Münchner Professorin: Im Homeoffice vermisse ich meine Studierenden

Anja Tuschke ist eine 52-jährige Professorin, die Betriebswirtschaft an der LMU lehrt. Hier erzählt sie von ihrem Alltag in der Corona-Krise.
| Nina Job
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Anja Tuschke stellt ihre Vorlesungen jetzt ins Netz, anstatt sie in den LMU-Gebäuden zu halten.
von Loeper Anja Tuschke stellt ihre Vorlesungen jetzt ins Netz, anstatt sie in den LMU-Gebäuden zu halten.

München - Mein Tag im Homeoffice beginnt um 8 Uhr. Ich verbringe den ganzen Tag am Laptop und am Telefon. Wir stellen momentan die gesamte Lehre auf Digital um. Die Ausgangsbeschränkungen gelten ja zunächst bis 19. April, aber derzeit kann niemand abschätzen, wie es danach weitergeht.

Am 20. April beginnt das neue Semester, an diesem Tag hätte ich meine erste Vorlesung über Strategien der Unternehmensführung gehalten. Stattdessen werde ich nun bereits eine Woche vorher im leeren Hörsaal im Audimax stehen und unsere LMU-Cast-Gruppe wird meinen Vortrag aufnehmen und mich dabei filmen. Die Vorlesung wird dann ins Netz gestellt.

Digitale Vorlesungen für Studierende eine Herausforderung

Meine Vorlesungen waren immer sehr interaktiv. Zu Beginn diskutiere ich gerne einen aktuellen Fall aus der Wirtschaft, der morgens in der Zeitung stand und am Ende hatten die Studierenden die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Das fällt nun weg. Deswegen bereiten wir nun auch Frage- und Antwort-Stunden vor, in die sich bis zu 300 Teilnehmer einklicken und digital die Hand heben können. Ich beantworte dann live ihre Fragen.

An den Unis war auch vorher schon sehr viel digital. Mit Professoren anderer Universitäten tauschen wir uns schon lange so aus. Und die Studierenden kennen sich sowieso bestens aus. Viele wünschen sich eine stärkere Online-Lehre, weil sie sich so ihre Zeit selbst einteilen können. Aber es ist auch eine Herausforderung für sie, von Anfang an dabei zu bleiben und zuhause genauso strukturiert zu arbeiten, als würden sie in die Uni gehen.

Ich werde es vermissen, sie zu sehen. Man bekommt nun weniger mit von ihnen. Bisher konnte ich immer schon an ihren Gesichtern ablesen, ob sie alles verstanden haben oder ob sie ein Thema besonders interessiert. Das fällt nun weg. Wir bemühen uns außerdem alle sehr, dass sich die Studierenden nicht sozial isoliert fühlen.

Auch Forschung muss in vorlesungsfreier Zeit weitergehen

Mein Team vermisse ich auch. Wir sind vier Doktoranden, zwei Postdoktoranden (sie haben ihren Doktor gemacht, sind aber noch an der Uni, d. Red.) und ich. Wir haben uns bislang immer persönlich im Rückgebäude an der Ludwigstraße 28 getroffen und uns besprochen – am liebsten mittags. Jeder hat sich was zum Essen mitgebracht. Jetzt treffen wir uns morgens zu einem digitalen Coffee-Chat und besprechen, was an Arbeit ansteht.

Bei den ganzen Herausforderungen darf jetzt in der vorlesungsfreien Zeit auch die Forschung nicht zu kurz kommen. Unsere Themen sind gute Unternehmensführung, der Einfluss von Digitalisierung auf Geschäftsmodelle und der Umgang mit Wettbewerb.

Wer sich freut, dass ich nun immer zu Hause arbeite, sind meine beiden Katzen. Mein Kater Cookie legt sich oft neben meinen Laptop auf den Schreibtisch, Ciara liegt neben mir.

Lesen Sie hier: Corona-Isolation - mit diesen Tipps halten Sie durch

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren