Münchner Johanniter helfen Sturmopfern auf Mosambik

Kurz nach "Idai" trifft noch ein Wirbelsturm auf Mosambik. Die Lage dort ist katastrophal, schildern Helfer der Johanniter in der AZ.
| Ralph Hub
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Wenige Wochen nach dem Zyklon "Idai" ist in der Nacht zum Freitag der zweite Wirbelsturm "Kenneth" auf Mosambik getroffen. Arzt Adrian Roth (l.) war vor Ort, um zu helfen.
Johanniter Wenige Wochen nach dem Zyklon "Idai" ist in der Nacht zum Freitag der zweite Wirbelsturm "Kenneth" auf Mosambik getroffen. Arzt Adrian Roth (l.) war vor Ort, um zu helfen.

Pemba/Mosambik - Nach den gigantischen Überschwemmungen in Mosambik bedroht jetzt der Hunger die Menschen. Innerhalb von einem Monat haben zwei Zyklone gewütet, "Idai" vor einem Monat, "Kenneth" am Wochenende. Helfer warnen nun vor einer weiteren Katastrophe in einem der ärmsten Länder der Erde. "Vier von fünf Häusern, die wir gesehen haben, sind zerstört", sagt Adrian Roth. Der Allgemeinmediziner aus Mittenwald war als freiwilliger Helfer zwei Wochen in Ostafrika. Not und Elend hat der 49-Jährige schon viel gesehen. Er half 2010 nach der Erdbebenkatastrophe auf Haiti, 2015 war er als Helfer nach einem schweren Beben in Nepal.

In Mosambik sind ganze Landstriche verwüstet, Folge des Tropensturms. "Idai" war in der Nacht zum 15. März in der Nähe der Großstadt Beira auf die Küste Mosambiks getroffen. Starke Windböen, Sturmfluten und sintflutartiger Regen haben Überschwemmungen ausgelöst und eine Schneise der Verwüstung durch Mosambik bis ins Nachbarland Simbabwe gezogen. Allein in Mosambik wurden rund 240.000 Häuser teils zerstört. Über Tage hinweg stand das Wasser bis zu drei Meter hoch. Rund 1.000 Menschen kamen ums Leben. Etwa 1,8 Millionen Menschen benötigen laut UN-Angaben humanitäre Hilfe. Knapp 60.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren.

Wirbelsturm auf Mosambik: 17.000 ohne medizinische Versorgung

In der Ortschaft Grudja westlich von Beira helfen die Johanniter. Nach dem Zyklon waren dort rund 17.000 Menschen von medizinischer Versorgung abgeschnitten. Zehntausende Menschen sind noch immer auf der Flucht vor den Wassermassen. Die Pegel sinken nur langsam. Oft konnten die Opfer nicht mehr retten als ihr Leben und die Kleider, die sie trugen.

"Die häufigsten Krankheitsbilder sind Atemwegserkrankungen, Malaria und Magen-Darm-Infekte", berichtet Roth. Er und die anderen Helfer hatten sich in einem "Gesundheitszentrum" eingerichtet. Ein Haus, selbst von der Flut schwer gezeichnet, zwei Zimmer, 15 bis 20 Quadratmeter. "Alles war verwüstet. Wir mussten erst aufräumen", erzählt der Helfer. Vor dem Gesundheitszentrum drängten sich die Menschen. Bis zu 100 Patienten haben der Arzt und seine Kollegen täglich behandelt. Darunter viele Frauen mit kleinen Kindern.

"Auf dem Land wurden die Stroh- und Lehmhütten von den Wassermassen einfach weggespült", berichtet Juliane Flurschütz von den Johannitern. "Selbst in den Städten, in denen es Steinhäuser mit Wellblechdächern gibt, sind die Schäden enorm". Es könnte in Ostafrika noch schlimmer kommen. Infolge der Zyklone breitet sich die Cholera aus, bislang gibt es rund 5.000 Fälle. Der Grund: Es gibt riesige überschwemmte Flächen, aber kaum sauberes Trinkwasser.

Tausende Cholera-Fälle auf Mosambik

Um die Ausbreitung ansteckender Durchfallkrankheiten zu verhindern, wurden rund 800.000 Menschen gegen Cholera geimpft. Probleme bereitet zudem Malaria. Helfer verteilen Hunderttausende imprägnierte Moskitonetze, um einen Anstieg der Fälle zu bremsen. Es wurden bereits mehr als 7.500 Patienten gemeldet, erklärte ein Unicef-Sprecher.

Mosambik zählt zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. "Oft kann man nicht unterscheiden zwischen dem Elend, das der Zyklon verursacht hat, und der ganz alltäglichen Armut im Land", sagt Flurschütz.

Ohne Hilfe aus dem Ausland droht dem Land eine Hungersnot. Landesweit wurde die Ernte auf mehr als 700.000 Hektar durch die Wassermassen zerstört. Das entspricht etwa der dreifachen Fläche des Saarlands. Etwa eine halbe Million Kleinbauern und deren Familien haben ihre Lebensgrundlage weitgehend verloren. Die Welthungerhilfe warnt angesichts der angespannten Ernährungslage bereits vor einer "Katastrophe nach der Katastrophe".

Roth: "Die Hilfe geht weiter"

Die Johanniter und lokale Organisationen haben mit der Verteilung von Saatgut und Werkzeug begonnen. 500 Familien sollen unterstützt werden, wieder schnell eigene Nahrungsmittel anbauen zu können. In Beira werden Hilfsgüter verteilt. Familien erhalten Zeltplanen, Decken, Nägel und Seile, um Häuser reparieren zu können, oder sich zumindest einen Schutz gegen den Regen bauen zu können.

2,5 Tonnen medizinische Hilfsgüter sind eingetroffen. Damit ist die Versorgung von 10.000 Patienten über drei Monate gesichert. Roth: "Der Abschied fiel uns schwer, aber die Hilfe geht weiter."

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