Münchner Escort-Lady "Jessi" packt aus

Escort-Dame Jessi aus München, 33 Jahre alt, über ihr Leben zwischen eifersüchtigen Ehefrauen, großer Liebe und Männern, die zu viel verlangen.
| Irene Kleber
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Escort-Dame Jessi aus München, 33 Jahre alt, spricht mit der AZ über ihr Leben zwischen eifersüchtigen Ehefrauen, großer Liebe und Männern, die zu viel verlangen. Hier sehen Sie Bilder von Jessi.
AZ 4 Escort-Dame Jessi aus München, 33 Jahre alt, spricht mit der AZ über ihr Leben zwischen eifersüchtigen Ehefrauen, großer Liebe und Männern, die zu viel verlangen. Hier sehen Sie Bilder von Jessi.

Escort-Dame Jessi aus München, 33 Jahre alt, über ihr Leben zwischen eifersüchtigen Ehefrauen, großer Liebe und Männern, die zu viel verlangen

München - Die Frau ist eine Schönheit. Schmalgliedrig, langbeinig, blau-grüne Augen und blondes Haar, das in leichten Wellen über ihre Schultern fällt.

In einem Münchner Biergarten lässt sie sich schwungvoll auf einer Bank nieder und sagt: „Erzählen ist okay, aber Fotos bitte nur von meiner Agentur.“ Wenn sie redet, malt sie mit den Händen Kreise in die Luft und lässt ihre Stimme Kapriolen schlagen. Mal schnurrt sie tief und katzenhaft, mal zwinkert sie unverfroren, mal lacht sie glockenhell.

Jessi, die eigentlich anders heißt, ist 33, gelernte Visagistin und lebt im Münchner Westen. Seit einigen Jahren bietet sie Liebesdienste für Männer an. In der Abendzeitung gibt sie einen Einblick in ihr Leben.

Jessi über ...

... das erste Mal:

Wissen Sie, was ein Salon für Handentspannung ist? Im Münchner Norden gibt es einige. Dort sitzen Frauen in einer Art Empfangsraum. Wenn ein Mann hereinkommt, wählt er eine Frau aus. Sie nimmt ihn mit in ein Zimmer, er legt sich nackt auf eine Massageliege und bekommt eine „Handentspannung“. Das heißt nichts anderes, als es ihm eben mit der Hand zu machen.

Ich bin durch eine Freundin mit meinem Beruf in Kontakt gekommen. Natürlich wurde ich angelernt. An einem Typ, der sich für alle Anfängerinnen lang legte, zeigte mir die Chefin, wie man drücken, kneten, streicheln muss, bis der Mann dann eben kommt.

Ein ungewöhnlicher Moment für mich. Mein Freund hatte mich verlassen, mein Konto geplündert, ich hatte Liebeskummer, Schulden und einen mies bezahlten Visagisten-Job. Und plötzlich stand ich da splitterfasernackt mit einer wildfremden Frau und einem fremden Mann und dachte nur: Wo bist du hier, was machst du da eigentlich? Die Frau war so streng mit mir, dass ich mir vorkam wie ein dummes, kleines Mädchen. Ich war 30.

... die Escort-Kundschaft:

Als Begleit-Dame läuft das ganz anders, man hat es mit einer ganz anderen Klientel zu tun. Wenn man was im Kopf hat, sich benehmen und gut unterhalten kann, bekommt man richtig gute Kunden. Dann tritt man auf wie eine Dame.

Ich habe in München sehr diskret schon Staatsanwälte und Politiker beglückt und ein hohes Tier bei der Polizei. Ein Regisseur war auch mal dabei.

Das sind Männer mit Niveau und in Führungspositionen, die einen nett ausführen und mit denen man eine aufregende Zeit verbringen kann.

Die eine Hälfte hat vor lauter Arbeit keine Zeit für eine Beziehung. Die anderen sind verheiratet, die Herren nehmen ja ihre Eheringe nicht ab, wenn sie aushäusig Sex haben.

... Ehefrauen:

Manchmal begleite ich Kunden auf Reisen. Nach Wien, nach Salzburg, nach Paris. Einer hat mich mal nach Griechenland kommen lassen. Aber nach zwei Tagen schickte er mich nach Hause. Vielleicht ist ihm die Frau draufgekommen.

Das erlebt man natürlich immer wieder – dass die Ehefrau plötzlich anruft und fragt: Sag mal, wo bist du eigentlich? Was machst du dort? Das tut mir schon leid.

Denn die meisten Kunden lieben ihre Ehefrauen. Wir erfüllen nur erotische Wünsche, die die Frau manchmal eben nicht schätzt. Manchmal profitieren die Ehefrauen auch, weil der Reiz des Neuen, den die Männer mit uns erleben, sie auch daheim wieder leidenschaftlicher macht.

