Nach CSD-Anschlag in Berlin: Diese Maßnahme ordnet OB Krause an

Abdul B. (21) hat am Wochenende den Christopher Street Day in Berlin und damit die queere Gemeinschaft in ganz Deutschland angegriffen. Wie geht die LGBTIQ*-Szene in München damit um? Was sagt OB Dominik Krause (Grüne), und kommt der Gedanke auf: Was wäre, wenn das bei uns passiert wäre?
von  Rosemarie Vielreicher
Das Brandenburger Tor in Berlin wird nach dem Angriff auf den Christopher Street Day (CSD) in Regenbogenfarben angestrahlt.
Das Brandenburger Tor in Berlin wird nach dem Angriff auf den Christopher Street Day (CSD) in Regenbogenfarben angestrahlt. © Christoph Soeder/dpa

Die tödliche Attacke auf den Christopher Street Day in Berlin trifft nicht nur die Hauptstadt mitten ins Herz, sondern auch Menschen in München.

Bernd Müller vom Münchner CSD-Team sagt der AZ: "Das macht uns natürlich alle auch in München schwer betroffen, denn Berlin ist heute nicht 600 Kilometer weit weg, sondern Berlin ist hier. Berlin ist überall in Deutschland. Überall, wo queere Menschen feiern und sichtbar auf die Straße gehen."

Deswegen sagt der politische Sprecher des CSD: Es sei auch für sie ein Schock, "weil wir genau wissen: Beim nächsten Mal könnte es auch uns treffen".

Was wäre, wenn das in München passiert?

"Die Gedanken machen wir uns schon seit mehreren Jahren. Die Situation für queere Menschen wird immer schwieriger." Auch bezogen auf die Sicherheit. Sie ergriffen beim CSD immer stärkere Sicherheitsmaßnahmen.

27. Juni 2026: Vor einem Monat küsst Münchens OB Dominik Krause (r.) seinen Lebensgefährten Sebastian Müller bei der Polit-Parade des CSD.
27. Juni 2026: Vor einem Monat küsst Münchens OB Dominik Krause (r.) seinen Lebensgefährten Sebastian Müller bei der Polit-Parade des CSD. © Felix Hörhager/dpa

Wie gut wäre der CSD in München vorbereitet? "Wir haben im Vorfeld in Zusammenarbeit mit der Polizei und den Sicherheitsbehörden alles getan, was man tun kann." Letztlich wisse man nie, auf welchen konkreten Notfall man sich vorbereiten muss und ob man genau dafür dann die "perfekten Mittel" habe. "Aber für Szenarien, die wahrscheinlich sind, gibt es Maßnahmen, um den Schaden möglichst in Grenzen zu halten."

Mahnwache: Solidarität und Mut

Am Marienplatz ist für Montagabend (19 Uhr) eine Mahnwache für die Opfer und Betroffenen geplant. Dabei soll unter anderem ein offener Brief von OB Dominik Krause verlesen werden. Bereits vorab ist das Schreiben veröffentlicht in der aktuellen "Rathaus Umschau" veröffentlicht worden.

Anzeige für den Anbieter Instagram über den Consent-Anbieter verweigert

"Der Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin hat mich entsetzt und tief betroffen gemacht. Dieser Anschlag richtet sich gegen die LGBTIQ*-Community und gegen unsere demokratische Gesellschaft. Er trifft jene Menschen, die ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung leben und all jene, die für Gleichberechtigung und Akzeptanz auf die Straße gegangen sind", so OB Krause in seiner Anteilnahme. 

Als Oberbürgermeister spricht er der Familie der Getöteten und deren Angehörigen "seine aufrichtige Anteilnahme und tiefes Mitgefühl" aus. Dieser Anschlag zeige, wie wichtig es sei, "dass wir täglich – jede*r in seinem Bereich – aktiv unsere demokratische Errungenschaft verteidigen". Dazu gehörten das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, der Schutz von Minderheiten und das Demonstrationsrecht. All dies wurde durch den Anschlag vom Wochenende angegriffen, so Krause. Unser aller Aufgabe sei es deswegen, unsere offene Gesellschaft zur verteidigen. 

Münchens OB Krause lässt im Gedenken an die Opfer des CSD-Anschlags in Berlin die Regenbogenflaggen am Rathaus hissen. (Archivbild)
Münchens OB Krause lässt im Gedenken an die Opfer des CSD-Anschlags in Berlin die Regenbogenflaggen am Rathaus hissen. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa

Zum Zeichen der Solidarität "habe ich die Beflaggung des Marienplatzes mit Regenbogenflaggen angeordnet", so Krause in seiner Anteilnahme an die Opfer.  

Bernd Müller vom Münchner CSD-Team spricht in diesem Zusammenhang von einer "Botschaft der Anteilnahme und Solidarität". Aber nicht nur das. Es ist auch als Zeichen nach außen zu sehen. "Wir lassen uns nicht verdrängen, wir sind da, wir stehen auf, wir stehen ein. Jeder Angriff auf die Community ist ein Grund mehr, auf die Straße zu gehen, sichtbar zu sein und für queere Rechte und damit auch für eine liberale Gesellschaft einzutreten."

Im Rahmen der Mahnwache werde es eine Leinwand geben, auf die Menschen ihre solidarischen Gedanken aufschreiben können. Diese werde im Anschluss nach Berlin geschickt.

Katholischer Priester: "Es beschämt mich zutiefst"

Auch Wolfgang Rothe, katholischer Priester aus München und Kämpfer für queere Rechte, teilt mit der AZ seine Gedanken: "Als religiöser Mensch beschämt es mich zutiefst, dass wieder einmal Religion missbraucht wurde, um Hass und sogar Mord zu rechtfertigen. An der wieder zunehmend queerfeindlichen Stimmung in unserer Gesellschaft sind Religionen – die islamische, aber auch die christliche – nicht unschuldig."

Er führt aus: "Beide Religionen sind nach wie vor nicht bereit, queere Menschen und queeres Leben als gleichwertig und gleichberechtigt anzuerkennen. Sie handeln dadurch menschenverachtend und menschenrechtswidrig! Das muss endlich in aller Klarheit thematisiert werden."

2022: Wolfgang Rothe, erkennbar als Priester, nimmt am CSD in München teil.
2022: Wolfgang Rothe, erkennbar als Priester, nimmt am CSD in München teil. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Rothe macht deutlich: "Religionsfreiheit endet, wo Menschenrechte bestritten werden. Muslime wie Christen müssen ihren queer-feindlichen Lehren absagen, wenn sie ein Teil unseres Rechtsstaats und unserer Gesellschaft sein wollen."

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.