Neuer OB für München: So urteilt Alt-OB Ude über Dominik Krause

Hinterher, als alle Reden gehalten, alle Fotos gemacht und alle Sektgläser leer geschlürft worden sind, sagt ein Stadtrat zur AZ: "Im Rathaus fühlt es sich an, als hätte endlich jemand ein Fenster aufgemacht." Und dieser jemand, der dort die frische Luft reinlässt, so sieht es dieser Stadtrat zumindest, ist der neue OB: Dominik Krause von den Grünen, der seinen Wahlkampf damit bestritten hat, für einen Aufbruch in der Stadt zu werben.
Am Montagvormittag hat für Krause die neue Legislatur ganz offiziell begonnen. Denn da sind er und der neue Stadtrat im Alten Rathaus feierlich vereidigt worden.
Dieter Reiter bei erstem Auftritt seit langem
Es ist der erste Termin, bei dem sich Alt-Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wieder in der Öffentlichkeit zeigt – und auf seinen Nachfolger trifft. Mit Spannung wurde das erwartet. Denn schließlich war Reiters Abgang ungewöhnlich. Er startete den Wahlkampf als klarer Favorit. Doch dann ließ er sich in den Aufsichtsrat des FC Bayern wählen. Journalisten und die Opposition im Stadtrat begannen, Fragen zu stellen. Es kam heraus: Reiter hat als Mitglied des Verwaltungsbeirats des Fußballvereins über Jahre hinweg mindestens 90.000 Euro dazuverdient – ohne dass die Stadt das genehmigt hätte. Reiter legte die Ämter nieder, spendete das Geld. Die Wahl verlor er trotzdem.

Noch am Wahlabend sagte er: "Das ist der letzte Tag meiner politischen Karriere." Am nächsten Tag ließ er sich krankschreiben. Danach meldete er Urlaub an. Ein Treffen im Rathaus, bei dem er seinem Nachfolger die Geschäfte erklärte, gab es nicht. Reiter hat aber zugesagt, Krause die Amtskette umzugelegen.
Gleich am Beginn seiner Rede gibt Reiter zu: "Als wir vor vielen Monaten diesen Termin festgelegt haben, hatte ich mir zugegebenermaßen die Rollenverteilung anders vorgestellt." Aber man dürfe sich seiner Macht nie zu sicher sein. Nach zwölf Jahren sei es nun an der Zeit, Verantwortung abzugeben. Geprägt seien diese Jahre von vielen Krisen gewesen: Corona, dem Ukraine-Krieg.

Alt-OB Reiter würdigt Dominik Krause
Für seinen Nachfolger hat Reiter wertschätzende, freundliche Worte: "Ich erinnere mich noch gut an die ersten Gespräche mit Dominik. Ich habe ihn als jemanden erlebt, der zuhört, der nachfragt, der sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt." Er verlasse das Amt nun mit einem guten Gefühl und der Gewissheit, dass die Stadt auch in Zukunft in guten Händen sei. Ratschläge will Reiter seinem Nachfolger nicht geben. "Weil in jedem Ratschlag auch ein Schlag steckt", wie er sagt. Nur einen Tipp hat er für Krause: "Nimm dir Zeit, geh raus in die Viertel, sprich mit den Menschen. Da lernst du mehr als in jeder Sitzung." Nach seiner Rede bekommt Reiter viel Applaus, ein, zwei Minuten lang.
Auch Krause hält eine Rede, in der er die neuen Stadträte und auch die Rathaus-Mitarbeiter schon mal darauf einstimmt, dass in den nächsten Jahren noch viel Arbeit auf sie zukommen wird.

