Münchner Gründer räumen Preise ab: Diese drei Unternehmen wurden ausgezeichnet

Zwei großgewachsene Münchner, die für ihr Start-up ziemlich viele Meilen bei Flügen um die halbe Welt gesammelt haben dürften, haben heuer den Gründerpreis der Stadtsparkasse München gewonnen. Felix Martick und Maximilian Angerer von ON7 konnten die Abstimmung mit ihrem wichtigen Anliegen klar für sich entscheiden.
Zum insgesamt 29. Mal wurde der Münchner Preis verliehen. Und noch nie sei das Online-Voting so eindeutig gewesen, sagte Stadtsparkassen-Vorstand Stefan Hattenkofer, der traditionell die Preisverleihung persönlich vornahm. Im Vorfeld wählte eine Jury des Geldinstituts zunächst eine Gruppe von fünf Start-ups. Dann wurde eine Online-Abstimmung durchgeführt, an der jeder teilnehmen durfte.

ON7, Gewinner dieses Publikumspreises, möchte künftig dafür sorgen, dass internationale Fachkräfte einfacher in den deutschen Arbeitsmarkt finden. Maximilian Angerer, einer der beiden Gründer von ON7, sagte dazu am Mittwoch im "barer41" der Stadtsparkasse: "Es dauert im Regelfall 504 Tage, bis eine Pflegefachkraft aus dem Ausland in Deutschland arbeiten und Geld verdienen kann." Das wollte er gemeinsam mit seinem Mitgründer Felix Martick unbedingt ändern.
Bis zu 504 Tage dauert es, bis eine Fachkraft aus dem Ausland in Deutschland arbeiten kann
Mit ihrer neuen Online-Infrastruktur und auch echten Akademien, wie etwa der "On-Academy-Care" in Würzburg, schafften sie es nach eigenen Angaben, die erwähnten 504 Tage drastisch zu reduzieren. Nämlich auf etwa sechs Wochen, also rund 42 Tage.

Dazu gehören laut Angerer aber im Vorfeld auch Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, wie etwa indische Pflegefachschulen, wo während der Ausbildung gezielt Deutsch und die nötige Fachsprache beigebracht werde. Finanziert wurde ON7 als Start-up zunächst durch Investoren, wie etwa Geldgeber Oliver Samwer.
Langfristig trägt sich das Rekrutierungsprogramm durch die Zahlung einer Vermittlungsgebühr pro Fachkraft selbst. Wer also eine Pflegefachkraft von ON7 vermittelt bekommt, muss derzeit etwa 8500 Euro begleichen. Das sei wesentlich günstiger als bei konkurrierenden Agenturen, sagt Angerer. Dort müsse man oft 20.000 Euro und mehr bezahlen. ON7 könne aber nicht nur Pflegekräfte, sondern auch Fachkräfte für weitere Branchen vermitteln, wie etwa für die Systemgastronomie oder für den Einzelhandel.
"Ich will mein Brot so backen, wie ich es für richtig halte"
Erstmals hat die Stadtsparkasse auch zwei Unternehmen in der Kategorie "Aufsteiger" gekürt, statt nur eines. Es gewann der unterhaltsame Bio-Bäcker Julius Brantner, der in München unter "Julius Brantner Brothandwerk" einige Filialen betreibt. Sein Mehl komme aus der Region, kurze Anfahrtswege also. Und: "Wir sind hundertprozentig von der Stadtsparkasse finanziert", betonte Brantner am Mittwoch.

Das sei ihm sehr wichtig. Denn: "Ich will mein Brot so backen, wie ich es für richtig halte", sagte er mit melodisch-schwäbischem Dialekt-Einschlag. Und er wolle eben nicht, dass Investoren in sein Geschäft reinreden, "nur weil dann vielleicht zwei Prozent mehr Gewinn zu holen ist, wenn man bissl Mehl spart". Brantner sei jetzt 35 und wolle den Beruf, den er in dritter Generation ergriffen hat ("der Großvater war auch scho Bäcker") schließlich noch weitere 30 Jahre ausüben.
Sein Brot sei 100 Prozent Bio-zertifiziert und besteche durch lange Reifezeiten von 24 bis 48 Stunden. Das mache es auch besonders bekömmlich. Er habe abwechselnd nur sieben Produkte täglich, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: "Vier Brotsorten, zwei Semmeln und was Süßes", fasst er zusammen.
"Oberes Mittelfeld" in München: 8,60 Euro kostet ein Kilogramm Brot bei Brantner
Das Kilogramm Brot koste bei ihm derzeit 8,60 Euro. Das sei "in München oberes Mittelfeld". Eine kleine Kostprobe seiner Brotsorten mit Butteraufstrich vor Ort ist tatsächlich ein Geschmackserlebnis. Fluffig mit einer perfekten Kruste. Nicht zu hart, auch nicht zu weich. Nicht nur für Brotgourmets sicher einen Biss wert.
Der zweite Gewinner in der Kategorie Aufsteiger ist heuer "mybacs". Das Unternehmen um Gründer Carl-Philipp von Polheim stellt Probiotika her, die das Verdauungssystem wieder ins Gleichgewicht bringen sollen. Hier zählt offenbar das Prinzip: Viel hilft mehr.
Lactobazillen beispielsweise werden zusammen mit anderen gesunden Bakterien in Kapseln abgepackt, aber im Vergleich zur Konkurrenz höher dosiert. "Andere Hersteller haben Produkte, die beispielsweise eine Milliarde koloniebildende Einheiten beinhalten", sagt von Polheim. Bei mybacs seien es bis zu 30 Milliarden.
"mybacs" gibt es nur in Drogerien und online
Die Produkte seien im Vorfeld klinisch getestet worden, betont der Gründer. Zudem sei von Polheim sein bester Kunde. Er wisse, dass sie gut wirken und nutze die Kapseln regelmäßig. 30 abgepackte Kapseln von mybacs kosten derzeit 39,90 Euro in Drogerien. In Apotheken gebe es seine guten Bakterien nicht, sagt von Polheim.
Mybacs helfe nicht nur im Inneren des Körpers, so der Gründer. "Oft haben die Leute Hautprobleme und wissen nicht, dass es am Ungleichgewicht im Darm liegt", sagt von Polheim. Dafür gebe es bei ihm etwa seine "Dermabacs"-Kapseln.
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