Münchner Buchhändlerin empfiehlt: Drei Buchtipps für die Sommerferien
Eher eine Bühne für die Bücher als ein klassischer Buchladen ist Literatur Moths in der Rumfordstraße 48, wenn es nach der Chefin Regina Moths geht. Und so schaut es drinnen auch aus, als die AZ zu Besuch ist. Eine liebevoll kuratierte Auswahl lädt zum Stöbern und Entdecken ein.
In ihrem Büro hat die Chefin für die AZ schon eine Auswahl getroffen. Lesestoff für die Sommerferien, mal spannend, mal fürs Herz, mal hintergründig. "Ich habe drei Bücher ausgesucht, mit drei Frauen mit sehr ungewöhnlichen Berufen", sagt Moths zu ihrer Auswahl. "Eine Hotelier-Grande-Dame, eine Queen und eine Meisterdiebin". Und: "Alle drei sind sprachlich und literarisch wunderbar, da müssen wir gar nicht darüber sprechen", sagt sie.
Die Bücher sind leicht und gut erzählt, "man hakt sich bei allen drei gerne unter", wie Moths es nennt. "Weil man drei wunderbare Menschen kennenlernt, die nachklingen".
Und für den Schluss hat sich Regina Moths noch eine Zugabe überlegt. Ein Buch, das ihr ganz besonders am Herzen liegt.
1. "Eine Frage des Formats" von Lea Singer (Piper)

"'Eine Frage des Formats' von Lea Singer, einer Münchner Autorin, ist die Geschichte der Porträtsitzung zwischen der Queen und Lucian Freud. Es darf sich jeder bei der Queen bewerben, ihr Porträt zu malen. Lucian Freud, wen wundert's, wurde es genehmigt. Ein Rabauke vor dem Herrn. Die beiden sitzen sich nun wie in einem Kammerspiel gegenüber. Sie schenken sich nichts. Sie sind gnädig. Er ist diszipliniert.
Es ist sehr bewegend, weil es zwei Menschen mit sehr unterschiedlicher Lebenserfahrung sind. Und es sind beide sehr eigensinnige Menschen, mit sehr eigenen Meinungen auch.
Dieses natürlich fiktive Gespräch ist auch von großem Witz."
2. "Zuflucht" von Garry Disher (Unionsverlag)

"Disher ist ein unter Krimifreunden sehr geschätzter Autor. In dem Fall geht es aber nicht um einen Detektiv, sondern um eine Meisterdiebin. Die ist auf der Flucht, weil sie ihrem ehemaligen Geliebten etwas weggeschnappt hat. Der verfolgt sie dann. Dann will das Schicksal, dass sie ausgerechnet einem Kommissar bei einem Unfall hilft."
3. "6 aus 49" von Jacqueline Kornmüller (Galiani)

"Jacqueline Kornmüller schreibt über ihre Großmutter. Wir haben sehr viele Romane über Großmütter, die ich nicht zwingend befeuern möchte. In dem Fall mache ich eine Ausnahme. Weil es ein unglaublich schöner literarischer Stil ist – Kornmüller ist Regisseurin und Schauspielerin, das merkt man. Und weil es das Schicksal einer sehr ungewöhnlichen Frau ist, die zufällig ihre Großmutter war.
Die Frau fängt im Gasthaus der Tante als Spülmagd an, aus ganz einfachen Verhältnissen kommend. Und endet als Grande Dame des ersten Hauses in Garmisch-Partenkirchen. Das Haus gibt es auch noch.
Dieser Werdegang ist begleitet von sehr viel Lebenswitz, Esprit und dem unerschütterlichen Glauben an das Glück."
4. "Erbarmen" von Lidia Jorge (Secession)

Die vierte Empfehlung von Regina Moths ist dann für die Zeit nach den Sommerferien. Denn das Buch ist aktuell nicht lieferbar, ab 28.8. ist die Ausgabe wieder lieferbar.
Für "Erbarmen" hat Jorge gerade den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur bekommen.
"Das Buch spielt im Altersheim, die Protagonistin sitzt im Rollstuhl, hat einen scharfen Verstand mit einer detektivischen Freude, ihre Mitbewohner und die Pfleger zu beobachten und zu analysieren. Durch ihren unabhängigen Geist ist sie auch Anlaufstelle für die Mitbewohner. Ihr dabei zu folgen, was in ihrem Gedankenkosmos passiert und wo sie hinwandert, ist wunderbar. Ein leises, unglaublich eindringliches Buch. Übrigens übersetzt vom Münchner Autor Steven Uhly".
Damit sollten Sie bestens gerüstet sein für die kommenden Sommerferienwochen, ob am fernen Strand, am See im Umland oder am Isarstrand.
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