Nach Chaos am Münchner Flughafen: Lufthansa zahlt Entschädigung

Update, 15.48 Uhr: Nachdem Hunderte Passagiere schneebedingt unfreiwillig eine Nacht in Flugzeugen am Münchner Flughafen verbringen mussten, haben sich der Airport und die Lufthansa Group ausdrücklich entschuldigt. "Lufthansa hat noch am Freitag mit den betroffenen Passagieren Kontakt aufgenommen. Die Gäste erhalten entsprechende Entschädigungszahlungen", teilte ein Sprecher mit.
"Unzumutbare Situation": Lufthansa entschuldigt sich
Das Unternehmen bat für die "unzumutbare Situation" ausdrücklich um Entschuldigung. Man setze gemeinsam mit dem Flughafen München alles daran, dass sich solche Fehler nicht wiederholten.
Beim Flughafen hieß es, es sei für die Passagiere eine schwierige und kaum nachvollziehbare Situation gewesen. "Wir arbeiten derzeit mit unseren Partnern daran, die Sachlage vollständig aufzuklären und unmittelbar Prozessverbesserungen umzusetzen", erklärte ein Flughafensprecher.
Busse fehlten
Insgesamt waren lauf Flughafen in der Nacht zum Freitag sechs Flüge mit rund 600 Passagieren betroffen, die bereits an Bord waren und eigentlich starten sollten. Als die Flugzeuge dann aber wegen des starken Schneefalls wider Erwarten doch nicht abheben durften, fehlten Busse, um die Fluggäste ins Flughafengebäude zurückzubringen.
Weil die Kapazitäten an den Terminals wegen Annullierungen im Tagesverlauf mit abgestellten Flugzeugen belegt waren, mussten die Flugzeuge auf Außenpositionen abgestellt werden. Wegen der nächtlichen Uhrzeit und wegen Defiziten bei der Kommunikation sei der Busverkehr stark eingeschränkt gewesen. Die Passagiere seien bestmöglich versorgt worden, hieß es. Laut Lufthansa hatten die Flugzeuge genug Strom und waren beheizt.
FDP-Fragen zu Krisenvorsorge, Personalplanung und Kommunikationsstruktur
Update, 13.39 Uhr: Fluggäste und Besatzungen konnten die Flugzeuge nicht mehr verlassen und mussten die Nacht im Flugzeug auf dem Vorfeld verbringen. Betroffen waren neben drei Lufthansa-Flügen nach Singapur, Kopenhagen und Danzig auch zwei Air-Dolomiti-Flüge nach Graz und Venedig.
Die Stadtratsfraktion FDP/Bayernpartei formuliert eine konkrete Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) als Mitglied des Aufsichtsrats der Flughafen München GmbH. "Gerade in winterlichen Ausnahmesituationen müssen Notfall- und Krisenpläne belastbar, personell abgesichert und klar zwischen den Beteiligten abgestimmt sein", heißt es in der entsprechenden Mitteilung.
Der Vorfall werfe daher grundsätzliche Fragen zur Krisenvorsorge, Personalplanung, Kommunikationsstruktur sowie zur Abstimmung zwischen Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften auf: "Solche Vorfälle und die resultierende mediale Aufmerksamkeit schaden dem Image Münchens als Messe- und Tourismusstadt."
Die Fraktion will in diesem Zusammenhang von Dieter Reiter unter anderem wissen, welche verbindlichen Notfall- und Winterbetriebspläne für den Umgang mit witterungsbedingten Flugstreichungen und Abfertigungsengpässen, welche verbindlichen Standards gelten am Flughafen München hinsichtlich Versorgung, Betreuung sowie Information von Passagieren in außergewöhnlichen Situationen bestehen und wie der Aufsichtsrat die Informationspolitik gegenüber den betroffenen Passagieren während der Nacht beurteilt.
Schnee-Chaos: Bereits abgefertigte Flüge bekommen keine Starterlaubnis
Erstmeldung, 23. Februar, 10.06 Uhr: Etwa 500 Passagiere haben mitten im Winter unfreiwillig eine Nacht in Flugzeugen am Münchner Flughafen verbracht. Ihre für Donnerstagabend geplanten Flüge waren nach starken Schneefällen in der Nacht zum Freitag gestrichen worden – nachdem schon alle Passagiere an Bord und die Flugzeuge startbereit waren, wie ein Sprecher der Lufthansa mitteilte.
Nach Angaben des Münchner Flughafens konnten die Reisenden wegen fehlender Busse und Parkmöglichkeiten am Terminal nicht mehr dorthin zurückkehren – und mussten zwangsläufig in den Flugzeugen ausharren. Zuvor hatte RTL.de darüber berichtet.
Die Schneefälle hatten nach Angaben des Flughafens am Donnerstag über den gesamten Tag für Verspätungen und Ausfälle gesorgt. 100 Flüge seien gestrichen worden. Am Abend hätten einige Flüge Sondergenehmigungen erhalten, um auch noch nach Mitternacht bis 1 Uhr starten zu können. In München gilt zwischen 0 Uhr und 5 Uhr normalerweise ein Nachtflugverbot. Wegen des Schnees hätten bereits abgefertigte und startbereite Flüge aber dann doch keine Starterlaubnis bekommen, berichtete ein Lufthansa-Sprecher.
Die Passagiere hätten aber nicht mehr zum Terminal zurückkehren können: "Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle Parkmöglichkeiten für Flugzeuge direkt am Terminal belegt und die Buskapazitäten auf den Vorfeldern eingeschränkt", teilte der Flughafen mit.
Fluggäste harren bis zum Morgen in Flugzeugen aus
Fluggäste und Besatzungen konnten die Flugzeuge nicht mehr verlassen und mussten die Nacht im Flugzeug auf dem Vorfeld verbringen. Betroffen waren nach Angaben der Lufthansa neben drei Lufthansa-Flügen nach Singapur, Kopenhagen und Danzig auch zwei Air-Dolomiti-Flüge nach Graz und Venedig. Erst am frühen Morgen fuhren nach Angaben des Lufthansa-Sprechers wieder Busse, die die Passagiere abholten.
Warum keine Busse vorhanden waren, die die Passagiere zum Terminal bringen konnten, konnte der Sprecher der Lufthansa nicht sagen. Für die Organisation der Busse sei der Flughafen zuständig.
Dieser war für weitere Nachfragen zu dem Vorfall zunächst am Sonntag nicht zu erreichen. "Wir bedauern die damit entstandenen Unannehmlichkeiten sehr", teilte ein Sprecher des Flughafens München lediglich mit.