Münchner Hutmacher verrät: Das ist der größte Hut-Trend des Sommers
Angela Breiter, Co-Chefin im Münchner Traditionsgeschäft Hut Breiter in der Kaufingerstraße, kann bestimmt tagelang über Hüte und deren Stoffe erzählen. Über mehrere Generationen hat sich hier Wissen angesammelt. Und wenn man sie fragt, was denn zurzeit voll im Trend liegt, überlegt sie nicht lange, nennt aber überraschenderweise keine Hutform.
"UV-Schutz, UV-Schutz, UV-Schutz", betont sie. "Es ist DAS Thema schlechthin. Alles, was vor der Sonne schützt, ist gefragt", sagt Breiter, "Kunden erzählen oft, dass sie gerade einen Mega-Sonnenbrand im Gesicht hatten und sich unbedingt mit Hut schützen wollen." Oft hätten die Leute eh schon sonnenempfindliche Haut. "Auch das Thema Sonnenschutz für Kinder wird wichtiger", sagt Breiter.

Nicht jeder Sonnenhut schützt vor UV-Strahlen
Das heiße Wetter mit immer mehr Sonnentagen fordert offensichtlich seinen Tribut. Doch schon da sollte der Laie unterscheiden: Nicht jeder Sonnenhut schützt gleich vor den schädlichsten Strahlen des brennenden Planeten. Sie sind stärker und lockerer geflochten, meist aus Naturstoffen wie Hanf, Raffia oder Naturfasern. Wie bei Sonnencremes tragen die Modelle auf ihren Verkaufsschildchen ihren Lichtschutzfaktor.
UV-Schutz ist also nicht gleich Sonnenschutz. Es kommt offenbar immer darauf an, wie blickdicht eine Kopfbedeckung ist. "Je dichter geflochten ist, umso größer der UV-Schutz", sagt Angela Breiter. Man könnte sagen: Ein blickdichter Hut schützt vor Sonnenstich und den UV-Strahlen. Ein eher locker geflochtenes Modell schützt einfach davor, dass der Kopf zu heiß wird.

Die Auswahl ist enorm bei Hut Breiter. Auch die Preisspanne: Zwischen 40 und deutlich mehr als 1000 Euro ist alles möglich. Und an einem sonnigen Mittwochnachmittag haben die Verkäuferinnen und Verkäufer kaum eine Verschnaufpause, so groß ist der Andrang. Geschäftsführer Oliver Busch setzt für die Fotos einige Modelle auf. "Das teuerste ist nach wie vor der echte Panamahut aus Montecristi", sagt Breiter.
Der 30.000-Euro-Hut muss ein Jahr vorher bestellt werden
Bis zu 30.000 Euro kann er kosten. Und bis der geflochten ist, dauert es ein Jahr. "Daher muss der auch mindestens ein Jahr vorher bestellt werden", sagt Breiter. Und für Quiz-Abende ganz wichtig: Der echte Panamahut wird nicht in Panama geflochten, sondern in Ecuador.

Doch es muss ja nicht gleich der unter Wasser geflochtene, blickdichte Panamahut sein. Kann sich ja kaum einer leisten. Auch für deutlich weniger Geld gibt es hochwertige Kopfbedeckung. Und da erkenne Angela Breiter heuer einen absoluten Renner: Nämlich Sonnenhüte, die nass werden dürfen und dazu knautschbar sind.
"Die Leute wollen etwas Praktisches, einen Hut, den sie in ihren Koffer packen können und den sie auch bei Regen tragen können", sagt Breiter. Einer dieser Hersteller sei die Marke Bailey. "In Demonstrationsvideos tauchen die ihre Hüte teilweise unter Wasser, zerknautschen sie und sie nehmen danach immer wieder ihre ursprüngliche Form an", sagt Breiter.

Sie klingt dabei so, als ob sie das selbst kaum glauben kann. "Thermofixierendes Garn" heißt das Wundermaterial. Und diese leicht magische Hutart hat seinen Preis. Deutlich mehr als 100 Euro sind da schon fällig, zwischen 180 und 220 Euro etwa. "Nur" knautschbare Modelle mit hohem UV-Schutz und ohne große Wasserfestigkeit sind schon ab 40 Euro zu haben.
Crochet-Muster in Baseball-Cap-Form: Tradition trifft auf Moderne
Stilistisch gebe es heuer bei Frauen einen Trend: Das Crochetmuster sei wieder angesagt mit seinen dicken Flechtpunkten. Für Frauen sei der praktische Aspekt genauso wichtig, also knautschbar soll er auch sein. Und: "Es gibt immer mehr Unisex-Modelle", sagt Breiter.

Hier schwappt gerade die US-Hut-Mode schlechthin über in ein traditionelles Häkelgeschäft. Denn im Trend liegt anscheinend auch der Crochet-Hut in Baseball-Cap-Form. Und wer doch das echte Baseball-Cap haben möchte, wird auch fündig. "Baseball-Caps sind ein Ganzjahresgeschäft", sagt Breiter. Weitere Trends? Auch Ballonmützen seien vor allem bei Frauen seit Jahren beliebt, "gerne mit Naturstoffen wie Leinen", sagt Breiter.

Alte Trends flammen teils auf oder halten sich ewig. Manche Kopfbedeckung heißt im Volksmund bekanntlich wie ihr prominenter Träger. Wiederauferstanden sei laut Breiter etwa: Die Gottschalk-Mütze mit dem sichtbaren Känguru, die er verkehrt herum aufsetzte. Oder natürlich Filmfiguren: "Klar, es gibt Kunden, die nach wie vor nach den Indiana-Jones-Hut kaufen wollen", sagt Breiter, also einen Art Cowboy-Hut aus robusten Materialien wie Leder. "Flapper", nennt es Breiter.
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