Nach drei Jahren Kernsanierung: Münchner Sankt-Martins-Spital ist bald fertig

Winfried Eckardt hat 20 Jahre lang die Münchner Volkshochschule (MVHS) an der Severinstraße 2 bis 6 geleitet. Hört man ihm zu, als er am Donnerstag durch das Gebäude führt, merkt man schnell, dass er sich offensichtlich mit der Geschichte des Hauses auseinandergesetzt hat. Bald öffnet die MVHS hier wieder ihre Türen. In rund drei Jahren hat es die Stadt für fast 112 Millionen Euro kernsanieren lassen.

Es gibt unzählige Geschichten zum Gebäude, das im Neo-Barock gebaut und als "Spital" (nicht als Klinik) 1894 eröffnet wurde. Entworfen vom Architekten Carl Hocheder. Der Mann sei auch bekannt, weil er das Müller'sche Volksbad gezeichnet habe. "Man kannte ihn auch als Carl von Hocheder", sagt Eckardt beiläufig. Ein Adelstitel, den er offiziell gar nicht weiterführen durfte. Eigentlich.

"Baugrund war schon 1890 teuer"
In nur zwei Jahren ist das Haus im heutigen Stadtteil Obergiesing-Fasangarten 1893 bis 1894 gebaut worden. "Damals war der Baugrund auf einer einsamen grünen Wiese", sagt Eckardt. Außenrum habe es kaum Straßen gegeben. "Baugrund war damals schon teuer in München, weshalb sich die Stadt entschlossen hatte, weit vor den Toren der Altstadt bauen zu lassen", erklärt Eckardt.

Als Alten- und Pflegeheim ging das Haus Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb. "Armenversorgungshaus" hieß es offiziell. Eine recht moderne Idee also, sich um die Schwachen und Alten der Stadt zu kümmern. Außen pompös, innen etwas einfacher gehalten, durchaus mit interessanten Ansätzen. Es sollte sich selbst versorgen, hatte eine eigene Bäckerei, Gewächshäuser in den Innenhöfen, eine eigene Fischzucht sowie eine Metzgerei.

München boomte schon damals. "Die Bevölkerung wuchs von 1806 bis zum Ersten Weltkrieg von 40.000 auf mehr als 500.000", erzählt Eckardt. 500 Männer und Frauen sind damals zur Eröffnung im Spital eingezogen. Doch in Krisenzeiten, wie den Weltkriegen, hätten hier etwa 1000 Menschen gewohnt, so Eckardt. Da durfte natürlich auch eine Kapelle nicht fehlen, um Gottesdienste abzuhalten.
Die einzige vollständige Orgel des berühmten Instrumentenbauers Maerz
Die Treppen im Haus knarzen laut. Holztreppen und Parkett stammen erstaunlicherweise vom Erstbau. Sie haben beide Weltkriege überlebt. Barbara Link vom Kommunalreferat erklärt bei der Hausführung, mit welcher Akribie die Sanierer vorgegangen sind. "Die Parkettteile wurden einzeln entnommen, nummeriert und nach den Bodenarbeiten wieder in der gleichen Reihenfolge eingesetzt", sagt sie.

Die sorgsam sanierte Kapelle sieht so aus, als ob kommenden Sonntag wieder ein Gottesdienst stattfindet. Doch sie wird als Veranstaltungsraum der Münchner Volkshochschule dienen, "entweiht und profanisiert", sagt Link. Für etwa eine Million Euro sei hier modernste Veranstaltungstechnik eingebaut worden, von Leinwand, Lautsprechern, Beamer über eine Induktionsspule im Boden, die es Schwerhörigen ermöglicht, sich in die Lautsprecheranlage einzuloggen.

Führungen und Vorträge am 13. September
Die Kapelle, eine Art Prunkstück des Hauses, hat ein Highlight: die einzige noch vollständig erhaltene, generalüberholte Orgel vom Orgelbauer Franz Borgias Maerz. "Fast alle anderen Orgeln der Stadt wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, um das Metall für Kriegszwecke zu verwenden", sagt Florian Ludwig, der Projektleiter des Münchner Baureferats. Er wurde mit der Sanierung des denkmalgeschützten Hauses beauftragt.

Die heutige Leiterin der MVHS Ost, Serena D'Auria, erzählt am Ende der Hausführung, wie es weitergeht. In wenigen Tagen sollte die Sanierung beendet sein. "Pre-Opening mit einer Feier in der Kapelle am 11. September", beginnt sie aufzuzählen. Hier sei die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) eingeladen. Am 12. September finde ein Straßenfest statt. Und am 13. September, am Tag des offenen Denkmals, "gibt es Führungen und Vorträge", kündigt D'Auria an.
Und selbstverständlich beginnen hier bald wieder MVHS-Kurse. "Ab Oktober, 400", sagt D'Auria. Die ganze Palette der MVHS werde zu finden sein, in der künftigen Münchner Volkshochschul-Zentrale Stadtbereich Ost.