Münchner Kirchen: Gottesdienst unter Corona-Auflagen

Wie Münchner Gemeinden unter strengen Corona-Auflagen ihren neuen Alltag suchen.
| Marie Heßlinger
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Pfarrer Markus Rhinow feiert seine Gottesdienste in der Nazarethkirche jetzt ohne Gesang, dafür wird gesummt.
Daniel von Loeper Pfarrer Markus Rhinow feiert seine Gottesdienste in der Nazarethkirche jetzt ohne Gesang, dafür wird gesummt.

München - "Kein Weihwasser, dafür Infektionsspender", sagt Pfarrer Rainer Maria Schießler und lacht. In der Maximilianskirche an der Isar und der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt stehen, auch, weil die Böden saniert wurden, nun Stühle statt Bänke – und die auf Abstand.

Kommunion mit Mundschutz und Einmalhandschuhen

Während sich an einem gewöhnlichen Sonntag um die 700 Katholiken in der Maximilianskirche einfanden, sollen nun nur rund 150 Gläubige pro Gottesdienst eingelassen werden. Dafür aber findet die Messe in der Maximilianskirche an jedem Wochentag um 18 Uhr statt. "Die formelle Sonntagspflicht ist außer Kraft gesetzt", sagt Schießler, "Ich gehe einmal in der Woche in die Kirche, ob das am Sonntag oder Mittwoch ist – egal!" An den Wochenenden finden in der Maximilianskirche zudem sogar vier Messen statt, in der Heilig-Geist-Kirche drei.

Bei der Kommunion tragen die Pastoren der zwei Kirchen fortan Mundschutz und Einmalhandschuhe. Die Hostien sind abgedeckt. In der evangelischen Lukaskirche weiter nördlich an der Isar wird es an diesem Sonntag hingegen noch kein Abendmahl geben. Der Vorstand wolle sich zunächst eine gezielte Lösung überlegen, sagt Pfarrer Helmut Gottschling.

Gottesdienst: Summen statt Gesang

Eigentlich ist die Abendmahlfeier in seiner Kirche besonders wichtig: Jeden Sonntag fand sie statt, für eine evangelische Kirche ungewöhnlich. Gottschling indes bereitet am meisten Sorge, "dass man sich auch fallen lassen kann im geistlichen Sinne". Es werde eine Weile dauern, bis alle sich an die Vorkehrungen gewöhnten. Das Singen werde ihm am meisten fehlen. "Aber Summen als humoristisches Moment ist in diesen ernsten Zeiten bestimmt auch nicht schlecht." Am 10. Mai ist Sonntag Kantate, eigentlich ein Gesangs-Gottesdienst.

In der evangelischen Nazarethkirche in Bogenhausen wird deshalb am Sonntag die Jazzband Jisr spielen. "Erste Sahne", lobt Pfarrer Markus Rhinow die Band. Nur der Trompeter darf nicht kommen, "weil Blasinstrumente verboten sind". "Musik ist essenziell", sagt der Rhinow, deshalb setzt er auf die Melodien von Taizéliedern. Summen, sagt er, habe zudem "ja fast etwas Therapeutisches". Unangenehm ist ihm die Maskenpflicht. Und "mit Zange die Hostie greifen – ich glaube, da ist die Freude im Keller". Da das Abendmahl ein Fest der Befreiung sei, verzichtet seine Gemeinde bis September darauf.

Die Mariahilfkirche in der Au setzt, um die komplizierte Prozedur unter der Woche zu umgehen, auf eine 30-minütige Marienandacht: Von Donnerstag an soll sie täglich um 19 Uhr beginnen. Die Gemeinde hat dazu extra ihre alte Madonnenstatue in die Kirche getragen.

Türsteher und Taufe ohne Berührung

In Schwabing werden sich Gläubige vorab telefonisch zum Gottesdienst anmelden müssen, damit sich vor St. Ursula und St. Sylvester keine Menschenmengen bilden. Damit werde ein altes kirchliches Amt wiederbelebt: das des Türstehers, sagt Dekan David Theil. Die Coronakrise "wird uns noch Jahre beschäftigen. Sie wird uns sicher als Gesellschaft und als Kirche verändern."

Sorge bereitet dem Priester vor allem, dass Kinder nun lernten, sich vor Fremden zunächst zu fürchten. Von nun an sei bereits die Taufe anders: "Die Vorstellung, ein Kind mit Mundschutz zu taufen, dass ich es nicht berühre, das ist eine große Herausforderung." Die Botschaft des Evangeliums aber sei: "Traue dem Leben!", sagt Theil, "Fürchte dich nicht."

So feierten am Montagabend auch um die 70 Christen in der Frauenkirche München einen echten Gottesdienst. "Es wurde auch gesungen", sagt Domdekan Lorenz Wolf. Und zwar: "Laut, natürlich!" Nur nicht so viel.

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