Münchner Kult-Wirt: So nimmt Sepp Krätz die Gen Z auf die Schippe

"Von etwa 9 Uhr bis 17 Uhr am Schreibtisch sitzen? Nicht mit mir!" Die Generation Z stellt in den Sozialen Medien mit Blick auf den Berufstätigen von heute immer wieder die Sinnfrage, inzwischen drehen die Arbeitgeber den Spieß um. Auch Frühlingsfest-Wirt Sepp Krätz ist da mit einem Augenzwinkern am Start.
Wirt Sepp Krätz und Bedienung Nadja: So nehmen sie die Gen Z aufs Korn
Gemeinsam mit seiner Bedienung Nadja nimmt er die Anspruchshaltung der Gen Z in einem Instagram-Reel auf die Schippe. Die junge Frau sitzt mit der Kaffeetasse in der linken und mit dem Handy in der rechten Hand im Hippodrom auf einer Bierbank, ihr Chef kommt dazu und fordert seine Servicekraft auf: "Nadja, bedienst du die Herrschaften bitte?" Noch ehe Nadja aufgestanden ist, winkt Krätz sofort ab: "Nein, nein, ich mache es selber. Alles gut! Bleib' sitzen!"
Der ehemalige Wiesnwirt begegnet damit der Anspruchshaltung der Gen Z mit beißender Ironie. Der Eintrag von Bedienung in den Kommentaren zum Beitrag zeigt dann auch, dass der Betrachter das Ganze nicht bierernst nehmen sollte: "Wollte doch nur meinen Kaffee trinken und Insta checken", schreibt sie da.
Da prallen eben Welten aufeinander: Die Gen Z scheint auf den gängigen Arbeitsalltag offensichtlich überhaupt keine Lust zu haben und kommuniziert das mitunter auch offen: Die Generation der ersten echten "Digital Natives" steht für Work-Life-Balance, den Drang nach Freizeit und einem erfüllten Leben. Neben guter Bezahlung sind ihren Vertretern (zwischen etwa 1995 und 2010 Geborene) flache Hierarchien und eine offene Kommunikation wichtig.
Chefs weisen so zugleich auf den Mangel an Arbeitskräften hin
Viele Arbeitgeber reagieren darauf jetzt mit viel Humor. Das dazu passende Videokonzept ist nicht neu und tauchte schon des Öfteren in den Sozialen Medien auf. Sie machen sich nicht nur über die Gen Z und ihren ständigen Fokus auf Internet, Smartphones und Social Media lustig, sondern weisen zugleich auf den Mangel an Arbeitskräften hin – weshalb die Chefs ihrem verbliebenen Personal quasi alles hinterhertragen.
Apropos tragen. "Nadja, nur eine Maß?", fragt Sepp Krätz seine Bedienung, die eben nur einen Bierkrug zum Tisch trägt. "Ja, na, na, wart'! Ich bring' die anderen zwölf selber. Geh' zu!", nimmt er Nadja auch hier die Arbeit ab.
Julian Kamps: "Das kann es doch nicht sein. Das ist doch Quatsch"
Und auch bevor ihm die Servicekraft auch nur ansatzweise auf seine Bitte reagieren kann, ihm beim Transport einer offensichtlich sehr schweren und schwer zu packenden Riesenschüssel mit einer Magnumflasche Schampus zu helfen, winkt er erneut ab: "Nein, nein, nein, ich schaff' das schon! Ich mach' das schon. Ist schon gut."
Auf was genau spielt Sepp Krätz da eigentlich an? Er könnte zum Beispiel Influencer und "Germany’s Next Topmodel"-Teilnehmer Julian Kamps im Kopf und vor Augen gehabt haben. Der 24-Jährige filmte sich, wie er mit einer Papiertüte in der Hand die letzten Meter zu Fuß nach Hause läuft. Seine Botschaft: "Leute, ich arbeite ja seit drei Wochen. (...) Wir haben jetzt 18.41 Uhr, ich habe das Haus um 7.30 Uhr verlassen. Ich bin jetzt gerade kurz vor meiner Haustür: Ihr wollt mir doch nicht sagen, dass das das Leben ist?" Und: "Das kann es doch nicht sein. Das ist doch Quatsch."
Kamps berichtete, dass sein Video nach etwa fünf Tagen mehr als vier Millionen Aufrufe hatte. Auf Instagram haben demnach 180.000 Nutzer den Clip mit einem Herzchen versehen. Anschließend war er dann sogar im Sat.1-Frühstücksfernsehen zu Gast.
"Ich glaube, ich spreche für alle aus meiner Generation, wenn ich sage, dass wir Lust haben zu arbeiten. Wir wollen arbeiten", stellte Kamps später in einem weiteren Video klar. Er glaube nicht, dass ein Mensch gerne zehn Stunden am Schreibtisch sitze: "Ich spreche halt das aus, was jeder denkt."