Interview

MVG-Sprecher Korte: "Richtwert 120 Fahrgäste pro Bahn"

Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft, gibt Fahrgästen Verhaltensempfehlungen für die Corona-Krise und berichtet von finanziellen Sorgen: "Wir gehen von Ausfällen im zweistelligen Millionenbetrag aus – pro Monat".
| Julia Sextl
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Matthias Korte, Chef der MVG, fährt selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit.
privat Matthias Korte, Chef der MVG, fährt selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit.

AZ: Herr Korte, wie viele Menschen nutzen derzeit noch das MVG-Angebot?
Matthias Korte:
Wir haben nur noch ein knappes Drittel der Fahrgäste, die wir sonst haben. Die Nachfrage ist um etwa 70 bis 80 Prozent zurückgegangen. Sie wird aber wieder etwas zunehmen, wenn die Läden und vor allem die Schulen nach und nach öffnen.

Matthias Korte, Chef der MVG, fährt selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit.
Matthias Korte, Chef der MVG, fährt selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. © privat

Sind zu Corona-Zeiten mehr Schwarzfahrer unterwegs als sonst?
Davon gehe ich nicht aus. Natürlich braucht man auch in der aktuellen Situation einen Fahrschein, wenn man unsere Leistung in Anspruch nimmt. Und man muss mit Kontrollen rechnen – auch in Corona-Zeiten.

Wenige Corona-Fälle bei der MVG: "Die Stimmung ist gut"

Wie geht es den Fahrern der MVG? Sind auch unter ihnen Coronavirus-Infizierte?
Wir haben bei der MVG einige wenige Fälle. Die ersten sind schon wieder gesund. Bislang gibt es keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb. Wir fahren sehr stabil und zuverlässig, was besonders für die Fahrgäste in den systemrelevanten Berufen sehr wichtig ist.

Wie ist denn die Stimmung unter den MVG-Mitarbeitern?
Die Stimmung ist gut. Viele Kolleginnen und Kollegen sind stolz darauf, gerade jetzt für die Münchnerinnen und Münchner da zu sein und die Stadt am Laufen zu halten. Das ist eine großartige Leistung der ganzen Mannschaft. Hinzu kommt, dass das Fahren im Moment nicht gerade unangenehm ist. Schließlich sind die Straßen relativ frei.

Kortes Tipps: Abstand halten, Berufsverkehr meiden, Maske tragen

Was tut die MVG, um ihre Fahrgäste zu schützen?
Das Wichtigste ist, über die notwendigen Regeln zu informieren: nämlich Abstand zu halten, wo immer es geht. Die Voraussetzungen dafür sind im Moment gegeben – da wir nahezu das volle Fahrplanangebot fahren. Außerdem gilt: den Berufsverkehr meiden. Wer zum Beispiel erst nach 9 Uhr fährt, tut damit sich und allen anderen einen Gefallen. Die dritte Regel ist: auf unnötige Fahrten verzichten. Und wir empfehlen dringend, eine Mund-Nasen-Abdeckung zu tragen – auch wenn die Maskenpflicht erst ab Montag gilt.

Desinfizieren Sie die Verkehrsmittel regelmäßig?
Desinfektionen von Flächen im öffentlichen Raum sind nicht zielführend. Das bestätigen auch die Gesundheitsbehörden. Sobald der Erste wieder nach der Haltestange greift, wäre alles umsonst. Aber wir reinigen natürlich regelmäßig – die Reinigungsmittel setzen Viren und Keimen auch zu.

Gibt es Vorschriften für eine beschränkte Personenanzahl in den Fahrzeugen?
Nein. Aber wir haben uns für die aktuelle Situation selber Richtwerte gegeben: Während beispielsweise in eine U-Bahn normalerweise 800 bis 900 Personen passen, liegt unser Richtwert momentan bei 120 Fahrgästen. So haben alle die Möglichkeit sich zu verteilen und mindestens 1,50 Meter Abstand zu halten.

Wie wird die MVG wirtschaftlich durch die Krise kommen?
Finanziell haben wir große Sorgen, weil die Fahrgeld-Einnahmen massiv eingebrochen sind. Wir gehen aktuell von Ausfällen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags aus – pro Monat. Über das Jahr gesehen wird das – allein für die MVG – einen dreistelligen Betrag ergeben. Wir sind daher in Gesprächen mit der Politik und hoffen auf Unterstützung.

Lesen Sie hier: Trotz Corona - Strom in München wird nicht teurer

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