Münchner können Testfahrt machen: Autonomer Bus der MVG startet

Ein Bus, der ohne Fahrer in einer Stadt umherfährt – vor ein paar Jahren klang das noch nach Science-Fiction. Doch in München ist das Realität. Zumindest fast.
Die MVG, MAN und das Mobilitätsreferat haben am Dienstag Presseleute zu einer Probefahrt in Münchens ersten autonomfahrenden Bus eingeladen, und zwar nicht auf einer abgesperrten Teststrecke, sondern mitten im Straßenverkehr im Norden der Stadt. Beim Kieferngarten, dort, wo die Linie 178 fährt.
So viel vorweg: Ganz ohne Personal kommt der autonomfahrende Bus (noch) nicht aus. Im Gegenteil: Statt einem Fahrer sitzen jetzt sogar noch zwei Mitarbeiter im Bus: ein Fahrer, Marc Raudszus, und einer, der die Technik überwacht: Ali Tahtakiran. Er sitzt rechts neben der Fahrerkabine hinter einem Bildschirm und hat das System im Blick.

Der Busfahrer hält seine Hände wenige Zentimeter über dem Lenkrad. Wer genau hinschaut, sieht, dass es sich von alleine dreht. Marc Raudszus ist nur dazu da, um einzugreifen, falls doch etwas nicht klappt. Und auch an manchen Kreuzungen muss er noch selbst fahren.
Doch hinten im Bus merkt man kaum, wann er das Steuer übernommen hat. Alles fühlt sich so an wie eine ganz normale Busfahrt – mit sehr, sehr vielen Kameraleuten und Journalisten.
Und wann klappt es ganz ohne Fahrer?
Wann es so weit ist, dass der Bus wirklich alleine fahren kann? Das sei sehr schwer zu sagen, sagt Sinaida Cordes von der MVG. "Es ist wie bei einem Kind, das Laufen lernt. Irgendwann kann es das einfach." Aber vorher wisse man eben nicht genau, wie lange es dauert.
Frederik Zohm von MAN hat sich konkretere Ziele gesteckt. Sein Ziel: In einem Jahr soll es keine Situationen mehr geben, in denen der Fahrer übernehmen muss. Heute ist das nicht nur an komplexen Kreuzungen der Fall, sondern auch bei Unwetter. In drei Jahren, sagt er, solle es ganz ohne Fahrer gehen. Dann soll es nur noch sogenannte Operatoren brauchen, die in der MVG-Zentrale hinter Bildschirmen sitzen und dort alles im Blick haben. Ehrgeizig – das weiß auch Zohm: "Aber wenn man nie zum Mond gestartet wäre, wäre man auch nie dort angekommen."

Mobilitätsreferent Georg Dunkel (parteilos) will sich auf keine Jahreszahlen festlegen. "Wir lernen Schritt für Schritt." Aber auch er geht davon aus, dass die Stadt eines Tages viel Geld sparen kann, wenn Busse autonom im Stadtgebiet umherfahren. Denn momentan muss die Stadt Buslinien ausdünnen und streichen - auch weil der Betrieb und die Personalkosten so teuer sind.

Doch was wird dann aus den ganzen Fahrern? Sinaida Cordes von der MVG meint, dass freilich nicht von heute auf morgen eine Kündigungswelle losgehe. Es solle über Fluktuation laufen, also wenn Fahrer in Rente gehen oder ohnehin kündigen. Außerdem würden sich neue zusätzliche Aufgaben ergeben: in der Überwachung der Systeme oder auch in den Werkstätten bei der Wartung der Fahrzeuge.
Jetzt erst einmal ist das Ganze ein Versuch. Die Bundesregierung hat dafür 13 Millionen an Fördergeldern beigesteuert, die Stadt noch einmal eine Million. Schon in den vergangenen Wochen haben die MVG und MAN die Strecke vorbereitet.
"Ich habe mittlerweile viel Vertrauen in das Fahrzeug"
Für Fahrer Marc Raudszus fühlt es sich deshalb gar nicht mehr so ungewohnt an: "Ich habe mittlerweile viel Vertrauen in das Fahrzeug." Seit 1. Oktober sei er schon mit dem Bus unterwegs – aber bisher ohne Fahrgäste. Wie oft er einschreiten musste? Bei der Frage zögert Raudszus ein wenig: "Es kommt darauf an, wie komplex der Straßenverkehr ist."

Auch Ali Tahtakiran, der hinter seinem Bildschirm eigentlich ganz genau angezeigt bekommt, wann der Fahrer übernehmen muss, will sich nicht festlegen. "An manchen Tagen zehnmal, an anderen 30 Mal. Aber es gibt noch keine richtigen Zahlen", meint er. Denn noch sei das Ganze ein Test, bei dem noch etwas gelernt werden solle.
Bei dieser Testfahrt jedenfalls, die etwa eine halbe Stunde dauert, musste Raudszus kein einziges Mal selbst eingreifen. Das erzählt er der AZ hinterher. Einmal bremste der Bus etwas ruckartig. Das wolle man sich noch mal anschauen.
Hier kann man sich für eine Testfahrt anmelden
Haben Sie nun auch Lust auf eine Testfahrt bekommen? Interessierte können sich auf mvg.de/minga-anmeldung dafür registrieren. 2000 Menschen haben sich laut Mobilitätsreferent Dunkel bereits angemeldet.