Nach 56 Jahren: Generalstaatsanwaltschaft sieht Einzeltäter hinter Brand in jüdischem Altenheim

1970 starben bei einem Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim sieben Menschen. Immer wieder wurde seitdem ermittelt. Nun legen sich die Behörden auf einen Verdächtigen fest.
AZ/dpa |
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Bei dem Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim im Jahr 1970 geht die Generalstaatsanwaltschaft nun von einem rechtsextremen Einzeltäter aus. (Archivbild)
Bei dem Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim im Jahr 1970 geht die Generalstaatsanwaltschaft nun von einem rechtsextremen Einzeltäter aus. (Archivbild) © picture alliance / Joachim Barfknecht/dpa

Mehr als 56 Jahre nach einem Brandanschlag auf ein jüdisches Seniorenheim in München mit sieben Toten ist die Generalstaatsanwaltschaft von einem rechtsextremen Einzeltäter überzeugt. Die Indizien sprächen deutlich dafür, dass ein mittlerweile verstorbener Mann das Feuer in dem jüdischen Gemeindehaus in der Reichenbachstraße gelegt habe, teilte die Behörde in München mit. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung weiterer Personen.

Die Generalstaatsanwaltschaft München hatte die Ermittlungen gegen Unbekannt im April 2025 wieder aufgenommen. Eine Zeugin habe glaubhafte Angaben zum Tatverdächtigen gemacht, so die Behörde. Da der Mann nicht mehr lebt, wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt. Es gelte zudem die postmortale Unschuldsvermutung.

Ermittler: Abschließende Bewertung nicht möglich

Bei den Ermittlungen ging es laut Generalstaatsanwaltschaft um mögliche weitere Beteiligte des Anschlags. Diesen Verdacht konnten die Ermittler aber nicht erhärten. Stattdessen verdichteten sich die Hinweise auf den damals 25-jährigen Einzeltäter, der als rechtsextrem und antisemitisch bekannt war. Da der Mann aber2020 starb, ist nach Angaben der Behörde eine abschließende rechtliche Bewertung nicht möglich.

Im Laufe der Jahrzehnte war immer wieder ermittelt worden. So hatte die Bundesanwaltschaft eine linksextremistische Gruppierung im Blick, doch 2017 stellte die Behörde das Verfahren ein. Trotz vorhandener Indizien reichten die Verdachtsmomente nicht für einen konkreten Tatverdacht aus, hieß es damals. 

Sieben Holocaustüberlebende sterben

Das Feuer im Treppenhaus des jüdischen Gemeindehauses war am 13. Februar 1970 ausgebrochen, kurz nach Ende eines abendlichen Gottesdienstes in der Synagoge. Die Bewohner eines dort untergebrachten Altenheimes wurden von den Flammen eingeschlossen. Die meisten der rund 30 Menschen konnten gerettet werden, doch sieben von ihnen starben. Nach Angaben der Ermittler handelte es sich um Holocaustüberlebende. 15 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer.

Nach neuen Ermittlungsergebnissen: Zweite Bürgermeisterin äußert sich

Nach den neuesten Ermittlungsergebnissen zum Brandanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum meldete sich Münchens Zweite Bürgermeisterin, Mona Fuchs, zu Wort. In einer Pressemitteilung heißt es: "Ich bin erleichtert, dass es nach mehr als 56 Jahren endlich neue Erkenntnisse zu diesem furchtbaren Verbrechen gibt. Der Brandanschlag auf das Altenheim im jüdischen Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern wurde mutmaßlich von einem deutschen rechtsextremen Antisemiten verübt. Sieben Menschen wurden bei dem Anschlag ermordet. In diesem Altenheim lebten auch Shoah-Überlebende. Sie hatten Verfolgung und Vernichtung überstanden und wurden 25 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus in Deutschland erneut Opfer mörderischen Antisemitismus. Mit den neuen Erkenntnissen endet zumindest ein Teil der jahrzehntelangen Ungewissheit. Eine endgültige und vollständige juristische Aufklärung wird es nicht mehr geben können, weil der mutmaßliche Täter bereits verstorben ist. Allen, die mit großer Beharrlichkeit an der Aufklärung gearbeitet haben, gilt deshalb mein ausdrücklicher Dank.

Für die Angehörigen können auch diese Entwicklungen den Verlust und den Schmerz nicht nehmen. Auch für uns als Stadt bleibt eine Verantwortung, die weit über die strafrechtliche Aufarbeitung hinausgeht. Der Brandanschlag vom 13. Februar 1970 war eines der schwersten antisemitischen und rechtsextremen Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er gehört deshalb nicht nur in das historische Gedächtnis unserer Stadt, sondern verdient auch einen zentralen Platz im kollektiven Bewusstsein der ganzen Bundesrepublik. Wir müssen dabei selbstkritisch auf die vergangenen Jahrzehnte schauen. Als Stadt haben wir bislang zu wenig dafür getan, diesem Anschlag und den sieben Ermordeten den sichtbaren Platz in unserer Erinnerungskultur zu geben, den sie verdienen.

Jetzt sollten wir alle Kräfte bündeln und gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde sowie den Angehörigen der Opfer, sofern und soweit sie sich daran beteiligen möchten, eine Form des Gedenkens entwickeln, die der Bedeutung dieses Verbrechens gerecht wird. Dazu gehört für mich neben einer Gedenkveranstaltung ein angemessenes und zugleich deutlich sichtbares Zeichen im öffentlichen Raum – sowohl am Ort des rechtsextremen und antisemitischen Anschlags selbst als auch im Herzen der Stadt, im Münchner Rathaus."

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