Neue Freiheit: "Radfahren ist wie Fliegen"

Diese Rennstrecke ist ideal: Am menschenleeren Quartiersplatz gibt es freie Bahn für die Radl-Ladys von Juno. Dazu gehören geflüchtete Frauen aus Somalia, Afghanistan oder dem Sudan. Als erwachsene Neu-Münchnerinnen lernen sie erst das Fahrradfahren.
In manchen Herkunftsländern, wie Afghanistan, ist Fahrradfahren für Frauen verboten. Mädchen haben dort nachts und als Jungs verkleidet geübt. Die Initiative Juno macht Frauenarbeit im Bellevue di Monaco. Jetzt – und ab April 2027 – gibt es Frauen-Radlkurse.
Wie beim Laufrad
Das Anfänger-Bike ist ein rotes Jugend-Klapprad. Also: Erst das leichte Radl schieben üben. Dann werden die Spezial-Pedale hochgeklappt. Sicher, mit den Füßen am Boden, wird langsam Tempo aufgenommen – und das Bremsen probiert: Angst, Herzklopfen, Jubel. "Es funktioniert wie beim Laufrad", sagt Heather Klähn, ehrenamtliche Trainerin: "Ich freue mich so sehr mit den Frauen, wenn sie Neues lernen. Es macht mir viel Spaß."

Auch wichtig: trainieren, den Lenker mit nur einer Hand zu halten – dann Schulterblick – und Handzeichen beim Abbiegen. Jemila (28) aus Äthiopien sagt: "Nachdem ich das gelernt habe, habe ich gedacht: Ich schaffe so vieles!" Jemila hat in ihrer alten Heimat als Sekretärin und Kinderpflegerin gearbeitet. "Früher dachte ich, ich kann das nicht mit dem Fahrradfahren. Beim Probieren mit der Familie bin ich hingefallen, hatte große Angst. Aber viele Lehrerinnen haben mich unterstützt. Sie sind mitgerannt, jede auf einer Seite!" Am stolzesten ist nun ihr Sohn Faiz (6): "Meine Mama kann Fahrrad fahren!", erzählt er überall. Jemila will Rad-Trainerin werden. Über 500 Frauen haben mit "Juno" das sichere Fahren gelernt. Manche Frauen können kaum Deutsch. Trainerin Dua’a aus Jordanien hilft mit Arabisch: "Maschallah", "Toi, toi, toi" oder sie nennt eine Schülerin lieb "Habibti", "Schatzi".
Das neue Freiheitsgefühl
"Es war ein Kindheitstraum von mir, Fahrrad zu fahren. Mit 36 Jahren habe ich es über Juno gelernt!", sagt die Mutter von vier Kindern. Wie das Gefühl ist? "Im ersten Moment hatte ich im Kopf: Es ist wie Fliegen!", sagt Dua’a – und strahlt: "Ein neues Freiheitsgefühl." Die meisten halten nach ein oder zwei Treffen sicher das Gleichgewicht. Manche brauchen länger, auch 60-Jährige machen mit: Muskelkater, Adrenalin und Lachen inklusive.
Viele Radl-Trainerinnen waren einst selbst Schülerinnen: "Es geht darum, Vorbild für andere Frauen zu sein", sagt Claudia Hinz von Juno: "Wir schaffen einen geschützten Raum, um Vertrauen in eigene Fähigkeiten zu entwickeln."
10 Jahre Juno wird gefeiert
Juno-Gründerin Britta Coy betont zum zehnjährigen Jubiläum, das am Samstag ab 15 Uhr im Bellevue di Monaco gefeiert wird: "Begegnung, gesellschaftliche Teilhabe, neue Unabhängigkeit und Sichtbarkeit." Trainerin Petra Zeitz hat eine Bitte: "Schauen Sie in den Keller. Wir benötigen kleine Damenfahrräder, auch reparaturbedürftige, Helme und Körbe." Mit Foto senden an "Social Ride": Kontakt@socialride.de. Informationen: www.juno-munich.org