MVV-Preise steigen stärker als in anderen Regionen

Stolz wurde kürzlich verkündet, dass die Preise für Fahrkarten nur um 1,9 Prozent steigen – im Vergleich zu anderen Städten ist das viel.
| AZ
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
U- und S-Bahn-Fahren wird auch dieses Jahr teurer.
dpa U- und S-Bahn-Fahren wird auch dieses Jahr teurer.

München - Die geringste Tarifanpassung aller Zeiten, jubelte MVV-Chef Alexander Freitag. Er sei "sehr zufrieden", sagte CSU-Bürgermeister Josef Schmid. Es habe Sinn gehabt, eine Nullrunde "in den Raum zu stellen".

Als MVV und Politik kürzlich mitteilten, dass die Preise im Dezember um durchschnittlich 1,9 Prozent steigen werden, waren alle ganz begeistert. Ein Vergleich mit anderen Städten in Deutschland zeigt aber: Kaum irgendwo steigen die Preise so stark wie im MVV. Und: Es gibt auch Städte mit einer echten Nullrunde.

Wie berichtet, wird in München der Preis für die Tickets im Dezember angehoben – so wie jedes Jahr. Der Preis für Einzelfahrtkarten (eine Zone) steigt von 2,80 Euro auf 2,90 Euro. Die Streifenkarte kostet statt 13,50 dann 14 Euro. Die Single-Tageskarte für den Innen- oder Außenraum beziehungsweise die XXL-Tageskarte werden 10 Cent teurer (6,70 Euro und 8,90 Euro).

Allen Aufrufen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen, zum Trotz: Wie in München steigen die Preise auch in anderen Ballungszentren weiter an.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert das: "Die Kunden bekommen weniger fürs Geld, weil viele Kommunen Buslinien streichen, um zu sparen", sagt der Vorsitzende Detlef Neuß. In München geht es zwar weniger um gestrichene Linien – die Leute quetschen sich für mehr Geld aber in immer noch vollere Bahnen, dem Zuzug sei Dank.

In Frankfurt sinken die Ticketpreise sogar

In anderen Städten gibt es teilweise sogar Preissenkungen. So werden in Frankfurt Einzelfahrscheine und Tageskarten billiger. In Zeiten von "Dieselgate" müsse man ein klares Signal für öffentliche Verkehrsmittel setzen, heißt es vom Aufsichtsrat des dortigen Verkehrsverbundes. Im Gegenzug werden in Frankfurt aber die Stammkunden zur Kasse gebeten: Viele Monatskarten werden teurer.

Auch in Stuttgart will man mit gesenkten Preisen dafür werben, aufs Auto zu verzichten. Die Stadt leidet unter besonders schlechten Luftwerten. Jetzt werden Tagestickets um ein Fünftel bis ein Drittel günstiger angeboten. Schon bisher hatte man in der Schwabenmetropole mit einem "Feinstaub-Ticket" experimentiert: An Tagen mit besonders schlechter Luft gab es Fahrkarten zum halben Preis.

Und wie sind die 1,9 Prozent, auf die man in München so stolz ist, nun im Vergleich einzuschätzen? In Bremen und Niedersachsen steigen die Preise noch stärker. Dort wird ein Plus von 2,1 Prozent fällig. In Stuttgart und im Rhein-Ruhr-Gebiet gibt es wie in München ein Plus von 1,9 Prozent.

Aber es geht eben auch anders: In Berlin und Brandenburg gibt es zum Beispiel eine Nullrunde. Dort bleiben die Preise gleich. Und auch anderswo geht es moderater zu als in München: im Rhein-Main-Gebiet (1,5 Prozent) zum Beispiel, Hamburg (1,2 Prozent) und Köln (1,1 Prozent).

Fahrgastverband-Chef Neuß übrigens kritisiert explizit nicht die Gewerkschaften, sondern die Politik. "Wir wollen den Mitarbeitern nicht absprechen, dass sie Anspruch auf eine Gehaltserhöhung haben", sagt er. "Inwieweit der Fahrgast deshalb aber mehr ausgeben muss, hängt von der Bereitschaft der Politik ab, Geld zuzuschießen." Doch die Bereitschaft war in München offenbar nicht groß genug.

AZ-Kommentar zum Thema: MVV-Preiserhöhung - Maßvoll? Nicht ganz

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren