"Nicht kirchlich im klassischen Sinne": Dieser Ex-Pfarrer lädt zum besonderen Osterbrunch in München

Trauer und Hoffnung – darum geht es an Ostern. Der ehemalige Pfarrer Torsten Resack lädt deshalb Trauernde zu einem besonderen Osterfest ein.
von  Myriam Siegert
Torsten Resack, früher Pfarrer, mittlerweile Unternehmensberater, lädt am Ostersonntag zu einem Brunch für Trauernde.
Torsten Resack, früher Pfarrer, mittlerweile Unternehmensberater, lädt am Ostersonntag zu einem Brunch für Trauernde. © Daniel von Loeper

Auf den kalten dunklen Winter folgt der Frühling. An Ostern geht es um den Übergang vom Tod zum Leben. Und den Sieg des Lebens über den Tod. Es ist das Fest des Neuanfangs.

Doch für Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben, kann sich der Frühling anfühlen wie ein Versprechen, das nicht mehr gilt. "Ich will niemandem sagen, freut euch, die Trauer ist jetzt vorbei", sagt der ehemalige evangelische Pfarrer Torsten Resack (43). "Denn das ist sie natürlich nicht." Aber: "Man kann das neu aufsprießende Leben feiern im Bewusstsein des Verlustes."

Besonderer Osterbrunch am Sonntag in der Lutherkirche in Obergiesing

Resack lädt am Ostersonntag, gemeinsam mit der Lutherkirche in Obergiesing, zu einem besonderen Osterfest ein: "Neues Leben – Osterbrunch" – ein Tag für Menschen, die jemand Liebes vermissen und gemeinsam einen Schritt zurück ins Leben wagen möchten" ist der Titel.

Torsten Resack kennt sich selbst aus mit Trauer. Vor sechs Jahren starb seine Mutter, er begleitete sie durch schwere Krankheit und bis zum Tod.

Der ehemalige Pfarrer Torsten Resack.
Der ehemalige Pfarrer Torsten Resack.

Auf die Idee, eine Veranstaltung für trauernde oder einsame Menschen anzubieten, brachte ihn ein weiterer Trauerfall aus der eigenen Familie. Seine Patentante hatte, gerade als sie in den gemeinsamen Lebensabschnitt als Ruheständler starten wollte, ihren Ehemann, "ihren Herzensmenschen", verloren, erzählt Resack. Sie sagte zu ihm, der damals bereits auch Coachings anbot, er müsste so etwas doch mal für Trauernde machen. Die Idee war geboren.

16 Tage vor Weihnachten 2025 wurde sie dann umgesetzt: ein gemeinsames Weihnachtsessen für einsame und trauernde Menschen. Er erstellte ein Konzept, suchte nach einem möglichen Veranstaltungsort. Über Kontakte kam er auf die Lutherkirche in Obergiesing und der dortige Pfarrer Micha Boerschmann war sofort dabei.

"Beim Schnippeln und Kochen kommt man am leichtesten ins Gespräch"

Heraus kam, wie Resack erzählt, ein wunderbarer Nachmittag und Abend, bei dem zusammen gekocht und gegessen wurde. "Beim Schnippeln und Kochen kommt man am leichtesten ins Gespräch und ins Gemeinschaftsgefühl, ohne dass man sich zu sehr exponieren muss", findet Resack. Zehn Teilnehmer zwischen 27 und 72 Jahren waren dabei.

Für seinen Osterbrunch hofft Torsten Resack auf eine ähnlich gute Resonanz.

Die Lutherkirche in Obergiesing: Hier findet der besondere Osterbrunch am kommenden Sonntag statt.
Die Lutherkirche in Obergiesing: Hier findet der besondere Osterbrunch am kommenden Sonntag statt. © Gerhard Bumann

Geplant ist, den Ostersonntag mit einem Ankommen bei Kaffee und Tee zu beginnen, nach einer kurzen Einführung wird gemeinsam der Brunch vorbereitet und danach zusammen gegessen.

Und weil sich die Veranstaltung diesmal explizit an Trauernde richtet, folgt am Nachmittag eine meditative Aktion: Jeder Gast gestaltet einen Blumentopf und pflanzt darin einen Samen - ein Bild für den Neubeginn, das man mit nach Hause nehmen kann. Gegen 15 Uhr endet der Tag.

"Nicht kirchlich im klassischen Sinne"

Torsten Resack betont: "Das ist keine kirchliche Veranstaltung im klassischen Sinne. Es sind ausdrücklich alle Menschen eingeladen, unabhängig davon, ob sie einer Kirche angehören, anders glauben oder gar nicht. Es geht um die Erfahrung, dass nach einem Verlust neues Leben möglich ist."

Resack erklärt, "es ist ein billiger Trost, wenn ich jemandem einfach nur sage: ,Es geht weiter’. Man hat nach einem Verlust ein anderes Leben. Andere Zweige des Lebens können dafür aufblühen, oft auch solche, die zuvor verkümmert waren."

Pfarrer Micha Boerschmann von der Lutherkirche Giesing unterstützt die Initiative erneut: "Die Weihnachtsaktion hat gezeigt, wie groß der Bedarf ist. Es ist toll, dass Torsten diesen Weg weitergeht - und wir als Gemeinde geben gerne wieder den Raum dafür.

Resack, der aus einem kleinen Dorf im Schwarzwald stammt, kennt sich nicht nur aus mit Trauer, sondern auch Lebensumbrüchen. Früher war er Pfarrer in der badischen Landeskirche, arbeitete auch ein Jahr als Co-Studienleiter in Jerusalem. Eigentlich seit der Jugend stark gläubig, regelrecht fromm, wie er selbst sagt, kamen mit den Berufsjahren immer mehr Zweifel. "Mein Glaube hat sich verändert", sagt er, "und irgendwann wollte ich das nicht mehr machen. Ich hatte damals das Gefühl, ich spiele nur noch eine Rolle da oben auf der Kanzel."

Vom Pfarrer zum Unternehmensberater

Als Resack, der auch immer eine Neigung zu Mathematik und Physik hatte und sich immer stark für Wirtschaft interessierte, auf eine Annonce einer Unternehmensberatung für Quereinsteiger aufmerksam wird, greift er nach der Gelegenheit.

Mit 34 hängt er den Pfarrersberuf an den Nagel und schult zum Unternehmensberater um – inklusive MBA-Abschluss. Mittlerweile ist er selbstständig und arbeitet auch als Coach, etwa zur beruflichen Orientierung.

Was geblieben ist aus seinen Jahren als Pfarrer: Die Freude an der Seelsorge. "Trauergespräche waren immer - so seltsam das klingen mag – einer der schönsten Teile meiner Arbeit", sagt er. "Man hat mal gemeinsam geweint oder auch gelacht, das war immer sehr echt, das habe ich geliebt", sagt er.


Ostersonntag, 5. April, 10 - 15 Uhr. Lutherkirche, Bergstraße 3, bis zu 30 Personen, 25 Euro Unkostenbeitrag für den gemeinsamen Brunch. Anmeldung: Bis Donnerstag, 2. April, 12 Uhr. Kontakt: torsten.resack@gmail.com

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