Nächtliche Ausschreitungen: Kommt das Alkoholverbot am Odeonsplatz?

Zwischen Hofgarten und der LMU nehmen laute Partys und nächtliche Saufgelage zu. Die Polizei will mit der Stadtverwaltung über striktere Maßnahmen beraten.
| Ralph Hub
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Der Odeonsplatz mit der beleuchteten Theatinerkirche.
Der Odeonsplatz mit der beleuchteten Theatinerkirche. © dpa/Felix Hörhager

München - Straßen und Plätze zwischen Ludwig-Maximilians-Universität und Hofgarten mutieren zu einer großen Freiluft-Partyzone.

Für Autos gab es kein Durchkommen mehr

Die Polizei ist vor allem an den Wochenenden abends im Dauereinsatz. Hunderte junge Menschen feiern und trinken zusammen bis in die frühen Morgenstunden. Alleine am vergangenen Wochenende verzeichnete die Polizei mehr als 50 Einsätze in der Stadt.

Bis zu 500 Leute blockierten am Freitagabend gegen 23 Uhr im Bereich Türkenstraße und Georg-Elser-Platz die Straße. Für Autos gab es kein Durchkommen mehr, selbst ein Streifenwagen blieb in der Menschenmenge letztendlich stecken.

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Ein 25-Jähriger gab an, er sei von dem Polizeiauto touchiert und am Bein verletzt worden. Aus der Menge schlugen einige Feiernde mit den Händen auf die Karosserie des Polizeiautos. Erst als die Beamten Verstärkung anforderten, entspannte sich die Lage.

Tumultartige Szenen am Odeonsplatz

Am Odeonsplatz kam es gegen Mitternacht ebenfalls zu tumultartigen Szenen. Von der Ludwigstraße kommend zogen Auto-Poser ihre Show ab. Überall standen Leute, die feierten, tranken und Musik hörten.

Die Polizei musste die Straße am Odeonsplatz für den Verkehr sperren, weil zwei Gruppen von Feiernden in Streit geraten waren und Menschen auf der Fahrbahn standen.

Zwischen einem Autofahrer und einem Polizisten kam es zu einem Wortgefecht. Als der Münchner im 5er BMW plötzlich anfuhr, wurde der Beamte auf die Motorhaube geladen und stürzte. Er erlitt eine leichte Verletzung am Knöchel, teilte das Präsidium mit. Der Fahrer wurde festgenommen, der BMW sichergestellt.

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Ein Politiker wurde "angepöbelt und bespuckt"

Florian Post, SPD-Bundestagsabgeordneter aus München, hat die Szenerie am Odeonsplatz bis gegen 2 Uhr nachts verfolgt und zeigte sich am Sonntag schockiert angesichts der Exzesse.

"Man bekommt den Mittelfinger gezeigt, wird angepöbelt und bespuckt", sagt Post der AZ. Die sich ständig wiederholenden lauten Partys und Saufgelage unter freiem Himmel erregen den Zorn des SPD-Politikers: "Die Wirte müssen um 22 Uhr zusperren, die Gäste feiern anschließend auf der Straße oder sogar an den Tischen vor den Lokalen munter weiter, während die Polizei zuschaut und nicht eingreift."

Verantwortlich für die ausufernden Zustände zu später Stunde auf Straßen und Plätzen der Stadt seien "oftmals junge Männer mit Migrationshintergrund", so der SPD-Abgeordnete.

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Post gibt im Wahlkampf den Law-and-Order-Mann. Seine Partei hatte ihm kürzlich einen sicheren Listenplatz verwehrt. Er muss deshalb bei der Bundestagswahl ein Direktmandat erringen, um wieder ins Parlament einzuziehen.

"Zu späterer Stunde", so Post zur AZ, "fühlt man sich derzeit auch am Odeonsplatz nicht mehr sicher. Das ist traurig!" Das sei nicht hinzunehmen. 

Es wird mehr Unterstützung für die Polizei gefordert

"Das Gewaltmonopol hat der Staat und sonst keiner! Die Polizei braucht mehr Unterstützung!", fordert der SPD-Politiker auch mit Blick auf lärmgeplagte Anwohnerschaft der Party-Hotspots.

Im Präsidium räumt man ein, dass es nicht möglich sei, überall in der Stadt gleichzeitig zu sein. Die Beamten hetzen von einem Hotspot zum nächsten. So auch in der Nacht auf Sonntag – überraschenderweise trotz des nasskalten Wetters. An der Staatskanzlei hatten sich rund 40 Personen zum Feiern getroffen. Auch im Hofgarten stieg eine Party mit lauter Musik.

Polizeieinsätze an vielen Party-Hotspots

"Des Weiteren", so Polizeisprecher Florian Hirschauer, "waren Kräfte beispielsweise am Wedekindplatz, Friedensengel, Siegestor, Wittelsbacherbrücke, Gärtnerplatz und dem Isarufer mit ähnlichen Einsätzen gebunden."

Der Party-Zone am Odeonsplatz könnte es passieren, dass sie ähnlich wie die am Gärtner- und Wedekindplatz schon bald trockengelegt wird. Ein Alkoholverbot droht. "Die Polizei wird die Stadtverwaltung bei der Entscheidung beraten", sagt Florian Hirschauer.

Ein Alkoholverbot in Teilen des Univiertels würde den Beamten im Einsatz eine Rechtsgrundlage schaffen, die ihnen ein schnelleres und entschiedeneres Eingreifen ermöglicht.

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