Münchner Start-up Roadsurfer: Zu fünft im Vorwärtsgang

Das Münchner Start-up Roadsurfer verleiht und verkauft Camper-Vans. Nach nur drei Jahren ist die Firma Marktführer – und stellt sich auf der Messe Bits & Pretzels vor.
| Michael Schilling
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Die fünf Firmengründer mit einem ihrer Roadsurfer (hinten): Markus Dickhardt, Christoph Niemann, (vorn von links) Stephie Niemann, Jean-Marie Klein, Susanne Dickhardt.
ho Die fünf Firmengründer mit einem ihrer Roadsurfer (hinten): Markus Dickhardt, Christoph Niemann, (vorn von links) Stephie Niemann, Jean-Marie Klein, Susanne Dickhardt.

München - Die besten Ideen sind manchmal jene, die aus eigenem Bedarf heraus entstehen. Als der Mensch Ackerbau treiben wollte, hat er den Pflug erfunden. Als es strapazierfähige Arbeitshosen brauchte, wurde die Jeans geboren. Und als drei junge Familien vor drei Jahren einen Verleih für Camper-Vans suchten, gründeten sie mangels guter Alternativen selber einen.

Roadsurfer heißt das Münchner Start-up. Am Sonntag um 17 Uhr darf es sich auf der Gründermesse Bits & Pretzels im ICM an der Messe in Riem als "Bavarian Champion" auf der Bühne präsentieren und sich auch ein wenig feiern lassen, Joko Winterscheidt moderiert das Panel. Für junge Gründer ist das wie ein Ritterschlag. Die AZ erzählt die Historie der Schwabinger Durchstarter.

Die Vorgeschichte

Fünf langjährige Freunde, zwei Frauen und drei Männer Mitte 30, möchten 2016 mit ihren Familien gemeinsam Sommerurlaub in Südfrankreich machen, aber ungern im Zelt. Einer hat einen VW-Bus, die anderen nicht. Die Münchnerin Susanne Dickhardt ist eine von ihnen. Sie erzählt: "Statt eines sperrigen, etwas uncoolen Wohnmobils wollten wir lieber auch einen Van. Wir haben versucht, einen zu mieten. Aber selbst in München gab’s kaum ein Angebot. Das einzige war eher hemdsärmelig und kaum ‚state of the art‘. Da haben wir schon gesehen, es gibt Bedarf für eine deutschlandweite – wenn nicht europaweite – Camper-Van-Vermietung."

Die Idee

Im Urlaub diskutieren die Camper-Freunde abends beim Wein über ihre Busse und die Frage: Geht das nicht besser? "Wir schwärmten von alten, bunt bemalten Campern, wie man sie in Australien sieht", sagt Susanne Dickhardt. Anfällige Hippie-Klapperkisten seien aber nichts für die breite Masse.

Dickhardt: "Vor allem deutsche Urlauber haben den Wunsch nach Komfort und Sicherheit. So kam uns die Idee, neue Camper anzuschaffen, sie bunt zu machen, farbenfroh zu folieren. Fröhlich, lebendig." Zur Firmenlegende gehört das Detail, dass der Name Roadsurfer auf dem Heimweg, auf der Straße entlang des Atlantiks, spontan in ihrer Whatsapp-Gruppe gefallen und allseits für gut befunden worden ist.

Die Gründung

Nach der Heimkehr machen die Freunde ernst mit ihrem Vorhaben, jeder nach seinen Fähigkeiten. "Finanzen und Buchhaltung, Marketing und PR, Sales, Standort-Aufbau, Media-Design – aus jedem Bereich war jemand dabei", sagt Susanne Dickhardt.
Das Quintett gründet im November 2016 eine GmbH. Ganz ohne Investoren. Mit Bankenkapital bestellen die Roadsurfer ihre ersten 25 Busse bei Volkswagen: VW T6 California – der Camper-Bulli also. Neupreis nach Liste: rund 60.000 Euro. Viel Geld. Aber mit so einem Bulli mit Aufstelldach, sagt Dickhardt, verbinde man eben "ein Lifestyle-Feeling".

Für ihre Busse wählen die Roadsurfer eigene Farben und Aufkleber im putzig-naiven Design, das ein Spezl entworfen hat. Die Verleih-Zentrale entsteht in München, weitere Standorte zum Start: Frankfurt und Hamburg. Fürs Booking kommt im April 2017 die erste Angestellte hinzu.

Die Zielgruppe

Das Start-up hat, wie Dickhardt sagt, urbane Familien im Blick, Eltern zwischen 28 und 45, die individueller reisen wollen als ins Kinderhotel, mit dem Fernreise-Flieger oder mit dem ausladenden Wohnmobil, das in südlichen Städtchen nicht durch die Gassen passt und am Campingplatz dann fernab vom Gewässer an der Steckdose hängt. Quasi: Leute wie die Roadsurfer selbst. Für Sparfüchse sind die Busmieten zwischen 75 und 120 Euro pro Tag nicht ausgelegt. Anders als bei vielen anderen Autovermietungen dürfen hier auch schon 18-Jährige ein Fahrzeug leihen.

Das 2. Standbein

Roadsurfer verleiht die Camper-Vans nicht nur, sondern verkauft sie auch, oft nach der ersten Verleih-Saison. Viele Kunden testen erstmal, ehe sie für einen Gebrauchten um die 50.000 Euro ausgeben.

Die Entwicklung

"Wir können von Tag eins an behaupten, dass wir profitabel sind", sagt Gründerin Susanne Dickhardt. Ihre vorherigen Jobs haben die Gründer inzwischen aufgegeben: "Wir können also davon leben." Aus drei Standorten in Deutschland werden 2018 neun, in diesem Jahr sind jeweils zwei in Deutschland und in Frankreich dazugekommen. Aktuell beschäftigen die Roadsurfer 37 Festangestellte. Die Übergaben und Reinigung der Busse regeln 450-Euro-Kräfte. Inzwischen gehören neben den VWs auch Marco-Polo-Vans von Mercedes zur Flotte.

Die Zukunft

"Das Finanzierungsvolumen für die kommende Saison liegt im mittleren achtstelligen Bereich", sagt Susanne Dickhardt, "eine ziemliche Hausnummer" fürs dritte Geschäftsjahr sei das: "Der Umsatz ist auch achtstellig." Demnächst bieten die Roadsurfer mehr als 1000 Camper-Vans an und sind Marktführer. 2020 schaffen sie Fahrzeuge mit Nasszelle an, "weil das oft nachgefragt wird" und VW und Mercedes das in ihren Vans nicht bieten. Dann wird die Firma weitere Kleinst-Wohnmobile anbieten, allerdings in ihrer kleinsten Form – wie etwa Westfalia Columbus oder Ford Nugget.

Wie die Geschichte weitergeht und in welchem Tempo? Davon können die Roadsurfer am Wochenende den anderen Gründern bei der Bits & Pretzels erzählen.


Lesen Sie hier: Mercedes EQV - Spannender Großraum-Van kommt 2020

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