Neuer Audioguide der MVG zum 150-Jährigen: Trambahnfahrer werden Geschichtenerzähler

Drei Trambahnfahrer haben zum 150. Jubiläum der Tram einen Audioguide eingesprochen. Und da erfährt man so einiges.
von  Lukas Plaschke
Ein neuer Audioguide führt durch die Münchner Tram-Geschichte. (v. li.) Michael Baumann, Andrea Giuffré und Holger Reinemer am Trambetriebshof in der Einsteinstraße.
Ein neuer Audioguide führt durch die Münchner Tram-Geschichte. (v. li.) Michael Baumann, Andrea Giuffré und Holger Reinemer am Trambetriebshof in der Einsteinstraße. © Daniel von Loeper

Was wäre München ohne die Tram? Die U-Bahn – da sieht man nichts von der Stadt. Der Bus – steht zumeist im Stau. Doch die Tram, sie rollt sanft auf Schienen an den Sehenswürdigkeiten Münchens vorbei – und das seit 150 Jahren.

Drei Trambahnfahrer haben zum Jubiläum einen Audioguide eingesprochen, mit dem nun jeder über eine App Geschichtliches über das viel geliebte Verkehrsmittel erfährt. Am Trambetriebshof an der Einsteinstraße stehen alle drei Fahrer aufgereiht vor einem Denkmal. Es erinnert an die ersten zwei Pferdewagen aus dem Jahr 1861 – damals Münchens erstes Verkehrsmittel und noch nicht auf Schienen. 1876 zogen Pferde ihre Wagen schließlich auf Schienen durch die Stadt. Ab 1900 fuhr die Tram elektrisch.

Idee eines Tramfahrers: Audioguide zum MVG-Jubiläum

Hinter dem Denkmal wartet heute die MVG ihre Straßenbahnen auf dem 1961 erbauten Betriebshof 2. Passenderweise erklärt Tramfahrerin Andrea Giuffré im Audioguide, warum das Depot die Nummer 2 trägt: Früher gab es bis zu acht Depots im Stadtgebiet, von dem eben der Betriebshof 2 übrig geblieben ist.

Die Idee für diese moderne Form der Geschichtserzählung hatte Tramfahrer Michael Baumann. Als er letztes Jahr die Shuttle-Tram vom Max-Weber-Platz zum MVG-Museum in Ramersdorf gefahren ist, dachte sich Baumann: "Da könnte man doch in Zeiten des Smartphones einen Audioguide machen".

Gesagt, getan: Per App sind nun an 13 Orten im Stadtgebiet Anekdoten und Hintergründe zur Tram zu erlauschen. Am besten setzt man sich dazu in eine Tram und die App startet über das GPS-Signal des Smartphones automatisch den Hörbeitrag.

Andrea Giuffré im Tonstudio. Sie erzählt unter anderem etwas über die Geschichte des heutigen Betriebshofs 2 an der Einsteinstraße.
Andrea Giuffré im Tonstudio. Sie erzählt unter anderem etwas über die Geschichte des heutigen Betriebshofs 2 an der Einsteinstraße. © MVG

"Früher musste man auch mal warten"

So ist das auch an der Haltestelle Flurstraße der Fall. Nebenan steht ein Gebäude, das früher der Betriebshof 2 war. An zwei Hausecken wachen bis heute die Statuen eines Signalwärters und einer Rillenreinigerin.

Am Signalwärter wird Michael Baumann eines klar: "Früher musste man auch mal warten", so Baumann. Und doch war der damalige "Bahnhof 2" zu klein für die immer größer werdenden Fahrzeuge und wurde 1963 aufgelassen.

Mit sanfter Stimme ist auch Holger Reinemer im Audioguide zu hören. In einem professionellen Tonstudio sprach er ebenfalls Beiträge ein. "Das war ein toller Tag", sagt Reinemer. Er ist erst seit anderthalb Jahren im Fahrdienst tätig. Und doch faszinieren ihn die kleinen Details, die einem im Tram-Netz immer wieder begegnen. Einer seiner Lehrfahrer in der Ausbildung war übrigens Michael Baumann, der ihm an jener Haltestelle Flurstraße die geschichtliche Bedeutung der Münchner Tram klarmachte.

Orte, die die Tram geprägt haben

Am Max-Weber-Platz steht ein Gebäude, in dem heute die Münchner Volkshochschule ihren Sitz hat. Einst standen dort jedoch im wahrsten Sinne Pferde auf dem Flur. In der Nachkriegszeit diente das wiederaufgebaute Gebäude als "Oide Direktion", in der die Verwaltung der Verkehrsbetriebe bis 2001 die Geschicke lenkte.

All das sind Orte, die die Tram geprägt haben und es bis heute auch noch tun. Von Neuhausen bis Grünwald: Überall gibt es etwas zu entdecken – und dafür reicht es einfach, sich in die Tram zu setzen und zuzuhören.

Die App „MVG Münchner Tramgeschichten“ lässt sich ab sofort in den gängigen App-Stores herunterladen

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