Münchner Wohnungsnot: Wohnen im Bauwagen

Auf dem Wagenplatz Olga leben ganz verschiedene Münchner. Seit Neuestem parken ihre Wägen in Mittersendling. Teil 3 unserer Mini-Serie "Anders wohnen".
| Jasmin Menrad
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Nicht nur die Wagen müssten umziehen, auch die Pflanzen.
Nicht nur die Wagen müssten umziehen, auch die Pflanzen. © Menrad

Schuhe ausziehen. Sarah (35) hat ihren Wagen frisch gewischt und draußen auf dem Platz ist eine Matschwüste. "Wenn es schön wird, und blüht und rankt, müssen wir umziehen und stehen wieder in einem herbstlichen Matschloch", sagt Sarah über die Zwischennutzung der Brachfläche.

Bauwagen als Wohnung

Seit April 2011 ist der Wagenplatz Stattpark Olga vier Mal umgezogen. "Wir könnten so viele coole Sachen machen, wenn wir nicht alle zwei Jahre umziehen müssten. Das zehrt unwahrscheinlich an den Kräften", sagt Paula (28), die vor acht Wochen Mutter geworden ist.

Lesen Sie Teil 1 der Serie: Hausprojekt Ligsalz8 - Das Mietshäuser-Syndikat und die Idee dahinter

In der ersten Novemberwoche haben die Olgas den Überlassungsvertrag für das Gelände Passauer Straße, Ecke Gottfried-Böhm-Ring bekommen. In dreieinhalb Wochen haben sie den Umzug gestemmt, obwohl viele Olgas sich im Sommer Urlaub genommen hatten, weil ihr Mietvertrag auf dem alten Gelände in der Boschetsrieder Straße ausgelaufen war. Doch die Stadt konnte oder wollte den 20 Erwachsenen und sieben Kindern lange keine Zusage für einen neuen Standort machen. "Die Leute glauben, wir parken unsere Wägen um, aber das ist noch viel mehr – unsere Radlwerkstatt, der Veranstaltungsraum, die Hühner, die Pflanzen", sagt Paula.

Solarstrom: Abends ist es dunkel

Noch ist es am Abend dunkel auf dem Wagenplatz. Denn Genehmigungsverfahren dauern und so haben sie nur Solarstrom. Auch deshalb werden sie mit ihrem Kulturprogramm erst im Januar starten. Dann wollen sie auch mit dem Bezirksausschuss und dem Kulturreferat zusammenarbeiten. "Wir wollen das Programm auf das Viertel zuschneiden und mehr für Familien wie Kindertheater anbieten", sagt Paula.

"Wir blockieren keinen Platz, sondern beleben ihn und öffnen ihn", sagt Sarah. Dafür zahlen die Olgas Miete und bauen die Infrastruktur auf. Sie sehen sich als Begegnungsort und als einen Ort, an dem sie ein alternatives Leben vorleben, in einer helfenden Gemeinschaft mit Umsonstladen, Werkstatt und Lagerfeuerabenden, Lesungen und Konzerten.

"Wir sind bei vielen als Helfer abgespeichert. Da kam eine Seniorin und meinte, ihr Festnetz sei kaputt und ob ihr jemand helfen könne. Ok, ich wohne in einem Laster, aber qualifiziert mich das, dass ich mich mit Festnetztelefonie auskenne?", sagt Paula. Natürlich hat einer der Olgas der Dame geholfen.

Bald, so hoffen sie, kommen auch die Menschen aus Mittersendling auf den Wagenplatz. Vielleicht ist’s dann weniger matschig, weil die Olgas schon Wege angelegt haben.

Lesen Sie Teil 2 der Serie: Tiny Houses gegen Wohn-Wahnsinn - Ein Dorf in der Stadt

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