"Nicht mehr erwünscht": Harte Entscheidung gegen Münchner-Stubn-Wirt

Wer die Wiesn kennt, weiß: Man kennt sich, hilft sich – und hält zusammen. Umso ungewöhnlicher ist, was sich jetzt hinter den Kulissen des Oktoberfests abspielt. Nach seinem juristischen Kampf gegen das Wiesn-Vergabesystem bekommt Wirt Alexander Egger nun den Gegenwind seiner Kollegen zu spüren.
Die Münchner Stubn, die Egger zusammen mit seiner Frau Kathrin Wickenhäuser-Egger betreibt, soll künftig nicht mehr zur Arbeitsgemeinschaft der kleinen Wiesn-Zelte gehören.
Kleine Zelte: Alexander Egger wird einstimmig ausgeschlossen
"Wir haben einstimmig beschlossen, dass die Münchner Stubn bei uns nicht mehr erwünscht ist“, bestätigt Otto Lindinger vom Bodo’s Cafézelt, Sprecher der kleinen Wiesn-Wirte, der AZ. Man wolle die "Wiesnfamilie“ schützen, sagt Lindinger. "Persönliche Interessen auf dem Klageweg durchsetzen zu wollen, ist aus unserer Sicht nicht der richtige Weg“, begründet Lindinger die Entscheidung.

Zur turnusmäßigen Sitzung der Arbeitsgemeinschaft am vergangenen Mittwoch sei Egger deshalb ausgeladen worden. Über den Beschluss sei der Wirt der Münchner Stubn per E-Mail informiert worden. Gesprochen habe man nicht.
Ob es gerade in einer Familie nicht wichtig sei, miteinander zu reden? "Natürlich schon“, sagt Lindinger. Allerdings habe auch von Eggers Seite kaum der Versuch bestanden, das Gespräch zu suchen. Außerdem sei die Münchner Stubn ohnehin kein alteingesessener Betrieb.
Konkrete Auswirkungen auf den Betrieb der Münchner Stubn hat die Entscheidung wohl nicht. Die Arbeitsgruppe ist lediglich eine Interessengemeinschaft der kleinen Wiesn-Wirte.
Auch am Mittwoch entschieden wurden etwa gemeinsame Werbeaktionen.
Neue Wiesn-Wirte in Kreis aufgenommen
Aber auch weitere personelle Veränderungen wurden beschlossen: Die neuen Wirte der Schützenlisl – Manfred Kneifel, Michael Bietsch und Florian Fendt – wurden offiziell in den Kreis der kleinen Wiesn-Wirte aufgenommen. Neu-Paulaner-Festzeltwirt Lorenz Stiftl wechselt dagegen zu den großen Wiesn-Wirten und scheidet aus der Arbeitsgemeinschaft aus.

Egger verliert mit dem Ausschluss dennoch seinen Platz am gemeinsamen Verhandlungstisch. Der Beschluss der kleinen Wiesn-Wirte ist offenbar nur ein Teil einer ganzen Reihe von Entwicklungen, die zeigen, wie sehr Alexander Egger derzeit in der Branche unter Druck steht.
Rücktritte aus Wirte-Gremien: Münchner-Stubn-Wirt unter Druck
Wie Christian Schottenhamel der AZ mitteilt, hat Egger am Montag seinen Rücktritt aus dem Kreisvorstand des Dehoga München erklärt. "Einen Grund hat er nicht genannt“, sagt Schottenhamel. "Ich bin aber sehr erleichtert.“ Mit jemandem zusammenzuarbeiten, der einem das Lebenswerk nehmen wolle, sei schließlich nicht besonders toll. Egger sei dieser Schritt daher bereits vor einiger Zeit nahegelegt worden.
Auch seinen Sitz im Vorstand der Tourismusinitiative München habe Egger aufgegeben, weiß Schottenhamel.

Und damit nicht genug: Auf Anfrage der AZ teilt auch der Verein der Innenstadtwirte mit, dass Egger seinen Rücktritt vom Vorstand erklärt hat. "Wir akzeptieren seine Entscheidung und bedanken uns für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren“, sagt Pressesprecher Tobias Ranzinger dazu.
Alexander Egger selbst ließ eine AZ-Anfrage bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Es verdichten sich aber deutlich die Signale, dass sich die Wege zwischen ihm und Teilen der Wirteszene zunehmend auseinanderentwickeln.