Münchner Heime im Test

Das KVR veröffentlicht jetzt nach und nach alle Prüfberichte im Internet. Die AZ hat einen ersten Blick in die Ergebnisse geworfen.  
| Willi Bock
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Eine Pflegerin hilft einem Altenheimbewohner beim Aufstehen.
Eine Pflegerin hilft einem Altenheimbewohner beim Aufstehen.

Das KVR veröffentlicht jetzt nach und nach alle Prüfberichte im Internet. Die AZ hat einen ersten Blick in die Ergebnisse geworfen.

München -  Welches Altersheim kann man wählen, welcher Behinderteneinrichtung seine Angehörigen anvertrauen? Da immer wieder Missstände bekannt werden, ist das eine sehr schwierige Frage. Sie wird jetzt leichter zu beantworten sein: Denn seit dem 1. Oktober müssen Prüfberichte über Alten- und Behinderteneinrichtungen im Internet veröffentlicht werden. Die ersten kann man jetzt auf der Homepage des Kreisverwaltungsreferats nachlesen.

Die städtischen „München Stift“-Heime waren Vorreiter: Seit langem veröffentlichen sie ihre Prüfberichte. „Das neue Angebot ist ein gewaltiger Fortschritt für den Verbraucherschutz“, sagt KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle. Auf sein Drängen hat das Bayerische Sozialministerium die Veröffentlichung der Berichte zur Pflicht gemacht.

Dabei werden nicht nur die aktuellen Berichte ins Internet gestellt, sondern künftig alle Berichte aus den vergangenen drei Jahren. Da erst im Juni mit den neuen Prüfungen begonnen wurde, kommt am Anfang von jedem erst ein Bericht ins Netz. Veröffentlicht werden auch Gegendarstellungen von Einrichtungen.

Bis zum Jahresende sollen alle 57 Altenheime und alle 55<TH>Behinderteneinrichtungen geprüft sein. Im Internet stehen aktuell acht Berichte zur Altenhilfe und fünf über Behinderteneinrichtungen.
Dabei werden keine Noten vergeben, wie es kürzlich der Medizinische Dienst der Kassen gemacht hat (AZ berichtete). Sein schwer durchschaubares Benotungsschema würde „die Verbraucher in die Irre führen“, kritisiert Blume-Beyerle. Jetzt muss man genau die bis zu acht Seiten langen Berichte lesen. Darin gibt es positive und negative Anmerkungen nebeneinander.

Anders als beim Medizinischen Dienst der Kassen ist der Besuch der Heimaufsicht nicht kalkulierbar: Weil sie nicht nach einem festgelegten Fragenkatalog vorgeht.

In jedem Bericht wird erst die Einrichtung beschrieben. Dann geht es darum, ob unter dem Stichwort „Qualitätsentwicklung“ Verbesserungen oder Verschlechterungen festgestellt wurden. Dann werden die Vorteile und Mängel aufgelistet. Da muss man schon aufmerksam lesen. Das liest sich beispielsweise so:

Behinderteneinrichtung Caritas Humboldstraße: „In der Einrichtung wurde wie schon bei den letzten Überprüfungen eine lebhafte, offene, familiäre Atmosphäre vorgefunden. Der beobachtete Kontakt zwischen den Bewohnern und Mitarbeitern war auch dieses Mal sehr freundlich und wertschätzend.“ Die „Bewohnerzufriedenheit und Lebensqualität in der Einrichtung wird als sehr hoch bewertet“.Zum Personal: „Die Berechnung für den Prüfungstag ergab, dass die gesetzlich festgeschriebene Quote von mindestens 50 Prozent .. mit 39,70 Prozent nicht erfüllt war.“
Der Einrichtungsleiter entgegnete: Es sei schwer, geeignetes Personal zu finden.

Pfennigparade Stationäre Wohngruppe Knorrstraße: „Die bei den zurückliegenden Prüfungen angeregten Verbesserungspotentiale im Bereich Medikamentenmanagement wurden von der stationären Wohngruppe konsequent umgesetzt. Hervorzuheben war bei den letzten Begehungen die positive Atmosphäre zwischen dem Betreuungspersonal und den dort lebenden Menschen mit Behinderung. Das professionelle pflegerische und pädagogische Handeln sowie das starke persönliche Engagement der Mitarbeiter ist anerkennenswert.“

Seniorenheim Westkreuz: Dieses Heim war in der Vergangenheit oft in die Kritik geraten. Dazu liest man: „Die Einrichtung konnte die angewandten freiheitsentziehenden Maßnahmen seit der letzten Prüfung im November 2010 deutlich reduzieren.“Oder: „Innerhalb der letzten 15 Monate fand eine deutliche Qualitätssteigerung in der geleisteten Pflege statt. Im Gegensatz zu früheren Prüfungen war bei den Pflegebedürftigen eine angemessene Ergebnisqualität im Bereich der pflegerischen Versorgung festzustellen.“

KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle sagt: „Bei den vielen Informationen bleibt es trotzdem nicht aus, sich das Heim selbst anzusehen.“ Einen Anhaltspunkt können die Berichte trotzdem geben. Die mühsame Internet-Adresse: muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kreisverwaltungsreferat/Heimaufsicht.html“.

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