... Geld:

Wenn mich ein Kunde ins Hotel oder in seine Wohnung kommen lässt, kosten ihn zwei Stunden mit mir ab 400 Euro. Wenn ich die ganze Nacht bleibe, verlange ich 1100 Euro. In guten Zeiten habe ich bis zu 7000 im Monat verdient. Aber man merkt die Wirtschaftskrise auch bei uns.

... das Verstecken:

Niemand aus meinem Familien- und Freundeskreis weiß, was für einen Beruf ich wirklich habe. Außer meiner Mutter. Nach drei Jahren mit allen möglichen Ausreden sagte ich: Mama, setz dich hin, dann sage ich dir, wo ich jetzt wirklich arbeite.

Meine Mutter hat mich einfach nur eine Weile stumm angeschaut. Dann sagte sie: „Meine erste Tochter ist lesbisch, meine zweite Tochter ist eine Prostituierte. Was habe ich da bloß gemacht.“

... Sex-Wünsche:

Natürlich haben viele meiner Kunden einfach nur Lust auf guten Sex zwischendurch. Manche wollen auch, dass ich für sie strippe, sie erotisch massiere, oder sie wünschen sich Spiele mit einer zweiten Frau im Whirlpool.

Andere Männer stehen auf Outdoor-Sex, wir fahren dann raus aus München, an den Waldrand oder einen See.

Ein Fünftel meiner Kunden will bloß zuschauen, wie ich es mir mit dem Vibrator selber mache.

Viele der Herren stehen auch auf Rollenspiele. Ich soll mich dann zum Beispiel als Sekretärin meines Kunden verkleiden – mit weißer Bluse und kurzem Bürorock – und spielen, ich hätte meine Aufgaben nicht erfüllt. Das muss ich dann wieder gutmachen, indem ich ihm zu Willen bin.

...das Zuhören:

Es verwundert vielleicht, aber ein Drittel meiner Arbeit ist: Zuhören. Diese Männer wollen einfach jemand Nettes haben, der sie bewundert, der einfühlsam ist und zu ihnen aufschaut.

Männer wollen gelobt werden. Sie lieben es, das Gefühl zu bekommen, sie wären der Nabel der Welt. Das gibt ihnen einen Glücks-Kick, wie eine Art Rausch.

Frauen glauben, dass Männer verschlossen sind und nicht reden. Das ist großer Unsinn. Männer reden eine ganze Menge, auch über ihre Gefühle. In Wahrheit sind wir Prostituierte Therapeutinnen.

Den allermeisten Männern fehlt eine Frau, die sich ihre Sorgen einfach nur anhört, ohne zu nörgeln oder Vorwürfe zu machen. Männer hassen Schuldgefühle. Ich glaube, viele liierte Männer würden zu keiner Prostituierte gehen, wenn ihre Frauen einfach netter und friedlicher wären.

...Verlockungen:

Ich bekomme oft Komplimente. Und klar, es gibt Kunden, die sich in mich verlieben. Die fragen, ob ich nicht länger bei ihnen bleiben will. Aber ich weiß, wer einmal eine Prostituierte bucht, der wird wieder eine buchen. Und ich bin keine Frau, die gern teilt.

... Macht:

Macht macht seltsame Dinge mit den Menschen. Viele Männer, die mächtige Berufe haben, verlieren irgendwann den Überblick und glauben, sie können alles verlangen und alles bekommen.

Können sie aber nicht. Wenn sich jemand schlecht benehmen möchte oder SM-Praktiken liebt, muss er eine Kollegin buchen, die das im Profil hat.

Den extremsten Fall habe ich mit einem Großstadtpolitiker erlebt, aber das war nicht in München. Der wollte sich gern vorstellen, dass das, was ich mit ihm mache, seine kleine Tochter mit ihm macht. Ehrlich, da fragt man sich. Ich bin ausgestiegen. Das ist einfach zu krass.

... Angst:

Ich habe immer meinem Schutzengel vertraut, wenn ich zu einem Fremden gegangen bin. Angst hatte ich deshalb nie. Zur Not kann ich mich wehren, wenn jemand in einer Art zudringlich wird, die mir nicht gefällt.

... Gefühle:

Wenn ich verliebt bin, kann ich nicht arbeiten. Ich hatte nur ein Mal eine feste Beziehung neben dem Job. Er war Dekorateur, ein bildschöner Mann. Er wusste, was ich tue, aber er hat mir nie nachtelefoniert. Vier Monate hat er das ausgehalten, bis er mich anschrie: Du rennst rum wie eine Prostituierte! Dann war’s aus.

...Liebe:

Natürlich sucht man immer nach seiner großen Liebe. Ich bin jetzt 33 Jahre alt, ich würde gern einen Mann haben, Kinder und eine Familie. Es gibt Kolleginnen, die sind verheiratet und haben Kinder und kommen mit der Situation gut zurecht. Für mich wird es Zeit, ein Ende zu finden. Nächstes Jahr schule ich um zur Versicherungskauffrau. Solange ich als Prostituierte nicht aufhöre, kann ich keinen Mann wirklich lieben. Das würde mein Herz zerreißen.

Protokoll: Irene Kleber

 

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