Neue Fußgängerzonen für München: So wollen die Grünen das Auto in der Altstadt zurückdrängen

Wie soll die Altstadt attraktiver werden? Darum streitet das Rathaus. Die AZ erklärt neue konkrete Ideen der Grünen – und warum die CSU das gar nicht ernst nehmen mag.
Felix Müller
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So könnte der Hackenplatz eines Tages aussehen.
So könnte der Hackenplatz eines Tages aussehen. © Gregor/Grüne

Grundsätzlich hat der Stadtrat bereits beschlossen, dass die Altstadt attraktiver werden soll, etwa durch mehr Bänke und mehr Bäume. Doch wie so oft wird es auch hier erst dann so richtig spannend, wenn es konkret wird. Und die Frage ist zum Beispiel, wo genau eigentlich Autofahrer weichen müssen.

"Neue kleine Piazza": Um diese Altstadt-Straßen geht es den Grünen konkret

Am Dienstag hat die Grünen-Fraktion konkrete Vorschläge präsentiert, wie das Projekt „Altstadt für alle“ mit Leben gefüllt werden kann - und zwar „zügig“, wie die Grünen betonen.

Aufschlag 1 

Im Rosental an der Ecke zur Prälat-Zistl-Straße sei ja schon heute immer viel los, betonen die Grünen - und haben da sicher auch, aber bestimmt nicht nur, die Menschentrauben vor dem Giesinger Stehausschank im Auge. „Hier sind die Menschen unterwegs, bummeln, treffen sich“, so die Grünen.

So könnte es im Rosental eines Tages aussehen.
So könnte es im Rosental eines Tages aussehen. © Andreas Gregor/Grüne

Der meiste Platz aber gehöre der Fahrbahn. „Das muss sich ändern!“ Durch die Baustelle am Stadtmuseum gebe es hier ja ohnehin auf Jahre nur eine Einbahnregelung für Autos. „Deswegen sollen schon jetzt durch einfache Maßnahmen die Verkehrsflächen für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen genutzt werden.“ Für Busse, Taxis und Autos auf dem Weg zur Tiefgarage Schrannenhalle könnte nach Ansicht der Grünen eine Ausnahme gelten - und trotzdem könne die Ecke „von der Kreuzung zum Stadtplatz“ werden.

Aufschlag 2 

Der Hackenplatz. Die Grünen können sich vorstellen, die Hermann-Sack-Straße und die an sie anschließende Hackenstraße bis zur Hotterstraße zur Fußgängerzone zu machen. Alternativ könne sich die Fraktion auch eine sogenannte „Altstadtzone“ vorstellen, in der nur noch Tempo 20 gefahren werden darf.

So könnte der Hackenplatz eines Tages aussehen.
So könnte der Hackenplatz eines Tages aussehen. © Gregor/Grüne

Dieser Platz soll als "Ort der Poesie" umgestaltet werden

Die Grünen schlagen vor, den Hackenplatz zum „Heinrich-Heine-Platz“ umzubenennen; Der Dichter wohnte hier. Und: Der Platz soll zu einem „Ort der Poesie“ gemacht und durch in den Boden eingelassene Zitate von Exildichtern aufgewertet werden.

Rathaus-Grünen-Chefin Mona Fuchs.
Rathaus-Grünen-Chefin Mona Fuchs. © Grüne

Grünen-Fraktionschefin Mona Fuchs sagt: „Die Bürger*innen sollen sehen, dass unsere Innenstadt mit mehr Grün, mehr Platz zum Ratschen und Rasten schöner und attraktiver wird.“ Fuchs schwärmt vom Ansatz, „unkompliziert den Verkehr zu reduzieren und eine „neue kleine Innenstadt-Piazza“ zu schaffen.

Grünen-Stadtrat Florian Roth ist begeistert vom Poesie-Konzept eines Heinrich-Heine-Platzes, „der alle Dichter*innen, die ins Exil mussten, ehrt“. Auf diese Weise, sagt der Kulturpolitiker, „entstünde ein öffentlicher Raum, der Lyrik sichtbar macht und gleichzeitig zum Verweilen einlädt“.

"Ausmaß des eigenen Finanzdesasters nicht begriffen"

Die CSU findet die Vorschläge dermaßen weltfremd, dass sie dafür am Dienstag nur Spott übrig hatte. „Die Grünen träumen von einem Platz der Poesie, wir hätten lieber eine Stadtregierung mit ein wenig Realitätssinn“, sagte Stadträtin Veronika Mirlach zur AZ. „Offenbar haben die Grünen das Ausmaß ihres eigenen Finanzdesasters noch nicht begriffen.“ Die Stadt habe kein Geld mehr, argumentiert Mirlach, „der nächste Stadtrat wird über massive Einsparungen beraten müssen - und die Grünen wollen die Straßen mit Gedichten pflastern.“

Mirlach fragte rhetorisch: „Wie soll man das den Menschen erklären?“ Für den Hackenplatz habe der Stadtrat auch bereits Planungen in Auftrag gegeben, sagte sie. „Sechs Jahre lang hat diese Stadtregierung viel Geld verpulvert und wenig erreicht - und einen Monat vor der Wahl erleben wir nun ein tägliches grünes Antragsgewitter mit Vorschlägen, die sie selbst längst hätten umsetzen können.“ Mirlachs Fazit: „Vor der Wahl wird der Faule fleißig.“

 

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  • kartoffelsalat vor 10 Minuten / Bewertung:

    Die genannten Stellen sind prädestiniert für eine Umverteilung der Flächen und die Vorschläge zeichnet ja eine sehr moderate bauliche Veränderung aus. Absurd wie wenig Platz Fußgängern an diesen Stellen bisher eingräumt wird.

    Der Panikanfall der CSU-Mirlach muss aber einfach trotzdem zwanghaft kommen. Fern jeglicher inhaltlicher Argumente.

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  • 30 in Bayern vor 14 Minuten / Bewertung:

    Die Finanzlage mag aktuell vielleicht nicht alles zulassen, aber die Grünen machen sich wenigstens Gedanken, wie gerade die Innenstadt attraktiver werden kann. Von der CSU hört man immer nur Auto, Auto, Auto und dann bei allen anderen Themen "kein Geld da".

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  • Boandl_kramer vor 16 Minuten / Bewertung:

    Wir sollten bei der nächsten Kommunalwahl die Grünen im Stadtrat zurückdrängen. Andererseits: Wozu auch in die Innenstadt fahren? Es gibt doch alles auch woanders oder geliefert. Sollen sie die doch zumauern und dann drin verhungern. Spätestens wenn sich das "Stadtbild" und die Kampfradler präsent zeigen, ist eh Schluss mit flanieren.

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