Münchner engagieren sich gegen Enkeltrickbetrüger

Sie haben die Betrüger selbst hereinlegte oder andere Rentner davor bewahrt auf Enkeltrickbetrüger hereinzufallen. Engagierte Münchner wurden jetzt für ihren Einsatz ausgezeichnet - die AZ stellt sie und ihre Geschichte vor!
| Ralph Hub
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Die Münchner Polizei sagt Danke und zeichnet Bürger aus der Landeshauptstadt für ihr Engagement gegen Trickbetrüger aus.
Daniel von Loeper Die Münchner Polizei sagt Danke und zeichnet Bürger aus der Landeshauptstadt für ihr Engagement gegen Trickbetrüger aus.

Während Bruno Schmaus (67) am Telefon einen dementen Greis spielte und die Betrüger damit hereinlegte, brachte ein Taxifahrer eine Frau direkt zur Polizei und bewahrt sie so vor einem Enkeltrickbetrüger. Engagierte Münchner wurden jetzt für ihren Einsatz ausgezeichnet - die AZ stellt Ihnen die Bürger und ihre Geschichten vor!

 

Dieser Rentner hat zwei Gauner ausgetrickst

 

Bruno Schmaus zeigt nach der Ehrung durch die Polizei stolz seine Urkunde.

Keine Frage, Bruno Schmaus hat ein großes schauspielerisches Talent. Nur so ist es dem 67-jährigen Pensionär gelungen, gleich zwei ausgebuffte Trickbetrüger aufs Kreuz zu legen.

„Grüß dich Bruno“, begrüßte ihn der Mann am Telefon und hakte gleich nach, „wer ist dein Lieblingskind“. Die typische Masche eines Trickbetrügers. Das fiel auch Bruno Schmaus auf. „Der kommt mir gerade recht“, dachte sich der Pensionär und begann dem Anrufer genüsslich einen gewaltigen Bären aufzubinden.

Er ließ den Mann im Glauben, er halte ihn für seinen Enkel Dominik. „90 Minuten hab ich den Kerl hingehalten, das war ganz schön schwierig und ich musste immer wieder improvisieren bei meinem Theater“, erzählt Bruno Schmaus. „Das war ziemlich aufregend, hat aber auch Spaß gemacht.“

Er müsse erst zur Bank gehen und Geld abheben. Das werde eine Stunde dauern, behauptete der Pensionär. Tatsächlich wollte er nur Zeit schinden für die Polizei. Doch die Beamten warteten den Rest des Tages vergeblich in der Wohnung. Der angekündigte Bote kam nicht, vermutlich hatte er die Adresse nicht gefunden.

Vier Monate später klingelt bei Bruno Schmaus erneut das Telefon. Diesmal war eine junge Frau dran. Wieder versuchte sie unauffällig, den Namen eines Verwandten herauszufinden. „Das kann sie haben“, dachte Bruno Schmaus und tat so, als halte er die Anruferin für seine Enkelin Anna.

Inzwischen hatte der Münchner eine gewisse Routine im Umgang mit Trickbetrügern entwickelt. Er improvisierte schnell wieder eine rührselige Geschichte. Er gab den senilen, alten Tatterkreis am Telefon. „Ich hab’ so getan, als könne ich mir nichts mehr merken, und sei völlig hilflos“, erzählt Bruno Schmaus und grinst dabei wie ein Schulbub übers ganze Gesicht.

Immer wieder ließ er sich von der Anruferin erklären, wer sie sei, was sie wolle und was er für sie zu tun habe. Die Frau verlangte von ihm, dass er all sein Geld, den Schmuck und Goldbarren in eine Tasche packen solle. „Was muss ich tun?, Was hast du gesagt“, mimte der 67-Jährige den Dementen.

Ob er ein Handy habe, wollte die Anruferin wissen. „Nein, hab ich nicht, damit kenne ich mich nicht aus“, log er. Klar hat Bruno Schmaus ein Handy und er war entschlossen, es zu benützen. Unauffällig wählte er von der Küche aus den Notruf 110. Genau in dem Moment, als sich wieder die „Enkelin“ auf dem Festnetz meldete, ging auf dem Handy die Einsatzzentrale ran. „Hier ist die Polizei“, meldete sich ein Beamte.

„Ich bekam einen Mords Schreck“, sagt Bruno Schmaus, „dass die Gaunerin das gehört hat, und hab sofort die Hand aufs Handy gelegt.“ Leise gab er an die Polizei seine Adresse durch und das es sich um eine Enkeltrickbetrügerin handle.

