Interview

Münchner Hausarzt Dr. Ritter: "Bei uns bleibt keine Dosis ungenutzt"

Wolfgang Ritter vom Hausärzteverband in Bayern spricht mit der AZ über die Folgen der Impf-Entscheidung und welche Vorteile es bietet, wenn in Zukunft Bürger auch in Hausarztpraxen gegen Corona geimpfen werden können.
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"In Deutschland gibt es 75.000 niedergelassene Praxen, die in der Lage sind fünf Millionen Patienten pro Woche zu impfen", erklärt Allgemeinmediziner Wolfgang Ritter. (Symbolbild)
"In Deutschland gibt es 75.000 niedergelassene Praxen, die in der Lage sind fünf Millionen Patienten pro Woche zu impfen", erklärt Allgemeinmediziner Wolfgang Ritter. (Symbolbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa Pool/dpa

München - AZ-Interview: Der Allgemeinmediziner Wolfgang Ritter arbeitet in einer Praxis in Sendling und ist Vorstandsmitglied im Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV).

AZ: Herr Ritter, Sie sind selbst Allgemeinmediziner und Teil des Bayerischen Hausärzteverbands - wie beurteilen Sie den Entschluss, dass künftig auch in Hausarztpraxen gegen Corona geimpft werden soll?
WOLFGANG RITTER: Impfen ist eine Kernkompetenz der Hausärztinnen und Hausärzte. Dabei geht es um mehr als nur um einen Piks. Wir müssen Patienten aufklären, mögliche Risiken abwägen und gegebenenfalls eingreifen. Die Entscheidung, die Hausärzte in die Corona-Impfungen einzubinden, war überfällig und ist von uns mehrfach gefordert worden. Wir stehen vor der Herkulesaufgabe, breite Teile der Bevölkerung schnell zu impfen, um der möglichen Ausbreitung von Mutationen zuvorzukommen. Da zählt jeder Tag.

Wolfgang Ritter: "Jetzt ist es höchste Zeit, das Impfen wieder in die Praxen zu verlagern. In Deutschland gibt es 75.000 niedergelassene Praxen, die in der Lage sind fünf Millionen Patienten pro Woche zu impfen."
Wolfgang Ritter: "Jetzt ist es höchste Zeit, das Impfen wieder in die Praxen zu verlagern. In Deutschland gibt es 75.000 niedergelassene Praxen, die in der Lage sind fünf Millionen Patienten pro Woche zu impfen." © BHÄV

Hausarzt: "Wir sind sofort in der Lage, zu priorisieren - ohne Bürokratie"

Welche Vorteile haben Hausärzte bei der Impfung - auch im Vergleich zu Impfzentren?
Die Impfzentren, die von vielen hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen unterstützt werden, leisten hervorragende Arbeit und waren zu Beginn der Impfkampagne auch unverzichtbar. Aber jetzt ist es höchste Zeit, das Impfen wieder in die Praxen zu verlagern. In Deutschland gibt es 75.000 niedergelassene Praxen, die in der Lage sind fünf Millionen Patienten pro Woche zu impfen. Diese Infrastruktur müssen wir nutzen. Wir Hausärztinnen und Hausärzte kennen unsere Patienten oft seit Jahren. Wir wissen deshalb, bei welchen unserer Patienten Vorerkrankungen oder andere Risiken vorliegen. Außerdem sind wir Hausärzte sofort in der Lage zu priorisieren, also jene Menschen zuerst zu impfen, die einem besonderen Risiko ausgesetzt sind - und zwar ohne bürokratische Strukturen, die alles nur verlangsamen. Hinzu kommt, dass unsere Patienten uns vertrauen. Dieses Vertrauen ist ein wesentlicher Faktor, ob es uns als Gesellschaft gelingt, möglichst viele Menschen zu impfen, um schnell eine Herdenimmunität zu erreichen.

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Bislang fehlt es den Hausarztpraxen noch an Corona-Impfstoff

Welche Hürden gibt es bei der Umsetzung des Vorhabens?
Das Wichtigste ist erst einmal, dass wir genügend Impfstoff in unsere Praxen bekommen. Das Thema Bürokratie ist generell ein großes Ärgernis, da macht auch die Corona-Impfung leider keine Ausnahme.

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Wo braucht es aus Sicht des Hausärzteverbands noch Hilfe der Staatsregierung?
Als Hausärzte impfen wir jeden Tag. Wir sind also in der Lage von jetzt auf gleich unsere Patienten auch gegen Corona zu schützen. Wir sind allerdings darauf angewiesen, dass die staatlichen Institutionen dieses Mal liefern und uns nicht wie bei der Schutzausrüstung und den Desinfektionsmitteln im Regen stehen lassen. Wenn wir Impfstoff bekommen, können wir sofort impfen. Bei uns Hausärztinnen und Hausärzten bleibt keine Dosis Corona-Impfstoff ungenutzt.

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