Nächtliche Führungen im Tierpark Hellabrunn

Der Tierpark Hellabrunn bietet neue Führungen an – abends und im kleinen Kreis. So sollen Besucher die Tiere neu erleben. Die AZ hat einen Rundgang mitgemacht.
| Paul Nöllke
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Stefan Hintsche.
Nöllke 2 Stefan Hintsche.
Die Fledermäuse sind im Dunkeln viel aktiver.
Jörg Koch 2 Die Fledermäuse sind im Dunkeln viel aktiver.

München - Es ist dunkel, nur der Mond erhellt den Kiesweg. Unser Blick ist auf den Boden gerichtet, um nicht zu stolpern. In der Ferne brüllt ein Löwe, es raschelt im Gebüsch. "Licht aus", sagt Stefan Hintsche, als eine Frau ihre Handy-Taschenlampe einschalten will. "Die Tiere schlafen!"

Stefan Hintsche ist Tierparkführer in Hellabrunn. Der Rundgang, den es heute Abend gibt, ist allerdings auch für ihn etwas Besonderes. "Wir hatten die Idee Führungen anzubieten, wenn der Tierpark schon geschlossen ist", erklärt Hintsche. "So erlebt man die Tiere ganz anders: ohne Besucher und am Abend." Für den heutigen Termin hat sich der Biologe das Thema "Wie Tiere ihr Zusammenleben organisieren" ausgesucht.

Stefan Hintsche.
Stefan Hintsche. © Nöllke

Wir treffen Hintsche kurz vor Dämmerung am Flamingo-Gehege. Die Tiere hören wir, bevor wir sie sehen. Das laute Krächzen dringt bis vor den Eingang. "Die sind jetzt vor der Brunftzeit", erklärt er die Geräusche. Bald könnte es Flamingonachwuchs geben. Früher sei die Haltung von Flamingos genau deswegen ein Problem gewesen. Die Tiere legten nämlich keine Eier. "Heute wissen wir, dass man mindestens 20 Flamingos braucht, damit sie sich fortpflanzen." Ansonsten fühlen sich die Tiere nicht sicher genug, um zu brüten. "Man kann das Gefühl allerdings auch erzeugen, indem man Spiegel rund um das Gehege aufstellt. Die sind da nicht so clever."

Mit Rotlicht weckt Tierparkführer Hintsche die Tiere nicht auf

Die nächste Station ist das Affenhaus. Inzwischen ist es fast komplett dunkel. Vor dem Gehege zieht Hintsche eine kleine Rotlicht-Taschenlampe aus seiner Jacke. "Die meisten Säugetiere nehmen kein rotes Licht wahr", sagt er. So weckt er die Tiere nicht auf, wenn das Licht auf sie fällt.

Hintsche sucht das Gehege mit der Lampe ab. Weit oben in einem Geflecht aus Holz und Seilen wird er fündig: Hier hängt ein Silbergibbon. Im roten Licht erkennt man, wie sich sein Bauch hebt und senkt: Er schläft. "Da sieht man sehr gut die Schlafposition", sagt der Zooführer.

Die Gibbons bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen, erklärt Hintsche. Im Tierreich liege es immer an den Umweltfaktoren, ob Tiere einen oder mehrere Partner hätten. Bei den Gibbonaffen würde es sich lohnen, nur einen Partner zu haben, so überlebten mehr Kinder. "Das heißt allerdings nicht, dass es bei den Affen keine Seitensprünge gibt", sagt Hintsche. "Deswegen sind die männlichen Gibbons auch immer nett zu Affenkindern: Es könnten ja ihre eigenen sein."

Hellabrunns Fledermausgrotte ist besonderes Highlight bei Nacht

Durch eine kleine unscheinbare Tür führt Hintsche uns ins Aquarium. Normalerweise ist dieser Bereich für Besucher geschlossen, doch wir dürfen heute direkt von oben in die offenen Aquarien schauen. "Bei Fischen gibt es verschiedene Konstellationen, wer sich um die Kinder kümmert", erzählt Hintsche. "Hier sind es oft die Väter, die das übernehmen." Das liege daran, dass die Väter auf die Eier aufpassen. "Wenn die Babys schlüpfen, sind die Väter da", sagt Hintsche. "Bei den Tieren ist es oft so: Wer sich bei den Kindern zuerst aus der Verantwortung ziehen kann, tut es normalerweise auch."

Die Fledermäuse sind im Dunkeln viel aktiver.
Die Fledermäuse sind im Dunkeln viel aktiver. © Jörg Koch

Ein besonderer Höhepunkt ist bei der Abendführung ein Blick in die Fledermausgrotte, denn wenn es dunkel ist, sind die Tiere richtig aktiv. Während Hintsche erzählt, dass Fledermäuse nur lose Gemeinschaften bilden und den Bau wechseln, um Infektionen zu vermeiden, fliegen Fledermäuse schnell um uns herum, kommen immer näher und streifen sogar unsere Kleidung. "Keine Sorge", sagt Hintsche. "Normalerweise setzen sie sich nicht in die Haare."

Doch nicht alle Besucher sind überzeugt und manche bleiben lieber in sicherer Entfernung vor der Fledermaushöhle stehen.

Nächste Abendführung im Tierpark ist am 16. März

Zuletzt führt Hintsche ins Schildkrötenhaus. Hier ist es warm und laut: Pfeiffrösche singen, es klingt wie das Piepen einer Maschine. "Die singen nur, wenn es dunkel ist", erzählt Hintsche. "Ich empfehle jedem, Mal so eine Abendführung zu machen", sagt er. "Man lernt die Tiere ganz anders kennen." Nur Angst vor Fledermäusen sollte man nicht haben.

Führungen sind online buchbar unter www.hellabrunn.de und kosten zwischen 9,50 und 17 Euro. Die nächste Führung heißt "Wie Tiere sich ernähren" und findet am 16. März um 18 Uhr statt.

Lesen Sie hier: Nachwuchs bei den roten Pandas im Tierpark Hellabrunn

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