Nach 142 Jahren ist Schluss: Nächstes Münchner Traditionsgeschäft macht dicht

Viele Regale sind schon leer, viele gepackte Kisten stehen herum. Und doch sind noch einmal viele Kunden gekommen, um ein letztes Schnäppchen zu machen – oder auch, um Abschied zu nehmen. Denn am letzten Tag des Musikhauses Hieber Lindberg ist da einerseits die Rabattjagd. Auf der anderen Seite ist es für viele auch ein trauriger Abschied, die jahrzehntelang Kunden gewesen sind.
"Habe mein Hobby zum Beruf gemacht"
Seit 1884 war Hieber Lindberg die Anlaufstelle für alles rund um Musik: Instrumente, Mikrofone und allerlei Zubehör. Und das alles bestens erreichbar in der Sonnenstraße zwischen Stachus und Sendlinger Tor.
Bei Mitarbeitern wie Christian Hartinger herrscht deshalb Wehmut. Für ihn war es kein Job wie jeder andere: "Ich habe hier mein Hobby zum Beruf gemacht. Dementsprechend groß ist der Jammer."
Hartinger arbeitet seit zwei Jahren im Musikhaus in der Abteilung Schlagzeug und Percussion. Zusammen mit seinen Kollegen berät er ein letztes Mal Kundinnen und Kunden mit Interesse für Musik. "Viele Kollegen haben aus Idealismus und mit großer Leidenschaft hier gearbeitet. Das Team ist der Hammer. Ich werde es sehr vermissen", sagt Hartinger.
Trauer auch bei den Kunden
Die Gründe für das Aus sind vielfältig. Der Online-Handel belaste laut Hartinger das Geschäft. Wenige junge Menschen lernen heute noch ein Instrument und wenn doch, würden sie eh digital kaufen. Dazu käme die Innenstadtlage. "Die ist Fluch und Segen zugleich", so Hartinger. Als Hieber Lindberg im April Insolvenz anmeldete (AZ berichtete), nannte Insolvenzverwalter Max Liebig die hohen Mietkosten als einen Auslöser der Pleite. Auch ein Umzug in kleinere Räumlichkeiten in die Sonnenstraße letztes Jahr half nicht: zu wenige Kunden, zu wenig Umsatz, zu hohe Kosten im Betrieb.

Dennoch sind Kunden dem Musikhaus bis zum Ende treu geblieben. Benjamin Malik hat sich nochmal mit Becken und Drumsticks eingedeckt. "Ich bin langjähriger Kunde. Es ist traurig, dass solche Geschäfte wegbrechen. Eine so kompetente Beratung wie hier hat man im Internet nicht. Vor allem arbeiten hier absolute Profis, die selbst Musik machen", sagt Malik.
Und so verliert München ein weiteres Geschäft mit großer Geschichte. Musikbegeisterte können sich nun nicht mehr klangvollen Nachschub in bester Lage besorgen.