Minuten später war eine Polizeistreife da und legte sich auf die Lauer. Auch die Frau, die das Geld abholen sollte, ließ nicht lange auf sich warten. Kaum hatte sie die Einfahrt zum Grundstück betreten, klickten bei der 17-Jährigen aus Polen die Handschellen.

 

Taxifahrer enttarnt Trickbetrüger

 

Gerhard Spors fährt seit den 1970er-Jahren Taxi in München.

Die 88-Jährige hatte es ziemlich eilig, als sie zu Gerhard Spors in Pasing ins Taxi stieg. „Fahren sie mich schnell zur Bank am Hauptbahnhof“, wies sie ihn an. Warum sie nicht die Filiale in Pasing nehme, wollte der Taxler wissen. Dort hätte man ihr kein Geld gegeben und sie brauche aber dringend 30 000 Euro, damit sich ihre Enkelin eine Wohnung kaufen könne.

Geschichten wie diese kamen dem 67-Jährigen bekannt vor. Immer wieder hatte er in der Zeitung von der Masche der Enkeltrickbetrüger gelesen. Diesmal saß ein Opfer bei ihm im Auto. „Ich bin direkt zur PI 16 im Hauptbahnhof gefahren“, erzählt Gerhard Spors. Den Wagen parkte er so, dass sein Fahrgast nicht so schnell aussteigen konnte. Schließlich brauchte er zeit, um der Polizei die Geschichte zu erzählen.

Ein Beamter bat die Rentnerin in die Wache und klärte sie auf, dass sie drauf und dran sei, auf eine Gaunerin hereinzufallen. Doch die Frau bestand darauf, dass sie das Geld unbedingt brauche. Sie war fest überzeugt, mit ihrer Enkelin gesprochen zu haben.

Später, als sie Gerhard Spors nach Hause chauffierte, wurde ihr klar, dass sie beinahe einer Betrügerin aufgesessen wäre. „Das hätte ich nicht gedacht“, das mir so etwas eines Tages passiert“, sagte sie und bedankte sich herzlich bei dem Taxler, der sie vor einer großen Dummheit bewahrt hatte.

 

Mit Courage bei der Sparkasse

 

Pascal Bauer arbeitet als Serviceberater bei der Stadtsparkasse.

Kunden, die kurzfristig ungewöhnlich hohe Summen von ihrem Konto abheben wollen, lassen Pascal Bauer sofort hellhörig werden. So wie im Fall einer 86-Jährigen, die behauptete, sie müsse ihren Cousin Anton beim Kauf eines Autos unterstützen. 8000 Euro wollte sie abheben.

Vorsichtig erkundigte er sich bei der Rentnerin, ob sie schon von Enkeltrickbetrügern gehört habe. „Es ist eine Grenze, die man da bei seinem Kunden überschreitet, aber man will helfen und geht entsprechend mit Fingerspitzengefühl vor“, erzählt der Serviceberater.

Schließlich gelang es auch ihm, die Rentnerin davon zu überzeugen, dass sie einem Betrüger aufgesessen war. Wie in solchen Fällen üblich, versuchte die Polizei dem Täter eine Falle zu stellen. Doch der Mann hatte offenbar Lunte gerochen und kam nicht zum vereinbarten Treffpunkt. Doch ans Geld kam er auch nicht ran

 

„Das war wie im Krimi“

 

Susanne Parente (l.) und Sylvia Lefin mit Urkunde.

Auch in diesem Fall war das Opfer überzeugt, dass eine alte Freundin am Telefon ist. „Ich hätte schwören können, dass es Ulli aus Düsseldorf ist“, sagt die 82-Jährige, die lieber anonym bleiben will.

Sie habe Problem, stecke furchtbar in der Klemme und benötige dringend Geld, log die Anruferin. 50 000 Euro würden ihr helfen. „Ich war sofort bereit“, erzählt das Opfer, „schließlich war ich überzeugt einer meiner ältesten Freundinnen zu helfen. Doch aufbringen könne, hätte sie maximal 25000 Euro.

Die 82-Jährige ging zu ihrer Filiale der Stadtsparkasse. Dort traf sie auf Kundenberaterin Susanne Parente. Die kennt die Rentnerin schon Jahre und erkundigte sich vorsichtig, wofür sie so viel Geld benötige. „Das war wie im Krimi“, sagt Susanne Parente und verständigte Kollegin Sylvia Lefin. Beide sorgten für die Festnahme einer 18-jährigen Verdächtigen.

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