Münchner Vampir-Mörder: überführt ihn die DNA-Spur

Er soll eine Rentnerin totgebissen haben: Der mutmaßliche Täter Ismat O. (45) streitet in der Verhandlung vor dem Münchner Landgericht die Straftat ab: „Ich habe immer ein anständiges Leben geführt".
| Torsten Huber
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Opfer Elisabeth Goscinska (63) wurde im September 1990 zu Tode gebissen.
az 2 Opfer Elisabeth Goscinska (63) wurde im September 1990 zu Tode gebissen.
Über den Vampir-Mord berichtete die Abendzeitung im September 1990.
az 2 Über den Vampir-Mord berichtete die Abendzeitung im September 1990.

Der mutmaßliche Täter Ismat O. (45) streitet in der Verhandlung die Straftat ab: „Ich habe immer ein anständiges Leben geführt“

München - Die Kripo spricht damals von einem „sadistischen Sexualtäter“, der sein Opfer wie ein Vampir regelrecht totgebissen hat. Nach 23 Jahren muss sich jetzt Fliesenleger Ismat O. (45) für den Mord an der 63-jährigen Elisabeth Goscinska, die alle „Kitty“ nannten, vor dem Münchner Landgericht verantworten.

Wichtige DNA-Spuren fand man am Tatort. Das Gen-Material passt zum Angeklagten. Wird ihn das Haar überführen? Ismat O. bestreitet die Tat vehement: „Von dieser Geschichte weiß ich nichts. Ich habe immer ein anständiges Leben geführt.“ Mit 16 flüchtet er mit seinem Bruder aus Beirut.

Der Bürgerkrieg treibt sie nach Deutschland. Sie beantragen Asyl. Sechs Jahre vergehen, bis sie eine Arbeitserlaubnis bekommen. Ismat O. macht eine Schreinerlehre, später steigt er auf Fliesenleger um. Dem Gutachter sagt er, dass er „handwerklich sehr geschickt“ sei. Als junger Mann habe er viele junge und hübsche Polinnen gekannt.

Sex mit einer so alten Frau habe er damals nicht nötig gehabt. Nach Erkenntnis der Ermittler soll Ismat O. am Abend des 8. September 1990 im Lokal „Öslem“ in der Schleißheimer Straße „Kitty“ kennen gelernt haben. Zeugen: „Die haben sich geküsst und berührt.“ Nach einer Weile wechseln sie ins „Vollmond“.

Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass der Angeklagte im Lokal „bereits den Entschluss fasst, Frau Goscinska nach Hause zu begleiten, um sexuelle Befriedigung zu finden.“ Sollte sie sich widersetzen, habe er den Plan gefasst sie zu töten.“ In der Nacht zum 9. September begleitet Ismat O. laut Anklage „Kitty“ nach Hause in die Heßstraße.

Sie hat ihren Wohnungsschlüssel vergessen, klopft bei einem Nachbarn. Keine Reaktion. „Spätestens jetzt will Elisabeth Goscinska aber alleine sein. Sie fordert den Angeklagten auf zu gehen“, sagt die Staatsanwaltschaft. Dies habe Ismat O. aber nicht akzeptiert. Daraufhin habe „Kitty“ geschrien: „Hau ab, Du scheiß Araber!“ Ismat O. soll erkannt haben, dass es nicht zum „einvernehmlichen Geschlechtsverkehr“ kommen werde.

Er soll ihr die Bluse hochgeschoben haben und habe ihr so kräftig in die Brustwarze gebissen, dass sie dabei abgerissen sei. Er soll ihr die Hose ausgezogen und sie im Intimbereich berührt haben. Ismat O. soll sie dann am Hals und Brust überall so kräftig gebissen haben, dass sie überall massiv geblutet haben soll. Laut Obduktionsbericht sei sogar der Kehlkopf des Opfers gebrochen und die rechte Hals-Armschlagader abgerissen.

Elisabeth Goscinska verblutet wenig später im Hausflur. Nachbarn, die sich durch den Lärm zunächst nichts denken, finden sie schließlich tot am Boden. Bei der Tat soll Ismat O. DNA an der Toten hinterlassen haben.

Erst 2011 kann die Tatort-DNA Ismat O. zugeordnet werden, nachdem von ihm Genmaterial entnommen wird, weil er seine Ehefrau misshandelt und wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt wird. Ismat O. meint, dass er vielleicht das Brusthaar in der Kneipe verloren habe und sich auf das Opfer übertragen habe. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

 

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