Münchner Unterführung wurde gerade saniert: Anwohner wehrt sich nach neuem Vandalismus
"Könnt ihr lesen?" - mit dieser Frage beginnt ein Brief, den eine oder ein sichtlich wütender Anwohner oder eine Anwohnerin an die Wand der Unterführung Otkerstraße/Tegernseer Landstraße in Giesing geklebt hat. In dieser Unterführung kommt es regelmäßig zu Vandalismus durch Schmierereien und zerstörte Wandplatten, die einen erheblichen Sachschaden verursachen.
Zweimal musste das Baureferat für größere Sanierungsarbeiten binnen weniger Monate ausrücken, um wiederholt aufgetretene Schäden zu reparieren, einmal im Dezember 2025 und dann erneut, nur wenige Monate später, in den Osterferien 2026.
Der Ersatz von zerstörten Wandplatten, die Entfernung von Graffiti, die Verkehrssicherung vor Ort und andere Maßnahmen verursachten jedes Mal Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich, wie das Baureferat der AZ auf Anfrage mitteilte.

Das Traurige daran: Kaum waren die wochenlangen Sanierungsarbeiten abgeschlossen, die kaputten Wandplatten ersetzt und die Schmierereien entfernt, kam es bereits wieder zu neuen Vandalismusschäden. Direkt in der ersten Woche nach Fertigstellung wurde ein neues Graffiti über eine komplette Seite der frisch sanierten Unterführung gesprüht. Seitdem ist dort ein großformatiger "Blue Blood"-Schriftzug zu sehen – wohl eine Reviermarkierung von Fans des örtlichen Fußballvereins TSV 1860– er steht für eine Ultragruppierung der Löwen.

Immer wieder erreichen das Baureferat Beschwerden und Hinweise über Vandalismusschäden in dieser Unterführung, welche dann grundsätzlich bei der Polizei angezeigt werden.
"Das sehr schlimm": Bezirksausschuss-Chefin findet Vandalismus bitter
Die Bezirksausschuss-Chefin von Obergiesing-Fasangarten, Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne), findet den ständigen Vandalismus bitter. Es werde viel gesprüht, weshalb man sich entschieden habe, abwaschbare Platten zu verbauen. Mit den Sprühereien könne man also noch umgehen, "aber wenn Sachen wirklich kaputt gemacht werden, dann ist das sehr schlimm", sagte Dullinger-Oßwald der AZ schon vor Monaten.
Finanziert werden die Sanierungsarbeiten aus Steuergeldern. Und genau dieser Fakt geht der Wutbrief-Quelle wohl mächtig gegen den Strich.

"Warum diese Wand zerstören? Wir zahlen alle dafür!", ist dort in Großbuchstaben zu lesen. Außerdem wird aufgeklärt, dass das Geld, welches die Stadt für die Reparaturen ausgeben muss, dann anderen Bürgerprojekten wie Straßenbau, Schulen und Krankenhäusern fehlen würde.
Der Brief endet mit dem Ratschlag, dass die Personen, die wiederholt die Unterführung beschädigen, mit ihrer Wut lieber in die Muckibude gehen sollten. Ein Tipp, den die Verursacher unbedingt beherzigen sollten. Nicht nur das Baureferat würde sich darüber freuen, wenn die Unterführung Otkerstraße/Tegernseer Landstraße künftig nicht mehr wegen Zerstörung saniert werden müsste. Der Brief war schon nach kurzer Zeit wieder weg, die Sorge vor weiterem Vandalismus in der Giesinger Unterführung bleibt.
Doch Zweifel bleiben leider.
