Neue Radschnellwege in München: Kann Olympia helfen?
Wie ein Stern soll das Radschnellwegnetz in München eigentlich aussehen – mit Strahlen von der Innenstadt hinaus ins Umland. Nach Markt Schwaben, Oberhaching, Starnberg, Fürstenfeldbruck, Dachau und nach Garching sollen die besonders breiten Radwege führen. Doch bisher existieren nur Bruchstücke – und auch nur von einer Verbindung, nämlich nach Garching.
Die Radlaktivisten vom Radentscheid hoffen nun auf einen Schub für die Projekte – und zwar durch Olympia. Denn die extra breiten Radwege (zwischen drei und vier Meter) sind Teil des Münchner Olympia-Konzepts.
"Verglichen mit anderen Maßnahmen wie dem Bau einer U-Bahn sind Radschnellwege supergünstig", sagt Andreas Schön vom Radlclub ADFC. In einer Beschlussvorlage zur Olympia-Bewerbung rechnet die Stadt mit Kosten von 100 Millionen Euro für die Verbindung nach Garching. Zum Vergleich: Die Verlängerung der U4 bis zur Messe wird darin auf 2,3 Milliarden Euro beziffert.
"Wir erhoffen uns, dass wir bei einem Olympia-Zuschlag noch schneller vorankommen können, weil wir dann auf Bundesmittel zurückgreifen können", sagt Grünen-Stadtrat Florian Schönemann. Noch schneller? 2018 – also vor fast zehn Jahren – hat der Stadtrat die Verwaltung mit Machbarkeitsstudien beauftragt. Wie ist also der Stand der Dinge?
München – Garching: Wo man schon radeln kann
Teilweise fertig ist bisher nur eine Verbindung – die nach Garching. Ziel ist, in 65 Minuten vom Forschungscampus in die Innenstadt radeln zu können, und zwar mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h auf einer 19,4 Kilometer langen Strecke. Doch bisher ist das nur Theorie.
Im Münchner Stadtgebiet existieren bis jetzt nur circa 600 Meter Radschnellweg am Maximiliansplatz. Auch auf der Ludwig- und Leopoldstraße sind kleine Abschnitte gebaut.

Im Herbst soll der Stadtrat über einen weiteren Abschnitt auf der Leopoldstraße zwischen Siegestor und Franz-Joseph-Straße entscheiden.
In Garching sind zwei Teilstücke (insgesamt etwa 6,5 Kilometer) fertig. Vor Kurzem beschloss der Kreistag die Planung einer Radbrücke, die die beiden Abschnitte miteinander verbinden soll. Kosten: rund elf Millionen Euro.

Doch ansonsten sind viele Radschnellweg-Projekte ins Stocken geraten. Der Stadtrat entschied 2022, zuerst nur die Route Richtung Markt Schwaben weiterzuplanen. Sie soll unter anderem durch die Liebigstraße im Lehel, über die Luitpoldbrücke zum Friedensengel, durch die Möhlstraße in Bogenhausen, durch die Denninger- und Daglfinger Straße und zur Olympia-Reitanlage in Riem führen.

Wirklich weiter ist die Stadt allerdings nicht. Es existiert auch nach mehr als vier Jahren, nachdem der Stadtrat die Planung genehmigt hat, kein fertiges Konzept. Kosten kann die Stadt nicht nennen.
Auch hinter der Stadtgrenze ist das Projekt nicht weitergekommen. Der Radschnellweg soll durch Feldkirchen, Heimstetten, Grub und Poing bis zum S-Bahnhalt Markt Schwaben führen. Vor Kurzem allerdings hat der Landkreis Ebersberg entschieden, die Planung seines etwa acht Kilometer langen Teilstücks aufzugeben. Der Grund: Zahlreiche Abschnitte auf dieser Route seien zu schmal, somit würde der Landkreis Ebersberg keine Bundesförderung bekommen. Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim planen aber laut Landratsamt trotzdem weiter.
Starnberg hat den Radschnellweg aufgegeben
Der Landkreis Starnberg stellte alle Planungen für einen Radschnellweg 2022 ein. Die Trasse sollte von Starnberg, durch Gauting und Krailling ins Münchner Stadtgebiet gehen. Doch unter anderem die hohen Kosten und Bedenken der Kommunen führten dazu, dass der Mobilitätsausschuss des Kreistags das Projekt ablehnte – und zwar einstimmig.
In München verläuft die Strecke Richtung Starnberg übrigens durch die Schwanthalerstraße, die Westendstraße, die Kurparkstraße, die Gräfelfinger- und die Würmtalstraße.
In Dachau liegen die Planungen auf Eis
Auch in Dachau liegen die Planungen für einen Radschnellweg auf Eis. Denn München hat beschlossen, die Strecke erst anzugehen, wenn die Route nach Markt Schwaben fertig geplant ist. Es sei schließlich ein gemeinsames Projekt, heißt es aus dem Landratsamt Dachau.
Probleme gibt es auch bei der Route nach Fürstenfeldbruck. Sie soll im Münchner Stadtgebiet nördlich der Bahngleise verlaufen. Doch wann dort der Weg hergestellt werden kann, sei abhängig vom Bau der Zweiten Stammstrecke.
Weiter westlich an der Eichenauer Straße sei das Projekt abhängig vom Ausbau der S4, die entweder drei- oder viergleisig werden könnte. Klar ist inzwischen auch, dass der Radschnellweg gar nicht bis nach Fürstenfeldbruck geführt werden kann – weil die Gemeinde Emmering raus ist. Das bedeutet wiederum, dass der Radweg schon in Eichenau endet.
In Oberhaching gibt es eine schnelle Verbindung
Eine schnelle Radverbindung gibt es nach Oberhaching durch den Perlacher Forst. Doch ausgerechnet die Strecke hat München zurückgezogen – weil die Stadt erst einmal Markt Schwaben, Dachau und Starnberg angehen wollte. Auf Münchner Stadtgebiet würde diese Route unter anderem auf der Rosenheimer Straße und der Balanstraße verlaufen.
Die Radlaktivisten vom Radentscheid fordern nun, dass die Stadt die Planungen für alle Projekte aufnimmt. Ansonsten könnte es knapp werden, dass alle bis zu Olympischen Spielen 2036 fertig werden, sagt Schön. Davon, dass einige Umlandgemeinden die Pläne längst aufgegeben haben, sollte sich die Stadt nicht beirren lassen, findet er. Auch innerhalb der Stadt seien es wichtige Routen. Und: "Irgendwo muss man ja anfangen."
Den genauen Routenverlauf der Radschnellwege in München kann man sich auf dem Geoportal der Stadt ansehen.
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