltene Gelegenheit!
14 Uhr, Rotkreuzplatz 8: Dauer: 60 Minuten, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das Steinarchiv, Bayerns kartographisches Gedächtnis.
Das Steinarchiv, Bayerns kartographisches Gedächtnis. © LDBV, Lübke

Stein-Archiv im Vermessungsamt

Die Steinbibliothek im Keller des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung im Lehel ist in ihrer Fülle weltweit einzigartig. 26.634 Steinplatten aus Solnhofner Kalkstein sind im Lithographiesteinarchiv gesammelt: 60 mal 60 Zentimeter groß, acht bis zwölf Zentimeter dick, je 50 bis 70 Kilo schwer. Das Archiv steht seit 1980 unter Denkmalschutz.

Als Anfang des 19. Jahrhunderts Bayerns Grundstücke flächendeckend vermessen wurden (1808–1864), hat man die Ergebnisse auf den Kalksteinplatten in Spiegelschrift von Hand eingraviert. Zur Vervielfältigung hat man das Steindruckverfahren (Lithographie) genutzt, das Aloys Senefelder 1798 erfunden hat. Damit konnte man Flurkarten, Landkarten und Bilder drucken. In der Werkstätte sind Druckmaschinen aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, die Druckverfahren veranschaulichen – vom Kupfer- und Steindruck bis zum Offsetdruck. Am Sonntag finden 13 Gruppenführungen statt (60 Minuten, Start immer zur halben und zur vollen Stunde).

9–15 Uhr, Alexandrastraße 4, Treffpunkt im Foyer, keine Anmeldung notwendig.

Von der Alten Münze bis zum Sep-Ruf-Radlschuppen

Außerdem öffnen am Sonntag diese besonderen Gebäude ihre Türen, zum Teil werden auch hier Führungen angeboten:

Alte Münze, Hofgraben 4
Alte St.-Martinskirche, Moosacher St.-Martinsplatz 1
Ehemalige Universitätsfrauenklinik, Maistraße 11
Fahrradschuppen des Architekten Sep Ruf, Schellingstr. 47
Großmarkthalle, Schäftlarnstraße 10
Klinikum Dritter Orden Nymphenburg, Franz-Schrank-Straße 4
Kuvertfabrik Pasing (KuPa), Landsberger Straße 442
Derzbachhof, Forstenrieder Allee 179
Mietshaus mit Hausbrauerei, Richelbräu, Richelstraße 26

Alle Gebäude, die am Tag des offenen Denkmals für Besucher öffnen, finden Sie unter: www.tag-des-offenen-denkmals.de   

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