Dominik Krause lobt Jochen Vogel
Krause lobt – so wie er es schon im Wahlkampf oft getan hat – Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD). Er holte die Olympischen Spiele nach München. "Ihm ist es gelungen, München zu modernisieren, ohne dass München seine Identität verliert und von vielem profitieren wir noch heute", sagt Krause.
Er hat sich zum Ziel gesetzt, in Vogels Fußstapfen zu treten. Er will auch Olympia nach München holen, auch einen Modernisierungsschub auslösen. Aufbruch war das Motto seines Wahlkampfs. "Nichts passt dazu so sehr wie Olympia", sagt Krause. Dass er unbedingt die Olympischen Spiele will, hat auch damit zu tun, dass die Kassen der Stadt leer sind. Krause weiß das.
Durch Olympia würden – hofft Krause – Gelder für den Ausbau der Infrastruktur nach München fließen. Allerdings ist noch nicht mal klar, welche deutsche Stadt sich bewerben darf. Krause ist sich sicher: "Auf der internationalen Bühne wäre nur eine Bewerbung aussichtsreich: die Bayrisch-Münchnerische." Ob das der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auch so sieht? Im Herbst fällt er seine Entscheidung.
Noch ein paar Punkte macht Krause anders als sein Vorgänger. Er bedankt sich bei den städtischen Mitarbeitern, sagt, dass sie für ihre Arbeit brennen würden. Reiter hingegen klang oft abfällig, wenn er ironisch über die "geschätzte Verwaltung" sprach. Auch zu Alt-OB Christian Ude will Krause eine andere Verbindung pflegen. Das Verhältnis zwischen Reiter und Ude gilt als belastet.
Alt-OB Ude: "Krause ist der richtige Oberbürgermeister"
Ude brachte Krause schon vor ein paar Tagen ein Rosmarin-Bäumchen ins neue Büro. In seiner Rede heißt Krause, den "lieben Christian Ude" herzlich willkommen.

Und der Alt-OB zeigt sich hinterher umgeben von einem Kreis von Journalisten als ein großer Krause-Fan: "Dominik Krause ist der richtige Oberbürgermeister. Er bringt eine unglaubliche Popularität mit. Trotz seines jungen Alters verfügt er jetzt schon über viel Menschenkenntnis."
Ude hält es für klug, dass sich Krause entschieden hat, die CSU in die neue Rathaus-Regierung miteinzubinden. Der Landtagsabgeordnete Alexander Dietrich soll Kommunalreferent werden. Der CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärnter soll Chef des Olympiaparks werden.
"Noch vor einem Monat herrschte im Rathaus eine Stimmung, die geprägt war von Zerrissenheit und Depression", sagt Ude. Nur innerhalb eines Monats sei es Krause gelungen, das zu drehen und ins Positive zu wenden.
Und Reiter? Auch ihn umringen nach den Reden Journalisten und Kameraleute. Wie er jetzt seinen Alltag verbringt, wollen sie wissen. "Ich habe drei Kinder, sechs Enkel", sagt Reiter. "Ich war gestern zum ersten Mal seit Langem wieder ein bisschen joggen." Sein Terminkalender sei fast noch voller als er vorher war – mit Terminen mit Freunden, mit Menschen, mit denen er sich schon immer treffen wollte. "Es ist schön, Zeit zu haben", sagt Reiter.
Reiter über FC-Bayern-Affäre
Politik interessiere nun vor allem nur noch auf internationalen Ebene.
Und wie denkt Reiter jetzt über die FC-Bayern-Affäre, seine Wahlniederlage? "Was ich alles falsch gemacht habe, konnte ich lesen", antwortet Reiter knapp. Er habe sich aber schon gefragt, was man hätte anders lösen können. "Sehr gespannt bin ich, wie es mit dem Wohnungsbau weitergeht", sagt Reiter dann.
Die Rathaus-Politik wolle er aber nicht mehr kommentieren. "Ich hatte schon sieben Interview-Anfragen, die ich alle abgelehnt habe." Vorstellen könne er sich, einen Berater-Job in einem anderen Bereich anzunehmen. Klingt, als würde ihm die Vorstellung, auf Dauer die Füße hochzulegen, dann doch nicht ganz gefallen.
Jetzt hat München auch zwei neue Bürgermeisterinnen
Am Nachmittag wählt der Stadtrat seine neuen Bürgermeisterinnen. Mona Fuchs von den Grünen ist jetzt Zweite Bürgermeisterin. Auf sie entfallen 48 von 58 gültigen Stimmen. Dritte Bürgermeisterin bleibt die SPDlerin Verena Dietl. Sie bekommt eine Stimme mehr.
CSU-Chef Manuel Pretzl kündigte vor der Wahl an, dass seine Fraktion nicht für die zwei stimmen werde. "Die Bürgermeisterinnen stehen für einen Koalitionsvertrag, den wir nicht mittragen können", sagte er.
Anders äußerte sich vorher Felix Sproll von Volt gegenüber der AZ. Er sagte auch: "Überall, wo wir gemeinsam für die Stadt etwas Gutes erreichen können, wollen wir an einem Strang ziehen."