Münchens „Rubikon“ für junge Gewalttäter

Kontrolle vom ersten Tag an: Mit einem Pilotprojekt will Bayerns Justiz gewaltbereite Jugendliche besser in den Griff bekommen. die Jugendlichen sollen sechs Monate lang durch spezialisierte Bewährungshelfer betreut werden.
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Kontrolle vom ersten Tag an: Mit einem Pilotprojekt will Bayerns Justiz gewaltbereite Jugendliche besser in den Griff bekommen. die Jugendlichen sollen sechs Monate lang durch spezialisierte Bewährungshelfer betreut werden.

MÜNCHEN Kontrolle vom ersten Tag an: Mit einem Pilotprojekt will Bayerns Justiz gewaltbereite Jugendliche besser in den Griff bekommen. Das Projekt mit dem Namen „Rubikon“ sieht vor, dass Münchner Jugendliche, die bereits durch besonders viele oder brutale Gewalttaten aufgefallen sind und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurden, sechs Monate lang durch spezialisierte Bewährungshelfer betreut werden. Justizministerin Beate Merk sagte der „Welt am Sonntag“: „Die steigende Gewaltbereitschaft jugendlicher Intensivtäter muss durch verstärkte präventive Maßnahmen eingedämmt werden.“

Für dieses arbeitsintensive Ziel wurde die Zahl der Bewährungshelfer beim Landgericht München I aufgestockt. Die Bewährungshelfer betreuen jeweils bis zu fünf Jugendliche. Für diesen Sondereinsatz werden sie zur Hälfte von ihrer sonstigen Bewährungshilfetätigkeit freigestellt. Wegen des hohen Arbeitsaufwands gab es bislang diese Intensivbetreuung nicht. Zunächst ist der Versuch auf drei Jahre angelegt. Aktuell befinden sich 21 so genannte Intensivtäter in dem Projekt.

„Jugendlichen Intensivtätern fehlt oftmals jeder soziale Halt und jegliche schulische oder berufliche Perspektive. Alkohol, Drogen und psychische Auffälligkeiten kommen häufig hinzu“, erklärt Beate Merk. Viele jugendliche Intensivtäter nutzen die vorhandenen Hilfsangebote der Jugendhilfe oder anderer Beratungs- oder Betreuungseinrichtungen aber nicht. Daher sollen bei den „Rubikon“-Kandidaten direkt nach der Gerichtsverhandlung die speziell geschulten Bewährungshelfer eingeschaltet werden. Die Jugendlichen werden abgeholt und „engmaschig“ betreut. Dazu gehören Kontrollen genauso wie die Hilfe bei der Wohnungssuche, bei schulischen oder beruflichen Maßnahmen oder wenn es darum geht, Therapien einzuleiten.

Das Pendant zu „Rubikon“ bei der Polizei heißt „Proper“ (Projekt personenbezogene Ermittlungen und Recherche). Bereits seit dem Jahr 2000 ist jeweils nur ein Beamter mit einem jugendlichen Serientäter beschäftigt. Der Druck auf die Täter wird so erhöht, denn alle Straftaten vom Diebstahl bis zur Körperverletzung werden vom persönlichen Ermittler bearbeitet, der sich dementsprechend gut mit dem Täter und seinem Umfeld auskennt. Unter den derzeit etwa hundert „Proper“-Kids sind 14-Jährige mit mehr als 60 Einträgen. „Mehmet“ war der bekannteste.

Im März war ein „Proper“-Kid durch eine spektakuläre Aktion aufgefallen: Der 20-Jährige floh vor der Polizei in den Tunnel an der Münchner Freiheit und legte so den Bahnverkehr lahm. Grund für die Flucht: Nach ihm wurde gefahndet, weil er gegen eine Bewährungsauflage verstoßen hatte und den Rest seiner Gefängnisstrafe absitzen sollte. jot

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