Neues Münchner Missbrauchsgutachten nicht vor Frühling

Vor knapp einem Jahr gab das Erzbistum München und Freising ein neues Gutachten zum Missbrauch in der Kirche in Auftrag. Anders als der erste sogenannte "Westphal-Bericht" soll der zweite veröffentlicht werden. Wann es soweit ist, ist allerdings noch unklar.
| dpa
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Die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche sollen künftig auf Antrag Ausgleichszahlungen von bis zu 50.000 Euro bekommen.
Die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche sollen künftig auf Antrag Ausgleichszahlungen von bis zu 50.000 Euro bekommen. © Nicolas Armer/dpa
München/Köln

Ein neues Gutachten zum sexuellen Missbrauch im katholischen Erzbistum München und Freising soll frühestens im Frühling dieses Jahres veröffentlicht werden. Einen Termin gebe es noch nicht, sagte ein Bistumssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Es wird sicher auch nichts vor dem Frühjahr, da die Pandemiesituation - wie in allen Bereichen - auch hier erschwerend hinzukommt."

Vor knapp einem Jahr, im Februar 2020, hatte das Bistum mitgeteilt, ein neues externes Missbrauchsgutachten in Auftrag zu geben, das die Jahre 1945 bis 2019 untersuchen und auch veröffentlicht werden soll - anders als beim letzten Mal.

Denn vor inzwischen fast elf Jahren hatte München als erste deutsche Diözese schon einmal einen externen Bericht zu sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt erstellen lassen, der aber nie veröffentlicht wurde. Der sogenannte "Westphal-Bericht" gilt seither als großes Mysterium.

Basis des neuen Gutachtens sollen die damaligen Ergebnisse sein sowie alle neuen Akten von 2010 bis Ende 2019. Die Prüfung möglicher Täter wird von vor allem Klerikern ab 2010 auf weitere hauptamtliche Mitarbeiter ausgeweitet - ebenso auf für das Erzbistum tätige Ordensleute. Auch dieses Mal soll wieder die Kanzlei Westpfahl Spilker und Wastl federführend sein.

Diese Kanzlei hatte jüngst auch ein Gutachten zum Erzbistum Köln verfasst, das Kardinal Rainer Maria Woelki aber nicht veröffentlichen will. Seine Begründung: Die Studie weise erhebliche methodische Mängel auf und sei "nicht gerichtsfest". Die Anwaltskanzlei weist die Vorwürfe zurück. Das Erzbistum München hatte daraufhin eine Stellungnahme der Kanzlei eingefordert, sah dann aber keinen Grund dazu, die Zusammenarbeit zu beenden.

Das Gutachten zum Erzbistum Köln soll mit den Bistumsverantwortlichen hart ins Gericht gehen. Bekannt geworden ist bereits, dass der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße kritisch beurteilt wird. Er weist die Vorwürfe zurück.

Der Münchner Generalvikar Christoph Klingan hatte im Februar vergangenen Jahres versprochen, dass die Prüfung bis in die Kirchenspitze reichen soll. "Das betrifft dann auch alle Erzbischöfe, alle Verantwortungsträger in diesem Zeitraum ohne Unterschied", sagte Klingan damals. Einer der Vorgänger von Marx war von 1977 bis 1982 Kardinal Joseph Ratzinger, der heute emeritierte Papst Benedikt.

© dpa-infocom, dpa:210124-99-146931/2

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