NSU-Verteidiger attackieren Bundesanwaltschaft

Kam die NSU-Mordwaffe vom Typ "Ceska" auf anderen Wegen von der Schweiz nach Jena als bisher gedacht? Das wollen die Anwälte des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben untersuchen lassen - und bringen den früheren V-Mann "Primus" ins Spiel.
| dpa
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München - Die Verteidigung des mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben hat der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, entlastende Aktenstücke bewusst zurückzuhalten und "selektiv" nur belastendes Material zum Prozess zu geben. Einer der Anwälte von Beate Zschäpe, Mathias Grasel, schloss sich den Vorwürfen an. Die Verteidiger forderten die Bundesanwaltschaft am Donnerstag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München auf, sämtliche vertraulichen Akten aus den derzeit noch laufenden Ermittlungen zu den NSU-Morden vorzulegen.

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Gleichzeitig forderten die Wohlleben-Anwälte, Verbindungen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" zur Gruppierung "Blood & Honour" und zu der verbotenen Rechtsrock-Band Landser zu untersuchen. Nach Darstellung der Anwälte gebe es darüber Protokolle von Telefonüberwachungen und Vernehmungen. Die würden nahelegen, dass die Mordwaffe vom Typ "Ceska" aus der Schweiz nach Jena geschmuggelt worden sein könnte.

Nach Ansicht der Wohlleben-Anwälte könnten daran der frühere Chef der "Blood & Honour"-Sektion Sachsen, Jan W., und der ehemalige V-Mann "Primus" alias Ralf M. beteiligt gewesen sein. In ihrem Antrag heißt es, beide würden "gesondert verfolgt". Damit ist offenbar ein Ermittlungsverfahren gemeint, das die Bundesanwaltschaft parallel zum NSU-Prozess führt. Einer der Beschuldigten in diesem Verfahren soll Jan W. sein.

Justizministerium fordert Auslieferung von "Primus" aus Schweiz

V-Mann "Primus" war in den Jahren 1992 bis 2002 zumindest im Umfeld des NSU in Zwickau tätig und soll die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Beate Zschäpe in seinen Firmen beschäftigt haben.

Das sächsische Justizministerium teilte am Donnerstag mit, es wolle seine Auslieferung nach Deutschland verlangen, allerdings nicht im Zusammenhang mit dem NSU, sondern wegen einer Erzwingungshaft wegen Insolvenzverschleppung. "Primus" lebt in der Schweiz. Die Chancen für eine Auslieferung schätzte ein Ministeriums-Sprecher in Dresden als gering ein.

Die Bundesanwaltschaft beschuldigt Wohlleben, die Waffe organisiert zu haben, auch aus der Schweiz, aber mit Hilfe anderer Komplizen. Mit der Pistole sollen die NSU-Terroristen Mundlos und Uwe Böhnhardt neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen haben. Zschäpe ist als einzig überlebendes Mitglied des NSU angeklagt.

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