Münchner (41) liefert sich irre Verfolgungsjagd mit Polizei

Sigmar F. bietet gegen Geld mit seinem Renn-Gokart (2 Sitze, 300 PS, Spitze: 235 km/h) den "ultimativen Kick!" Das letzte Rennen filmte die Polizei.
| Torsten Huber
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Ein Mann und sein Auto – pardon: Renn-Buggy. Sigmar F. aus Perlach posiert im Juli diesen Jahres am Odeonsplatz mit seinem 300 PS starken Ariel Atom. Wir haben die irre Flucht nachgezeichnet. Jetzt steht er vor dem Münchner Amtsgericht.
AZ Ein Mann und sein Auto – pardon: Renn-Buggy. Sigmar F. aus Perlach posiert im Juli diesen Jahres am Odeonsplatz mit seinem 300 PS starken Ariel Atom. Wir haben die irre Flucht nachgezeichnet. Jetzt steht er vor dem Münchner Amtsgericht.

München -  „Der ultimative Kick! Von null auf 100 in 2,9 Sekunden – nur zwei Euro für einen Kilometer!“ So wirbt der Hobby-Rennfahrer Sigmar F. (41) für eine schnelle Runde in seinem Renn-Gokart „Ariel Atom“. Das ist ein englischer Hochleistungssportwagen mit zwei Sitzen (300 PS, 235 km/h).

Sein letztes Rennen gegen die Münchner Polizei ist jetzt Gegenstand eines Strafverfahrens vor dem Amtsgericht. Vier Rotlichtverstöße, Fahren auf Gehwegen, Gefährdung des Straßenverkehrs und zu schnelles Fahren mit mehr als 120 Stundenkilometern in einer Tempo-30-Zone wird ihm vorgeworfen. „Ich sage nichts“, sagt der Angeklagte.

Der 21. Oktober 2012 ist ein Sonntag. Sonne satt, 20 Grad. Ideal für eine Spritztour. Nur dumm, dass der Polizist Karl-Heinz C. (38) und sein Kollege. gegen 15.40 Uhr, Geschwindigkeitskontrollen am Altstadtring durchführen wollen.

Der Beamte sagt im Zeugenstand: „Wir stehen gerade am Oskar-Von-Miller-Ring an der Ampel, da kam dieses Fahrzeug mit zwei Mann vorbei. Der Fahrer trägt einen Jethelm, der Beifahrer eine Vollschutzhelm. Die sind flott unterwegs gewesen.“

Es ist der Startschuss für eine irre Verfolgungsjagd durch München. Die Polizisten folgen dem Renner. Sie schalten Blaulicht, Sirene und das Geschwindigkeitsmessgerät mit Videoaufzeichnung an. Mit 115 Sachen düst „Ariel Atom“ durch den Tunnel Richtung Hofgartenstraße.

Dort stoppt der Flitzer. „Mein Kollege steigt aus. Ich will hinterher. Da flüchtet der Fahrer“, erinnert sich Karl-Heinz C. Bei seinen Ausführungen legt der Polizist die Videoaufzeichnung ein. Man sieht, wie das Renngefährt beschleunigt. Über die Alfons-Goppel-Straße geht es links in die Maximilanstraße stadtauswärts. Auch die Geschwindigkeit wird auf dem Video aufgezeichnet.

Mit Tempo 121 geht’s hoch zum Maximilianeum. Der Renner biegt links in die Maria-Theresia-Straße ein. Hier gilt Tempo 30. Das Video zeigt 100. Als der flüchtige Fahrer rechts in die Prinzregentenstraße will, kracht er beinahe in einen einbiegenden Touristenbus.

Er überfährt eine rote Ampel und biegt in die Grillparzer-, Richtung Einsteinstraße. In der Einsteinstraße legt der Fahrer eine filmreife 180-Grad-Schleuderdrehung hin. Weiter geht es zum Mittleren Ring. „Über Funk haben wir Verstärkung angefordert“, sagt Karl-Heinz C.

Drei Polizeistreifen nehmen die Verfolgung auf. Vom Ring geht’s auf die Anzinger Straße. An der Kreuzung Rosenheimer Straße stoppt die Polizei den Verkehr. Eigentlich kann der Raser nicht mehr weiter. Doch er weicht auf den Gehweg aus. Passanten springen zur Seite.

Nach drei weiteren Rotlichtverstößen verliert die Polizei das Gefährt aus den Augen. Die Zentrale meldet sich. Eine Frau habe ein seltsames Auto gesehen, dass mit qietschenden Reifen in den Hinterhof der Werinherstraße 95 eingefahren sei. Kurz danach erfolgt die Festnahme.

Privatier Sigmar F. (Anwalt: Peter Schneider) will das Video von einem Gutachter auf Messgenauigkeit prüfen lassen. Die Staatsanwältin meint: „Allein die Ampelmissachtungen reichen für eine Verurteilung.“ Am 12. Februar geht es weiter.

 

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