Münchner Polizei jagt Rezeptfälscher-Banden: Die Lösung wäre ganz einfach

Seit zwei Jahren schon haben die Ermittler der Münchner Polizei mit diesem Problem zu kämpfen: mit durch gefälschte Papier-Rezepte erschlichene teure Medikamente. Über 70 Täter hat die Polizei in München schon festgenommen oder eindeutig identifiziert, international wurden schon 650 Täter identifiziert.
Vor allem in Deutschland, Frankreich und Belgien sollen sie aktiv sein. In Deutschland beläuft sich die Schadenssumme für die Jahre 2024/2025 laut dem Bundeskriminalamt auf rund 10,5 Millionen Euro. "Und die Serie geht munter weiter", sagt Christian Kruse vom zuständigen Kommissariat 84.
Gefälschte Papier-Kassenrezepten in Apotheken: Abnehmspritze und Krebsmedikamente beliebt
Anfangs waren es vor allem Diabetesmedikamente oder die Abnehmspritze Ozempic, die die Kriminellen mit professionell gefälschten Papier-Kassenrezepten in Apotheken besorgt haben, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.

Mittlerweile sind es laut der Münchner Polizei vor allem hochpreisige Krebsmedikamente oder solche für andere spezielle Krankheiten. Immer öfter taucht auch das Medikament Livmarli auf, das gegen eine seltene Krankheit eingesetzt wird, die starken Juckreiz hervorruft. Eine Packung mit 30 Tabletten hat einen Listenpreis von 28.700 Euro. Die Medikamente werden per Telefon in einer Apotheke vorbestellt, dann kommen die Abholer mit den gefälschten Rezepten.

Vor einem knappen Monat war das wieder so. Mehrere Apotheken haben am Montag, 6. Juli, solche Anrufe bekommen, wurden misstrauisch und haben die Polizei verständigt. Am Freitag derselben Woche hat die Polizei dann zwei Tatverdächtige festnehmen können. Es waren zwei Geflüchtete aus der Ukraine (18 und 19 Jahre alt), die für die Abholung über Hintermänner angeworben wurden.
Bestelllisten aus Russland
Damit hat die Polizei auch neue Erkenntnisse, wie diese Banden organisiert sind. Man habe "beweiskräftige Belege", dass aus Russland Bestelllisten bei Hintermännern eintreffen. Anhand dieser Listen werden dann gefälschte Rezepte erstellt und "in ganz Deutschland auf die Reise geschickt, um diese russischen Bestelllisten abzuarbeiten", so Kruse.

Auch auf die zunehmende Skepsis der Apotheker haben sie reagiert: Mithilfe von Künstlicher Intelligenz fälschen sie Versichertenkarten, die die Abholer dann in der Apotheke auf dem Handy vorzeigen.
Immerhin: In München gebe es mittlerweile ein gutes System und einen Austausch zwischen Apotheken, Pharmaproduzenten und der Polizei.
Möglich sind diese Diebstähle außerdem nur, weil die Papier-Rezepte so fälschungsanfällig sind. Mit E-Rezepten "wäre diese Serie auf einen Schlag beendet", sagt Kruse.