NS-Dokuzentrums-Chefin weg! Wohin Mirjam Zadoff wechselt
In einem großen AZ-Gespräch im Frühjahr 2025 klang Mirjam Zadoff schon ein bisserl so, als würde sie ein Fazit ihrer Amtszeit ziehen. „Es war wirklich schön zu sehen, wie sich das NS-Doku seit seiner Gründung entwickelt hat“, sagte dessen Chefin da, „welch eine unglaubliche Community entstanden ist, aus Vortragenden, Künstler*innen, Besucher*innen - Menschen aus allen Teilen der Welt und vor allem aus dieser Stadt“.
Zadoff selbst wird diese Entwicklung nun nur noch aus der Ferne verfolgen. Wie am Dienstag in Wien verkündet wurde, wird sie stattdessen ab März 2027 das Haus der Geschichte Österreich leiten.
Acht Jahre prägte sie das junge Haus am Königsplatz
Zadoff hatte das Dokuzentrum im ehemaligen NS-Parteiviertel am Königsplatz 2018 von Gründungsdirektor Winfried Nerdinger übernommen. Nun wechselt die 1974 in Innsbruck geborene Historikerin zurück in ihr Heimatland. In ihrer Amtszeit öffnete sie das Dokuzentrum für viele Themen abseits seiner eigentlichen Kernaufgabe, für Diskriminierungs- und Verfolgungserfahrungen überall auf der Welt etwa.
Das fanden viele Beobachter zeitgemäß - aus dem Kuratorium des Dokuzentrums war aber durchaus auch immer wieder ein gewisses Grummeln zu hören, dass das Haus den Fokus auf die Erinnerung an die singulären Verbrechen der Nationalsozialisten zu verlieren drohe. Der Abgang Zadoffs kommt für die Kulturpolitiker nun nicht überraschend. In Rathaus-Kreisen war schon länger die Rede davon, dass Zadoff sich nach einer neuen Aufgabe umsehe.
So begeistert klingt die Bilanz des Kulturreferenten
Am Dienstag würdigte Kulturreferent Marek Wiechers (parteilos) Zadoffs Arbeit: „Unter ihrer klugen und mutigen Leitung“ habe sich das Dokuzentrum „in den vergangenen acht Jahren zu einem bedeutenden Ort der Aufklärung, Erinnerung und Diskussion entwickelt“.
Das NS-Dokuzentrum selbst lobt seine scheidende Chefin: „Mit ihrer interdisziplinären, multiperspektivischen und inklusiven Arbeit hat sie darauf hingewirkt, die Geschichte des Nationalsozialismus einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und an aktuelle Diskurse anzuschließen.“
Nun also wird ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu suchen sein. Der oder die einerseits die Erinnerung an die NS-Geschichte fest im Blick hat. Und andererseits weiter Wege sucht, um junge Menschen, die keinen Bezug zum Thema haben, am Königsplatz für die Auseinandersetzung damit zu gewinnen.
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