Nach Tod des Chefs: 140 Jahre alte Metzgerei am Viktualienmarkt schließt

Die Schlange vor der Metzgerei Wöhrmüller am Viktualienmarkt reißt nicht ab am Donnerstagmittag (3.9.). „Ausverkauf“, steht groß draußen im Schaufenster an der Metzgerzeile, „Geschäftsauflösung“ und „Solange der Vorrat reicht“. Drinnen ist die Auslage mit Wammerl, Weidenochs und Weißwürscht schon ziemlich leer verkauft.
Und Martina Mayr und Manuela Wex, die hinter der Fleisch- und Wurstwarentheke wiegen, einpackerln und kassieren, schauen schrecklich traurig aus. Was ist denn passiert mit der 140 Jahre alten Münchner Traditionsmetzgerei, dass sie von heute auf morgen das Geschäft auflöst?
Der Chef war noch am Morgen im Laden
„Am Samstag ist unser Chef gestorben“, erzählt Martina Mayr. Dabei sei Peter Wöhrmüller mit seinen 67 Jahren in der Früh noch im Laden gewesen, habe Brotzeit für die Mitarbeiterinnen mitgebracht, wie immer samstags. „Er war supergut drauf“, sagt sie. „Er war überhaupt eine Seele von Chef. Dass er jetzt nimmer da ist, das zerreißt einem das Herz.“
Der Metzger mit „Goldenem Meisterbrief“ hatte das Geschäft in dritter Generation geführt, schon der Opa Johann und der Vater Franz waren im Laden gestanden. Nur die Söhne haben wohl andere Pläne.

Schon in Rente, trotzdem noch im Geschäft
Peter Wöhrmüller sei einer der feinen Chefs gewesen, sagt Manuela Wex. „Dem ist es nicht um Zahlen gegangen, sondern dass wir gut bedienen und freundlich zur Kundschaft sind.“ Er sei am Samstag dann heimgefahren und in der Garage zusammengebrochen. Herzinfarkt, habe ihnen die Familie später gesagt. „Eigentlich war er schon seit drei Jahren in Rente, er hat bloß wegen uns noch weitergemacht und weil ihm das Geschäft immer Spaß gemacht hat.“
Zur Trauer um ihren Arbeitgeber haben die Mitarbeiterinnen am Montag gleich noch einen Schock dazu bekommen, erzählen sie. „Da hat uns schon jemand die Kündigung in die Briefkästen geworfen. Schnell noch zum Monatsende.“

"Unendlich schade", sagt ein Stammkunde
Auch der Stammkundschaft in der Schlange ist der Schreck anzusehen. „Unendlich schade“, sagt etwa Werner Fester, der seit zehn Jahren aus Obersendling zum Wöhrmüller gefahren ist. „Der hat gute Ware und die Bedienung ist so nett. Schlimm, dass ich jetzt meine letzte Weißwurscht hier kaufe.“
Er werde sich nun einen neuen Stammmetzger suchen müssen – da, wo die in Kürze arbeitslosen Fachverkäuferinnen hinwechseln. Die ersten Jobangebote, sagen sie, haben sie nämlich schon.

Abverkauf: Alles zum halben Preis
Aber erst wickeln Martina Mayr und Manuela Wex noch den Abverkauf in der Metzgerei ab. Drei Tage hätte der eigentlich dauern sollen, noch bis diesen Samstag (5.9.). Fleisch, Wurst, Chili-Leberkäs und sämtliche Spezialitäten für den halben Preis. Die Schlange reißt den ganzen Donnerstag nicht ab. Schaut nicht so aus, als wenn am Freitag noch viel übrig ist.